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Andreas Storm

Während die Reformerfordernisse beim Morbi-RSA mit dem Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz (FKG) weitgehend abgearbeitet sind, besteht beim Thema einheitliche Aufsicht weiterhin erhöhter Handlungsbedarf. Ein Jahr, nachdem das FKG in Kraft getreten ist, ist ein guter Zeitpunkt, um die Maßnahmen gegen die Beeinflussung von Diagnosen zu überprüfen. Im Frühjahr 2021 sollten deshalb die seither gesammelten Erfahrungen evaluiert werden. Die Ergebnisse kommen dann noch rechtzeitig, um in die im Herbst 2021 anstehenden Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung einfließen zu können.

Spätestens seit 2016 sind Manipulationen durch Krankenkassen bekannt: Sie schließen gezielt Verträge mit Ärzten, um die Abrechnung …

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Katharina van Bronswijk

Diese Pandemie ist auch eine Hochsaison für die Psychotherapie und Psychologie. Psychologische Seelsorge am Telefon ist deutlich gefragter; das Thema: Corona. Expert*innenmeinungen zum Umgang mit „social distancing“, oder, wie Frau Merkel in ihrer Ansprache an die Nation sagte: Abstand als „Ausdruck von Fürsorge“ sind gewünscht. Das zeigt sich auch in den Regelungen, die unser System für die Aufrechterhaltung der psychotherapeutischen Grundversorgung getroffen hat: Videosprechstunden, Abrechnungsmöglichkeiten für Telefonziffern, ein Schutzschirm für niedergelassene Psychotherapeut*innen. Dann wird doch alles gut, oder? Wen haben wir vergessen?

 

PiA sind versorgungs-systemrelevant

Ein guter Teil der …

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Tiemo Wölken

Jedes Jahr sterben weltweit mehr als 700.000 Menschen aufgrund von Infektionen in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens. Sie sterben aufgrund von antimikrobiellen Resistenzen (AMR).

Wie COVID-19 stellt AMR eine ernsthafte grenzüberschreitende Gesundheitsbedrohung dar. Laut Weltgesundheitsorganisation gehört AMR sogar zu den zehn Bedrohungen für die globale Gesundheit und könnte laut UN bis 2050 jährlich zehn Millionen Menschen töten.

Die COVID-19-Pandemie erinnert uns an die ernsthafte Bedrohung, die durch neu auftretende Infektionskrankheiten für die menschliche Gesundheit und unsere Wirtschaft auftritt. Uns wurde die Notwendigkeit verstärkter Überwachungsinstrumente, verbesserter Methoden zur Infektionsprävention und …

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Claudia Bernhard

Glücklicherweise war der Zeitplan hinsichtlich der Verkaufsplanungen noch nicht so weit fortgeschritten, dass das alte große Bettenhaus am kommunalen Klinikum Bremen-Mitte bereits anderweitig genutzt oder gar abgerissen gewesen wäre. So aber stand es noch da und konnte als Isolierstation für stationäre Covid-19-Patienten sofort eingesetzt werden. So ähnlich ist es auch anderen Kommunen gegangen. In einer österreichischen Krankenhaus- Umfrage zu Erfahrungen in der Corona-Krise wurde immer wieder genannt, dass stillgelegte Gebäude reaktiviert oder bereits aufgegebene Altbauten wiederbelebt wurden. Man war froh um jedes Gebäude, jeden Quadratmeter, jedes Bett, das noch vorhanden

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Nils Dehne

Die Stimmung in den deutschen Krankenhäusern ist schlecht. Die Pflegekräfte zeigen sich enttäuscht von der ausbleibenden finanziellen Anerkennung. Geschäftsführer und Vorstände solidarisieren sich bei der Kritik am Gesetzgeber. Die Träger aller Krankenhäuser blicken mit Sorge auf die Ergebnisprognosen. Die Spitzenverbände von Krankenhäusern und Kassenärzten tragen einen offenen Wettstreit um die größere Bedeutung in der Versorgung von Covid-Patienten aus. Das BMG fordert Aufklärung über die Verwendung der ausgezahlten Zuschüsse. Einzelne Medien stellen die Strukturen unseres Gesundheitswesens grundlegend in Frage. Misstrauen auf allen Ebenen ist die Folge.

Wie konnte es soweit kommen? …

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Dr. Robert Paquet

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen hat am 26. Juni in Berlin einen ersten Entwurf für ihr neues Grundsatzprogramm vorgestellt[1]. Es soll beim Parteitag im November beschlossen werden. Titel ist: „‘…zu achten und zu schützen…‘ -VERÄNDERUNG SCHAFFT HALT.“ Der Programmteil zu „Gesundheit und Pflege“ (ab S. 33) findet sich im Kapitel „Zusammen leben“ und enthält insgesamt 16 laufende Nummern (201-216). Die antikapitalistischen und sozialromantischen Wurzeln der Partei schlagen hier voll durch: Die zwei Seiten (von insgesamt 58) leben von der Kritik an der angeblichen Renditeorientierung der Gesundheitsversorgung und setzen auf staatliche

