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Dr. Kirsten Kappert-Gonther

In der deutschen Partyszene ist der Konsum von Drogen weit verbreitet. Viele junge Erwachsene gehen zum Tanzen in Clubs und nehmen psychoaktive Substanzen zu sich. Es handelt sich überwiegend um gut gebildete und informierte Konsument*innen. Studien zeigen, dass neben Alkohol und Nikotin besonders häufig Cannabis, Ecstasy und Amphetamine (Speed) konsumiert werden. In den letzten Jahren ist der Wirkstoffgehalt unter anderem von den Ecstasy-Tabletten stark angestiegen. Für unerfahrene Konsument*innen kann das Überdosierungen und daraus resultierende medizinische Notfälle zur Folge haben. Zudem besteht für die Nutzer*innen keinerlei Klarheit über mögliche Streckmittel oder

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Dr. Robert Paquet

Die von der Bundesregierung eingesetzte wissenschaftliche Kommission für ein modernes Vergütungssystem (KOMV) hat ihren Bericht fristgerecht fertiggestellt und am 28. Januar 2020 der Öffentlichkeit präsentiert*. Ihre Empfehlung ist, eine „partielle Harmonisierung“ der beiden ambulanten Vergütungssysteme vorzunehmen (EBM und GOÄ). Das Konzept unterscheidet zwischen „Bausteinen“, die gemeinsam weiterentwickelt werden, und Bereichen, bei denen Unterschiede bewusst erhalten bleiben sollten. Zu den gemeinsamen Bausteinen gehören vor allem die Definition der ärztlichen Leistungen (sog. „Leistungslegendierung“) und die relative Kostenbewertung, d.h. die ökonomische Bewertung der Leistungen im Vergleich zueinander. Die konkreten Preise sollen dagegen auch

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Prof. Dr. Thomas Neuhann

Die Nachfrage nach Organspendeausweisen ist Anfang des Jahres enorm gestiegen. Ob sie zahlreich ausgefüllt werden und zwar zustimmend? Oder ob der Großteil irgendwann im Papierkorb landet? Keiner kann dies vorhersagen. 2019 sank die Zahl der gespendeten Organe in Deutschland auf knapp 3.000. Die Zahl der Gewebespenden lag 2016 einem Bericht der Bundesregierung zufolge hingegen bei fast 57.000. Allein 7.300 Hornhäute wurden transplantiert. Die offenbar höhere Akzeptanz von Gewebespenden in der Bevölkerung könnte man nutzen, um nur dafür eine Widerspruchslösung einzuführen. Die gerade überarbeitete Entscheidungslösung wird nicht die Effekte haben, die

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Dr. Robert Paquet

Angesichts der Corona-Krise wird zurecht danach gefragt, wie sich die Entwicklungen in China auf die Lieferketten für Arzneimittel auswirken. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beruhigt zwar: „Keine der bisher gemeldeten Lieferengpässe stehen im Zusammenhang mit Corona.“ (FAZ 6.3.2020) Trotzdem zeigt sich damit einmal mehr die Globalisierung der Pharmaproduktion. Dieses Schlaglicht gibt Anlass zum Rückblick auf zwei Studien, die in jüngster Zeit dem Zusammenhang von Rabattverträgen und Lieferengpässen nachgegangen sind. Kausal oder nicht? Das ist hier die Frage. Ein Beispiel für die Diskussionskultur in der aktuellen Gesundheitspolitik.

Im vergangenen …

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Dr. Elisabeth Fix

RISG heißt jetzt IPReG. Das Bundesgesundheitsministerium hat sich wohl angesichts der vehementen Proteste der vielen Interessensvertreter von Menschen mit Beeinträchtigungen entschlossen, den Gesetzentwurf kurzerhand umzubenennen. Am 13. Februar wurde das IPReG im Kabinett beschlossen. Vorweg: In diesem Gesetzentwurf, der die Rahmenbedingungen in der außerklinischen Intensivpflege und in der Rehabilitation neu ordnet, stecken weitaus mehr Chancen als Risiken. Aber auch die nach mehrfachen Nachbesserungen verbliebenen Risiken müssen restlos ausgeräumt werden.

Kern der Proteste, die den Referentenentwurf seit Herbst auf den Weg ins Kabinett begleitet haben, war, dass erwachsene Intensivpflegepatient/innen nur im …

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Dietrich Monstadt

In unserer heutigen Gesellschaft gilt Diabetes mellitus als eine der bedeutendsten Volkskrankheiten Deutschlands. Mit derzeit rund 12 Millionen Betroffenen[1], inklusive einer Dunkelziffer von zehn bis 20 Prozent und bei einer relativen Zunahme der Typ-2-Diabetesfälle um 54 bis 77 Prozent (+3,8 Mio. + 5,4 Mio. Fälle) bis 2040, können wir von ca. 16 Millionen Diabetiker innerhalb der nächsten 20 Jahre ausgehen[2]. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen sind nur einige der Folgeerkrankungen, die auftreten können und einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf mit sich bringen. Dies stellt sich zusehends als eine starke Belastung für das

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Johannes Bauernfeind

Niemals zuvor standen der Menschheit so viele Informationen zur Verfügung wie heute. Und niemals zuvor konnten sie so schnell miteinander ausgetauscht werden. Das Potenzial der zunehmenden Digitalisierung muss besonders im Gesundheitssektor genutzt werden, um die Gesundheitsversorgung der Menschen im Land weiter zu verbessern. Unter anderem mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) und dem Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz (GKV-FKG) wurden für die Akteure des Gesundheitswesens klare Rahmenbedingungen geschaffen – der Blick muss jetzt nach vorne gerichtet werden. Weitere Herausforderungen wie der demografische Wandel oder der voranschreitende Klimawandel stehen vor der Tür.

