25.11.2025
Ausbildung sichern, Qualität stärken
Mit dem Inkrafttreten des reformierten Gesetzes über die Berufe in der medizinischen Technologie (MT-Berufe-Gesetz – MTBG) im Januar 2023 wurde ein wichtiger Schritt zur Modernisierung der Ausbildung von Medizinischen Technologinnen und Technologen (MTL) vollzogen. Der Gesetzgeber hat damit ein Berufsbild gestärkt, das für die medizinische Diagnostik unverzichtbar ist und einen wesentlichen Beitrag zur Qualitätssicherung im Gesundheitswesen leistet.
Mit fast drei Jahren Praxiserfahrung nach Inkrafttreten des MTBG zeigt sich allerdings: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine wachsende Lücke. In der täglichen Praxis kämpfen viele Labore mit unzureichender Refinanzierung der Ausbildungskosten, unnötigen …
10.10.2025
Menetekel für Ministerin Nina Warken
Von der Krankenhausreform bleibt noch etwas übrig, aber was bleibt von der Ministerin? Die SPD hat die Kabinettsvorlage des KHAG länger als vier Wochen blockiert und Bemerkenswertes nachverhandelt. Im Kern ist das Gesetz jetzt auf die Vorgaben des Koalitionsvertrages reduziert worden.
Die Ministerin wollte den Ländern und den Krankenhäusern jedoch erheblich weiter entgegenkommen. Das zeigte schon der Referentenentwurf und dann die Bereitschaft zu Zugeständnissen in weiteren Verhandlungen. Hier hat die SPD das Erbe ihres Ministers Lauterbach ein Stück weit gerettet, so weit das nach dem Koalitionsvertrag noch möglich war. Damit …
Wer die aktuelle Gesetzgebung in der Pflege auf Bundesebene und die mit großem Aufwand tagende Bund-Länder-AG zur Zukunft der Pflegeversicherung anschaut, fühlt sich an Max Weber und seine Unterscheidung zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik erinnert. Dort nämlich ist deutlich mehr „Gesinnung“ als „Verantwortung“ zu erkennen.
In den beiden Gesetzentwürfen des Bundesgesundheitsministeriums zur Pflege, mit denen sich der Deutsche Bundestag derzeit beschäftigt, werden viele wünschenswerte Entwicklungen wie die Kompetenzerweiterung der Pflegefachkräfte oder die Neuausrichtung des Assistenzberufes vorangetrieben, die Kernfrage blendet die Politik jedoch aktuell auf allen Ebenen aus: Wie kann es gelingen, …
Die sich dramatisch verschärfenden finanziellen Engpässe in den Sozialsystemen und die Optionen zur Stabilisierung bestimmen die bundespolitische Debatte. Die Zuständigkeit für zwei Sozialsysteme (Pflege- und Krankenversicherung) obliegt dem BMG, also der politischen Verantwortung der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Der äußere Druck und die Erwartungen nehmen täglich zu („Herbst der Reformen“). Wie agiert die Bundesministerin, und was sind ihre bisherigen Signale?
Die Bundesministerin ist in einer nicht beneidenswerten, eigentlich fast aussichtslosen Lage. Während ihre Vorgänger die noch unter Bundesminister Gröhe üppigen Reserven der Krankenkassen geplündert und den Höchstbetrag der Sozialabgabenquote von 40 …
Im Sommer 2024 wurde in Deutschland ein neues Kapitel der patientenzentrierten und innovativen Gesundheitsversorgung aufgeschlagen. Durch ein weltweit bisher einzigartiges Modellvorhaben können Patientinnen und Patienten mit einer seltenen oder onkologischen Erkrankung von den Möglichkeiten der Genomsequenzierung zur Diagnostik und Therapiefindung profitieren.
In dem ambitionierten Vorhaben werden moderne genommedizinische Verfahren und Erkenntnisse strukturiert und qualitätsgesichert mit der nachgewiesenen Expertise von Fachpersonen aus Medizin, Labor und Informatik verbunden, um einen echten Mehrwert für die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu schaffen. Durch die Zusammenführung von klinischen und genomischen Daten in einer eigens …
12.08.2025
Am Ende siegt die Evidenz
Vor wenigen Wochen hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, die Liposuktion beim Lipödem dauerhaft ins Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu integrieren. Ein normales Bewertungsverfahren zu einer neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethode, würde man auf den ersten Blick denken. Doch unter der Oberfläche ging es um deutlich mehr.
Es ging um die Frage, ob die evidenzbasierte Medizin als Basis für leistungsrechtliche Entscheidungen in der GKV trotz ihrer langwierigen Prozessdauer noch Bestand haben soll oder ob schnellere, dafür aber individuelle politischen Entscheidungen nicht eine bessere Alternative sind.
