Dr. Dominik von Stillfried

In seinem Handbuch für gute Regierungsführung rät schon der italienische Philosoph und Diplomat Niccolo Macchiavelli, notwendige Einschnitte oder gar Grausamkeiten unmittelbar nach Regierungsantritt vorzunehmen. Im Anschluss daran könne der Fürst Wohltaten verteilen, an die sich das Volk dann erinnern werde.

Diesen historischen Rat ignorieren die gegenwärtigen Koalitionäre nicht nur. Im Gegenteil: Sie wollen zuerst scheinbare Wohltaten verteilen, wohl in der Hoffnung, eine Folgeregierung möge sich dann mit Einschnitten beschäftigen. Das wird sich aber nicht auszahlen! Vielmehr dürften die so geweckten Erwartungen schon in dieser Legislaturperiode nicht erfüllt werden können.

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Laila-Felicia Kattelmann, Thomas Bublitz

Nach Auffassung des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken (BDPK) leisten wir uns zu viele teure Mindestanforderungen für Personal und Strukturen an die Leistungserbringung in unseren Krankenhäusern, in der Hoffnung, dass diese einer besseren Patientenversorgung dienen. Bewiesen ist das allerdings nicht, denn keine der eingeführten Personalvorgaben wurde im Hinblick auf die Ergebnisqualität evaluiert.

Deshalb plädieren die privaten Krankenhausträger für die Streichung dieser nicht evidenzbasierten Vorgaben. Positiver Nebeneffekt wäre, dass deutlich weniger Kontrollbürokratie anfallen würde und die Krankenhäuser wieder in die Verantwortung für eine qualitativ hochwertige, effiziente und wirtschaftliche Patientenversorgung kämen. Flankiert werden sollte …

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Walter Röhrer

In der Gesundheitspolitik begegnet uns immer wieder ein gefährlicher Reflex: Wo kurzfristige Einsparpotenziale winken, werden langfristige Risiken gern verdrängt. So auch im aktuellen Verfahren des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), der plant, patentfreie biopharmazeutische Arzneimittel – sogenannte Biosimilars – künftig wie klassische Generika zu behandeln. Was nach Effizienz klingt, ist in Wahrheit ein fundamentaler Systemfehler mit potenziell verheerenden Konsequenzen. Denn Biosimilars sind keine Generika – und sie lassen sich auch nicht wie solche behandeln.

Biosimilars sind Nachahmerprodukte von biopharmazeutischen Arzneimitteln. Im Gegensatz zu Generika, die chemisch identisch zum Original sind, handelt es …

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Dr. Bernhard van Treeck

Das Prostata-Karzinom ist mit etwa 15.000 Todesfällen pro Jahr die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern. Die Suche nach einer geeigneten Form der Früherkennung hat daher naturgemäß einen hohen Stellenwert. In der medizinischen Wissenschaft zur Prostata sind aber derzeit leider immer noch eine Fülle von Fragen offen, z.B. bezüglich der physiologischen Zusammenhänge der Entstehung, der Ursachen der unterschiedlichen Verläufe der Erkrankung, möglicher Risikofaktoren, und was belastbare Marker sind.

Bislang wird als GKV-Leistung im Rahmen der Früherkennung nur die digitale rektale Untersuchung (DRU) bezahlt. Die DRU lässt eine gute Einschätzung der Größe der …

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Johannes Wagner MdB

Die neue Gesundheitsministerin Nina Warken hat keine Schonzeit: Der Reformbedarf im Gesundheitssystem ist riesig und so drängend wie vielleicht nie. An allererster Stelle steht die Finanzstabilisierung der Kranken- und Pflegeversicherung; alle wissen, das sind die ganz dicken Bretter.

Aber die Koalition lässt sich erstmal Zeit. Statt schnell Maßnahmen vorzuschlagen, die durch Strukturreformen die Ausgabendynamik bremsen würden, und verbindlich für eine faire Finanzierung der Krankenkassenleistungen zu sorgen, wird das Thema in eine Kommission verschoben, die erst 2027 Ergebnisse liefern soll. Zurecht wird befürchtet, dass die Beitragsbelastung für die gesetzlich Versicherten in …

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Dr. Robert Paquet

Die Probleme der Gesundheits- und Pflegepolitik haben in der Bevölkerung zwar einen hohen Stellenwert, spielten im Wahlkampf aber keine prominente Rolle. Auch in den Wahlprogrammen ging es bei der Sozialpolitik vor allem um das Bürgergeld und die Rente. Insoweit kann nicht verwundern, dass der Entwurf des Koalitionsvertrages bei der Gesundheitspolitik keine Überraschungen bietet.