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Thomas Bublitz

Selten war die Reha im Fokus der Gesundheitspolitik, obwohl die Reha-Verbände und die Rehabilitationskliniken seit mehr als 20 Jahren über den dringenden Handlungsbedarf mit der Politik diskutieren. Worum es geht, ist schnell umrissen:

Die Genehmigungsfalle: Die medizinische Rehabilitation wird nach wie vor von den Rehabilitationsträgern nur auf Antrag genehmigt. Damit ist sie eine der wenigen Leistungen in unseren Sozialsystemen, die trotz ärztlich attestierter medizinischer Notwendigkeit z. B. nach Schlaganfällen, Herzoperationen etc. auch abgelehnt werden können, wenn die Versicherung anderer Meinung ist. Zu häufig kommt es zu vermeidbaren Versorgungslücken, wegen denen …

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Staatssekretär Andreas Westerfellhaus

Der Leistungskatalog der sozialen Pflegeversicherung ist in den 25 Jahren ihres Bestehens mehrfach erweitert worden. Dadurch wurde nach und nach eine Abdeckung für immer mehr Bedarfe geschaffen. Übersichtlicher ist der Leistungskatalog dabei allerdings nicht geworden.

Manche Leistungen, wie der Betrag für die zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel, sind kleinteilig und können nur für ganz bestimmte Leistungen eingesetzt werden, die bei weitem nicht alle Pflegebedürftigen oder ihre Angehörigen benötigen. Ansonsten verfällt dieser Anspruch. Andere Leistungen, z. B. die Verhinderungspflege, erlauben es, sie für unterschiedliche Zwecke zu nutzen und sie zusätzlich auch noch …

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Prof. Dr. Volker Ulrich

Das IGES‐Institut hat im Auftrag der Bertelsmann‐Stiftung jetzt eine Studie erstellt, die sich mit der Frage beschäftigt, welche finanziellen Beitragssatzeffekte die Einbeziehung der Privatversicherten in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hätte, und ob die regionale Verteilung der Versicherten, insbesondere der Privatversicherten einen Einfluss auf die Verteilung niedergelassener Vertragsärzte besitzt.

Die erste Fragestellung kommt letztlich 15 Jahre zu spät. Analysen einer sofortigen Einführung einer Bürgerversicherung waren in den Jahren nach 2003/2004 en vogue, als die Diskussionen um die Modelle Bürgerversicherung versus Gesundheitsprämien begannen. Wenn aus diesen Diskussionen etwas nachhallt, dann sicherlich, dass …

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Jens Bussmann

Der ökonomische Druck auf und der Fachkräftemangel in den Krankenhäusern sind derzeit allgegenwertig. Beides wird zwangsläufig zu einem „kalten“ Strukturwandel der deutschen Krankenhauslandschaft führen – wenn der Gesetzgeber nicht aktiv gegensteuert. Derzeit sind es in erster Linie kleinere Krankenhäuser, bei denen die Schließung droht. Aber auch größere Krankenhäuser stehen unter erheblichem Druck – auch weil sie die Versorgung in Folge von Krankenhausschließungen oder temporärer Aufnahmestopps übernehmen müssen.

Dass die Versorgungsstrukturen neu ausgerichtet, die Sektorengrenzen überwunden und Parallelvorhaltungen auf dem Krankenhausmarkt abgebaut werden sollten, ist inzwischen allgemeiner Konsens. Es geht aber …

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Prof. Dr. med. Jürgen Windeler

Die Bemühungen der Europäischen Kommission zur Intensivierung der europaweiten HTA-Zusammenarbeit stellen prinzipiell eine erfreuliche Entwicklung dar. Einheitliche Regelungen können zu einer sinnvollen Harmonisierung methodischer Standards beitragen und zudem helfen, Doppelarbeit und Inkonsistenzen zu reduzieren. Einige zentrale Aspekte sind aber bei der gemeinsamen Bewertung zu berücksichtigen.

Neben nationalen rechtlichen Grundlagen sind vor allem die erheblichen Unterschiede der Versorgungskontexte der europäischen Gesundheitssysteme von großer Bedeutung. Diese können nicht nur die nationalen Entscheidungen zur Erstattung und Preisfindung, sondern auch unmittelbar die Nutzenbewertung beeinflussen. Werden relevante nationale Versorgungsaspekte jedoch in einem europäisch erstellten HTA-Bericht …

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