Die Liposuktion bei Lipödem …
01.08.2025
Fünf Schritte für nachhaltige Prävention
Mit seinem Beschluss, das Lungenkrebsscreening für Menschen mit hohem Risiko an Lungenkrebs zu erkranken als Kassenleistung einzuführen, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 18. Juni nicht nur einen medizinisch überfälligen Schritt vollzogen, sondern auch mutige Weitsicht gezeigt: Evidenzbasierte Prävention wird zur Regelleistung, und Deutschland übernimmt eine Vorreiterrolle.
Was international vielerorts noch erprobt wird, ist in Deutschland nun mit klarer gesetzlicher Verankerung beschlossen. Auch wenn die flächendeckende Umsetzung laut G-BA erst ab April 2026 realistisch erscheint, wurde der Beschluss früher als erwartet gefasst – ein starkes Zeichen für den politischen …
28.07.2025
Vorbereitet auf den Ernstfall
Die Gefährdungslage hat sich in Deutschland massiv verändert. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine bedeutet eine sicherheitspolitische Zäsur für Europa und hat für ein Umdenken und Umsteuern gesorgt. Deutschland hat auf die veränderte Gefährdungslage mit einer sicherheitspolitischen „Zeitenwende“ reagiert – ein Paradigmenwechsel, der auch die zivile Seite unserer Sicherheitsarchitektur betrifft. Zivilschutz muss heute anders gedacht werden als noch vor wenigen Jahren.
Nicht nur Katastrophen, sondern auch hybride Bedrohungen, Angriffe auf kritische Infrastruktur und sogar der Bündnisfall bis zum Verteidigungsfall sind vorstellbare Szenarien geworden. In diesem Kontext kommt dem Gesundheitswesen und …
23.07.2025
Stationär vor ambulant!
In seinem Handbuch für gute Regierungsführung rät schon der italienische Philosoph und Diplomat Niccolo Macchiavelli, notwendige Einschnitte oder gar Grausamkeiten unmittelbar nach Regierungsantritt vorzunehmen. Im Anschluss daran könne der Fürst Wohltaten verteilen, an die sich das Volk dann erinnern werde.
Diesen historischen Rat ignorieren die gegenwärtigen Koalitionäre nicht nur. Im Gegenteil: Sie wollen zuerst scheinbare Wohltaten verteilen, wohl in der Hoffnung, eine Folgeregierung möge sich dann mit Einschnitten beschäftigen. Das wird sich aber nicht auszahlen! Vielmehr dürften die so geweckten Erwartungen schon in dieser Legislaturperiode nicht erfüllt werden können.
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20.07.2025
Krankenhausversorgung effizienter machen
Nach Auffassung des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken (BDPK) leisten wir uns zu viele teure Mindestanforderungen für Personal und Strukturen an die Leistungserbringung in unseren Krankenhäusern, in der Hoffnung, dass diese einer besseren Patientenversorgung dienen. Bewiesen ist das allerdings nicht, denn keine der eingeführten Personalvorgaben wurde im Hinblick auf die Ergebnisqualität evaluiert.
Deshalb plädieren die privaten Krankenhausträger für die Streichung dieser nicht evidenzbasierten Vorgaben. Positiver Nebeneffekt wäre, dass deutlich weniger Kontrollbürokratie anfallen würde und die Krankenhäuser wieder in die Verantwortung für eine qualitativ hochwertige, effiziente und wirtschaftliche Patientenversorgung kämen. Flankiert werden sollte …
In der Gesundheitspolitik begegnet uns immer wieder ein gefährlicher Reflex: Wo kurzfristige Einsparpotenziale winken, werden langfristige Risiken gern verdrängt. So auch im aktuellen Verfahren des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), der plant, patentfreie biopharmazeutische Arzneimittel – sogenannte Biosimilars – künftig wie klassische Generika zu behandeln. Was nach Effizienz klingt, ist in Wahrheit ein fundamentaler Systemfehler mit potenziell verheerenden Konsequenzen. Denn Biosimilars sind keine Generika – und sie lassen sich auch nicht wie solche behandeln.
Biosimilars sind Nachahmerprodukte von biopharmazeutischen Arzneimitteln. Im Gegensatz zu Generika, die chemisch identisch zum Original sind, handelt es …
Das Prostata-Karzinom ist mit etwa 15.000 Todesfällen pro Jahr die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern. Die Suche nach einer geeigneten Form der Früherkennung hat daher naturgemäß einen hohen Stellenwert. In der medizinischen Wissenschaft zur Prostata sind aber derzeit leider immer noch eine Fülle von Fragen offen, z.B. bezüglich der physiologischen Zusammenhänge der Entstehung, der Ursachen der unterschiedlichen Verläufe der Erkrankung, möglicher Risikofaktoren, und was belastbare Marker sind.
Bislang wird als GKV-Leistung im Rahmen der Früherkennung nur die digitale rektale Untersuchung (DRU) bezahlt. Die DRU lässt eine gute Einschätzung der Größe der …
