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Unser Konzept

KOMMENTAR

Dr. Matthias Gruhl

Wann hatten Sie persönlich vor der Corona-Epidemie Kontakt mit einem Gesundheitsamt? Vielleicht erinnern Sie sich an Ihre Einschulungsuntersuchung oder die Ihrer Kinder? Meistens war’s dann aber schon, es sei denn, Sie verkaufen Lebensmittel, haben Prüfungsangst, sind psychisch krank oder müssen hygienische Pflichten einhalten. Die Gesundheitsämter sind ein wenig die unbekannten Stiefkinder des deutschen Gesundheitswesens, auf jeden Fall aber eine sehr dünne Säule im Dreiklang zwischen ambulanter, stationärer und öffentlicher Gesundheit.

Die rund 375 deutschen Gesundheitsämter sind rechtlich eingezwängt zwischen ihrer kommunalen Verortung, landesgesetzlichen Grundlagen und bundesgesetzlichen Spezialnormen. Sie sind abhängig von kommunalen Haushalten und Personalentscheidungen, haben keine einheitliche Struktur und müssen zum Teil Aufgaben erfüllen, für die sie kein qualifiziertes Personal auf dem freien Markt finden. Ihre Personalentwicklung und -ausstattung hängt meistens nicht vom Umfang ihrer fachlichen Aufgaben ab, sondern eher von der finanziellen Ausstattung der jeweiligen Kommune.

Kein Dezernent, kein Bürgermeister kann – außerhalb von infektiologischen Krisenzeiten – sich mit den Aufgaben eines Gesundheitsamtes großen Applaus sichern. Vor Ort konkurrieren Gesundheitsämter um Ressourcen mit anderen Ämtern, die zumeist stärker im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung oder der kommunalpolitischen Profilierung stehen, sei es die Feuerwehr, die Sozialbehörde oder das Ordnungsamt.

Hinzu kommt, dass sie wenig gesundheitsbezogenen Spielraum haben …

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POLITISCHE ANALYSE

Covid-19 als „Gamechanger“?

Dr. Florian Eckert

Dipl.-Pol. Robin Rüsenberg

Dr. Florian Eckert

Dipl.-Pol. Robin Rüsenberg

Covid-19 war und ist ein heftiger Schock. Wie die anderen großen Krisen des 21. Jahrhunderts – 9/11, Finanzkrise – kam diese unerwartet. Risikopolitik ist immer noch angesagt (Reckwitz 2020), Entscheidungen werden unter großer Unsicherheit gefällt. Die Pandemie war nicht planbar, nicht zu erwarten und verändert den Alltag der Menschen weltweit. In Deutschland stehen die Zeichen mittlerweile auf Normalisierung, restriktive Maßnahmen werden zurückgefahren, und auch EU-weit werden zunehmend Lockerungen angestrebt. Die Phase der akuten Krisenbewältigung ist vorbei, eine neue Phase hat begonnen. Ein (lokaler) Rückfall kann aber nicht ausgeschlossen werden.

Die Covid-19-Bekämpfung hat eine Vielzahl von politischen, ökonomischen, sozialen, medizinischen und rechtlichen Fragen aufgeworfen, die breit diskutiert werden. Ist Covid-19 ein „Gamechanger“? In der deutschen Europa- und Finanzpolitik („Bazooka“, „Wumms“) ist dies zweifellos der Fall. Auch das Gesundheitssystem und das Zusammenspiel der Akteure ist betroffen (z. B. Paquet 2020). Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Pandemie auch die gesundheitspolitische Politikformulierung und -ausgestaltung mehr als nur tangiert. Aber wie und welche Lehren sind zu ziehen? Und: Krisenzeiten sind auch Hochzeiten politischer Interessenvertretung (Bollmann 2020) – welche Erfahrungen hat die …

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MANAGEMENT/Wissenschaft

Ärztliche Führungskräfte erzielen bessere Qualitätsergebnisse

Wirtschaftlichkeit und eine hohe Versorgungsqualität gewährleisten: Das sind die Anforderungen, die an Führungskräfte von Krankenhäusern gestellt werden. Managementkenntnisse allein sind für eine gute Führung eines Krankenhauses jedoch nicht ausreichend. Die Einbindung von medizinischen Fachkenntnissen kann richtungsweisend für strategische Entscheidungen sein. Immer mehr Ärzte übernehmen obere Führungspositionen von Gesundheitsorganisationen. Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf Krankenhäuser bzw. Klinikverbünde hat. Im Rahmen einer groß angelegten USA-Studie wurde erstmalig untersucht, ob eine ärztliche oder nicht-ärztliche Krankenhausgeschäftsführung bessere Qualitäts- und Wirtschaftsergebnisse erzielt [1].

Im Gesundheitswesen wird verstärkt das Ziel verfolgt, den Wert der Gesundheitsversorgung zu steigern, indem qualitativ hochwertige Gesundheitsleistungen mit einem möglichst geringen finanziellen Einsatz erbracht werden. Die Geschäftsführung von Krankenhäusern übernimmt bei der Umsetzung dieser Zielsetzung eine tragende Rolle, da hier richtungsweisende Entscheidungen zum strategischen Vorgehen und zu betriebswirtschaftliche Prioritäten in der Gesundheitsversorgung getroffen werden. Immer …

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MANAGEMENT/Trends

Neue Rolle für Apotheker in integrierten regionalen Versorgungssystemen – das Potenzial ist groß

Dr. h. c. Helmut Hildebrandt

Alpana Mair

Lauren F. Lyles-Stolz

Die klassische Arbeitsteilung zwischen Pharmazie und Medizin bricht immer mehr auf, interprofessionelle Kooperationen nehmen zu. Diese Entwicklung ist ein internationaler Prozess, der sich in den kommenden Jahren weiter verstärken wird. Auch in Deutschland sollten wir das Potenzial nutzen. Denn gerade in regionalen, value-based orientierten Gesundheitsnetzwerken könnten Apotheker als „Medikamentenexperten“ eine wichtige Rolle übernehmen, zum Beispiel in der kontinuierlichen Begleitung chronisch kranker Patienten. Diese Abhandlung[1] beschreibt den Beitrag von Apothekern für die Optimierung der Gesundheitsversorgung in den USA und Schottland sowie die ersten Schritte zur Integration von Apothekern in die Organisation regionaler Versorgungsmodelle in Deutschland.

 

Die Rollen und Aufgaben der unterschiedlichen Berufsgruppen und Einrichtungen im Gesundheitswesen verändern sich in allen entwickelten Ländern. Dies hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen: steigende Pro-Kopf-Ausgaben für die Gesundheitsversorgung, neue digitale Möglichkeiten, stetige Weiterentwicklung von Arbeitsteilung, Entwicklung im medizinisch-pharmazeutischen Wissen und aufkommender …

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