Er ist kein großer Wurf; der einzige strukturpolitisch neue Ansatzpunkt ist die Ankündigung eines Primärversorgungssystems im ambulanten Bereich. Dass die Reform der Notfallversorgung und des Rettungsdienstes angekündigt werden – das hatten wir schon. Aber das Kernproblem der …

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Alf Reuter

Wenn heute über Entbürokratisierung im Gesundheitswesen gesprochen wird, geht es oft um „Effizienz“ oder „Arbeitsentlastung“. Beides ist wichtig – doch das greift zu kurz. Denn Entbürokratisierung ist vor allem eines: eine konkrete, sofort wirksame Maßnahme zur Kostenentlastung des GKV-Systems. Und genau das brauchen wir angesichts der demografischen Entwicklung und der steigenden Ausgaben dringender denn je.

Die von uns vertretenen rund 4.500 orthopädietechnischen Betriebe und Sanitätshäuser erzielen etwa 90 Prozent ihres Umsatzes mit gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Statt sich der ärztlich verordneten Versorgung des Versicherten zu widmen, binden Verwaltungsgaben des GKV-Systems einen …

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Prof. Dr. med. Jürgen Windeler

Man kann Andrej Rasch in seinem Beitrag im Observer Gesundheit „Die Spreu vom Weizen trennen“ in einem Punkt zustimmen: Bewertungen (nicht nur im AMNOG-Verfahren) sollten mit „Augenmaß, Flexibilität“ und unter „Berücksichtigung des Versorgungsbedarfs“ erfolgen, wobei – und das meint er sicher auch – die wissenschaftliche, evidenz-basierte Grundlage ja keineswegs verlassen werden muss.

Aber die sechs vorgebrachten Argumente, um dem Votum „Zusatznutzen nicht belegt“ quasi einen Orden anzuhängen, sind denn doch ein wenig „spooky“.

 

Klarstellungen zu AMNOG-Bewertungen 

1. „Ein nicht belegter Zusatznutzen bedeutet nicht, dass es keinen Nutzen hat.“ (Zitate …

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Dr. Andrej Rasch

Die Spreu vom Weizen trennen. Dies ist wohl die häufigste Umschreibung des AMNOG-Verfahrens, wo neue Arzneimittel mit und ohne belegten Zusatznutzen identifiziert und dementsprechend bepreist werden sollen. In der aktuellen Reformdebatte wird diese einfache Differenzierungsformel gerade wiederbelebt, um beim nicht belegten Zusatznutzen noch härter vorzugehen.

So elegant die biblische Redewendung klingt, so irreführend ist sie jedoch bei der Nutzenbewertung. Denn ursprünglich sollte die Spreu im „nie erlöschendem Feuer verbrennen“ (Matthäus 3,12), das Gute und Verwertbare also vom Bösen und Nutzlosen getrennt werden.

 

Blick in die Praxis entscheidend

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Dr. Norbert Smetak

Die Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege hat ihre Vorstellungen für die medizinische Versorgung in einem wenig ambitionierten Grundsatzpapier zusammengetragen. Dabei ist Patientensteuerung das große Zauberwort zur Sicherung der ambulanten Versorgung. Doch: Steuerung muss gekonnt eingesetzt werden. Und sie allein wird das Ruder nicht herumreißen.

Es sind schwierige Zeiten für die ambulante Versorgung. Nicht nur, weil sie schon jetzt am Limit arbeitet und der große demografische Wandel erst noch bevorsteht, sondern auch, weil die Dringlichkeit der Reformierung von schweren Weltkrisen und großen Wirtschaftsnöten überschattet wird. Dennoch bleibt eine stabile medizinische Versorgung für …

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Dr. Markus Beier

Die Beanspruchung unseres Gesundheitssystems muss in richtige Bahnen gelenkt werden. Das gilt für die stationäre Ebene, trifft aber längst auch auf die ambulante Versorgung zu. „Steuerung“ ist das Gebot der Stunde und der gemeinsame Nenner, auf den sich aktuell viele einigen können.

Wer allerdings Wie steuern soll, da scheiden sich die Geister und so finden sich seit einem Jahr unter dem Schlagwort „Patientensteuerung“ viele vage Modelle und Konzepte.

 

Steuerung – Kernelement der täglichen Arbeit

Patientensteuerung gehört seit jeher zur hausärztlichen Versorgung. Neben der Primärbehandlung sind wir Hausärztinnen und Hausärzte …

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Dr. Jens Baas

Fehlende Bedarfsgerechtigkeit in der Versorgung und mangelnde Kooperation zwischen den Gesundheitsberufen führen zu Effizienz- und Effektivitätsverlusten. Die Patientinnen und Patienten spüren dies vor allem durch die Schwierigkeit, zeitnah ambulante Termine zu bekommen. Ändern könnte das eine standardisierte digitale Ersteinschätzung des Behandlungsbedarfs, die zu einem schnelleren Zugang zur richtigen Versorgungsform beiträgt.

Dieser Weg sollte sich am medizinischen Bedarf orientieren und über eine digitale Terminplattform erfolgen, auf der Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachgruppen Terminkontingente zur Verfügung stellen. Dabei muss der Leitgedanke gelten: Termine sollen nicht der Vergütung, sondern dem Bedarf der Patientinnen …

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