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Unser Konzept

KOMMENTAR

Karl-Josef Laumann

Seit mehr als sechs Monaten führt die Pandemie Regie über alle Bereiche unseres Lebens. Die Politik ist hier keine Ausnahme. Zwar hat sich das Land von einem Krisenmodus in einem Zustand der zerbrechlichen Normalität zurückgekämpft, dennoch gehe ich davon aus, dass uns das Virus noch eine Zeit lang begleiten wird. Wahrscheinlich auch dann noch, wenn ein wirksamer Impfstoff entdeckt wird. Für ein Resümee unseres Kampfes gegen Corona ist es daher zu früh. Es kann sich aber durchaus lohnen, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Denn Corona offenbart die Stärken aber auch Schwächen des Gesundheitswesens.

 

Das Gesundheitswesen

Ich habe zu Beginn der Krise gesagt, dass wir ein leistungsfähiges, technisch gut ausgestattetes Gesundheitswesen mit motivierten und hervorragend ausgebildeten Fachkräften haben. Diese Aussage betrachte ich als vollumfänglich bestätigt. Die im europäischen Vergleich hohe Zahl an Intensivbetten und Laborkapazitäten für Testungen sowie die bislang vergleichsweise geringen Todeszahlen sind hierfür Beispiele.

Corona hat aber auch die Schwachstellen des Systems offengelegt: So haben wir nach wie vor zu wenig Pflegekräfte. Klatschen ist zwar ein schönes Zeichen des Respekts. Es trägt aber leider nichts dazu bei, um die Misere konkret zu lösen. Langfristig hilft nur, mehr Pflegekräfte auszubilden, und jene, die bereits …

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POLITISCHE ANALYSE

Narrativ im Kaffeesatz

Dr. Christopher Hermann

Dr. Christopher Hermann

„Der Sprung in die Zukunft, hinweg über die Bedingungen des Gegenwärtigen, landet im Vergangenen.“
Adorno, Minima Moralia

 

Anders als häufig in früheren Zeiten können sich Gesundheits- und Pflegepolitik in der laufenden Legislaturperiode in einer außergewöhnlichen öffentlichen Aufmerksamkeit sonnen. Während über lange Zeit gesetzgeberische Änderungsbestrebungen eine immer wieder zwar sporadisch aufkeimende, aber letztlich als Zeitfenster limitierte besondere gesellschaftliche Wahrnehmung erreichten, zeigt sich mittlerweile ein anderes Bild, das durch die Corona-Pandemie seit dem Frühjahr 2020 nur noch markanter konturiert wird. Themen aus Gesundheit und Pflege sind in der Republik inzwischen durchaus prominent medienmächtig. Was bei aller Aufmerksamkeit allerdings randständig bleibt, ist die Frage nach der gemeinsamen Klammer: Welchem grundlegenden politischen Kompass folgt die aktuelle Gesundheits- und speziell GKV-Politik? Lässt sich ein übergeordneter ordnungs- und steuerungspolitischer Kompass überhaupt (noch) ausmachen? Und falls ja, welche näheren Koordinaten lassen sich ermitteln?

Dass sich die politisch Handelnden dabei insbesondere sowohl innerhalb der hier weiten verfassungsrechtlichen Gestaltungsspielräume bewegen als auch die bekannten und seit langem benannten Akteure der Gewährleistung gesundheitlicher Versorgung innerhalb der GKV adressieren – zentral Vertragsärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen –, darf …

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MANAGEMENT/Wissenschaft

Ambulante Versorgung: qualitätsorientierte Vergütung allein für die Leistungsoptimierung nicht ausreichend

Ambulant vor stationär – dieser Leitsatz gilt international, aber auch zunehmend im deutschen Gesundheitswesen. Die Große Koalition verlangt verstärkt ein Umdenken von den beteiligten Akteuren in der ambulanten und stationären Versorgung. Sektorübergreifende Versorgungsformen werden beispielsweise durch medizinische Versorgungszentren weiter gefördert. Der Trend zur Ambulantisierung lenkt somit zunehmend das wirtschaftliche Interesse auf die praktizierenden Hausärzte. Eine italienische Studie von Cifalinó et al. [1] untersucht erstmalig, welche Faktoren die individuelle Performance von selbstständigen Hausärzten beeinflussen und inwieweit Gesundheitssysteme eine qualitätsorientierte Vergütung für eine ambulante Leistungsoptimierung nutzen können.

Hausärzte übernehmen eine zentrale Rolle für das Gesundheitssystem. Sie sind oftmals der erste Ansprechpartner für Patienten und treffen wegweisende Entscheidungen für die patientenindividuelle Gesundheitsversorgung. Die Nähe zum Patienten ist ein zentraler Vorteil. Gleichzeitig wächst das Risiko, dass Hausärzte den Bezug zu übergeordneten Organisationen verlieren, was dazu führen kann, dass intendierte Strategien der Gesundheitspolitik …

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MANAGEMENT/Trends

Deutliche Erhöhung der GKV-Sätze im Bereich der Physiotherapie notwendig

Ute Repschläger

Dr. Björn Pfadenhauer

Die Wirtschaftlichkeitsanalyse ambulanter Therapiepraxen (WAT-Gutachten) bringt das Dilemma deutlich zutage: Der Ertrag, den ein Praxisinhaber am Ende des Monats im Jahr 2018 durchschnittlich erzielte, lag weit unter einem angemessen Unternehmerlohn. Die Vergütung physiotherapeutischer Leistungen ermöglichte keine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Leistungserbringung. Auf Basis des Gutachtens und unter Berücksichtigung der Vergütungs- und Kostenentwicklung der letzten Jahre fordert der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) deutliche Vergütungserhöhungen vom GKV-Spitzenverband. Die künftigen GKV-Preise müssen es möglich machen, sowohl den Ertrag der Praxisinhaber als auch das Gehalt der Angestellten auf ein leistungsgerechtes Niveau anzuheben.

Grundlage für diese Forderungen sind die Ergebnisse des WAT-Gutachtens, das vom unabhängigen Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) durchgeführt wurde. Auftraggeber sind insgesamt elf maßgebliche Verbände aus den Heilmittelbereichen Ergotherapie, Logopädie/Sprachwissenschaften, Physiotherapie und Podologie, die sich zu diesem Zweck zusammengeschlossen haben. Das IfG hat nicht nur Mitglieder der teilnehmenden Verbände, sondern alle Inhaber …

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autor_Prof. Dr. Nils C. Bandelow
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