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Petra Köpping

Diese Krise hatte niemand auf dem Zettel. Die Corona-Pandemie hat für mich als neu ins Amt berufene Gesundheitsministerin Tatsachen geschaffen, die sich eklatant von denen unterschieden, auf die ich mich vorbereitet hatte. Wenn man mit klaren politischen Vorstellungen dieses Amt antritt und dann sofort in den Krisenmodus schalten muss, ist das eine sehr besondere Herausforderung. Aber, um das gleich vorweg zu sagen, wir haben das in meinem Ministerium und innerhalb der sächsischen Staatsregierung sehr gut gemeistert. Denn Regierungshandeln bewegt sich nicht, wie landläufig und mitunter auch berechtigt unterstellt, in eingefahren

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Dr. Robert Paquet

Inzwischen wird in der Debatte die Frage lauter, wem die erfolgreiche Eindämmung der Corona-Pandemie in Deutschland zu verdanken ist. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat dazu ein Positionspapier vorgelegt[1]: „Lehren aus der Pandemie für eine gute Krankenhauspolitik“. Darin wird erklärt, die Krankenhäuser hätten den Kern der systemsichernden Infrastruktur gebildet und zudem viele Patienten in Ambulanzen betreut. Sie seien der „zentrale Ankerpunkt“ in der gesundheitsbezogenen Daseinsfürsorge. Aus diesen Feststellungen leitet die DKG weitreichende Forderungen ab, bis hin zu einer „grundlegenden Reform der medizinischen Versorgung“, in deren Mittelpunkt natürlich die Krankenhäuser stehen sollen.

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Kai Klose

Hessen ist bisher vergleichsweise gut durch die COVID-19-Pandemie gekommen. Dank der gemeinsam ergriffenen Maßnahmen und der hohen Disziplin der Bevölkerung konnten wir eine Überlastung unseres Gesundheitssystems verhindern. Unser enger Austausch mit medizinischer Praxis und Wissenschaft hat dafür gesorgt, dass wir unser Motto „Hessen bleibt besonnen“ auch wirklich mit Leben füllen konnten: Der präzise Blick auf das Infektionsgeschehen ist die wichtigste Voraussetzung um abzuwägen, welche Einschränkungen wir den Bürgerinnen und Bürgern zumuten müssen. Dies gilt nun genauso für die schrittweisen Lockerungen der Corona-Verordnungen, die uns eine vorsichtige Rückkehr in den Alltag

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08.07.2020

Quo vadis, ÖGD?


Dr. Matthias Gruhl

Wann hatten Sie persönlich vor der Corona-Epidemie Kontakt mit einem Gesundheitsamt? Vielleicht erinnern Sie sich an Ihre Einschulungsuntersuchung oder die Ihrer Kinder? Meistens war’s dann aber schon, es sei denn, Sie verkaufen Lebensmittel, haben Prüfungsangst, sind psychisch krank oder müssen hygienische Pflichten einhalten. Die Gesundheitsämter sind ein wenig die unbekannten Stiefkinder des deutschen Gesundheitswesens, auf jeden Fall aber eine sehr dünne Säule im Dreiklang zwischen ambulanter, stationärer und öffentlicher Gesundheit.

Die rund 375 deutschen Gesundheitsämter sind rechtlich eingezwängt zwischen ihrer kommunalen Verortung, landesgesetzlichen Grundlagen und bundesgesetzlichen Spezialnormen. Sie sind abhängig …

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Sabine Bätzing-Lichtenthäler

Gemeinsam ist es gelungen, die Corona-Infektionswelle vom Frühjahr weitgehend einzudämmen und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Aber wir sehen auch, was wir gesundheitspolitisch aus den Erfahrungen lernen können. Allem voran: Unser Gesundheitssystem und insbesondere die Arbeit in Gesundheits- und Pflegeberufen müssen uns mehr wert sein.

In Rheinland-Pfalz und in Deutschland insgesamt ist es uns bisher gelungen, die Ausweitung des Corona-Virus zu bremsen und die Erkrankten gut zu versorgen. Dabei ist die zentrale Bedeutung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖG) für den gesundheitlichen Schutz der Bürgerinnen und Bürger sehr deutlich geworden. Die …

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Dr. Ralf Kantak

Dass Deutschland die Corona-Krise im internationalen Vergleich bislang so gut gemeistert hat, beruht auch auf den besonders starken Ressourcen unseres Gesundheitssystems. Die Ausstattung der Kliniken mit Intensivbetten ist international absolut führend. Und wir haben nicht nur den freien Zugang für alle Menschen zur Spitzenmedizin. Auch die flächendeckende ambulante Versorgung mit freiem Zugang zu Hausärzten und Fachärzten macht einen entscheidenden Unterschied zu anderen europäischen Staaten. Viele COVID19-Patienten konnten – anders als in vielen Ländern –auch außerhalb des Krankenhauses erfolgreich behandelt werden.

Dass dies so ist, verdanken wir auch unserem dualen Gesundheitssystem …

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