IN EIGENER SACHE
Observer Gesundheit – 1.000 Beiträge: ohne Werbung, ohne Bezahlschranke, aber mit Expertise
Der Observer Gesundheit hat heute seinen 1.000. Beitrag veröffentlicht. Ein Meilenstein für uns, der nicht nur eine Zahl markiert, sondern das gewachsene Gewicht einer Plattform, die sich fest in der gesundheitspolitischen Landschaft etabliert hat.
Seit dem Start im Jahr 2018 ist viel passiert: Damals zählten wir knapp 12.500 Zugriffe pro Monat – heute sind es rund 70.000. Diese Entwicklung zeigt, dass fundierte, meinungsstarke Beiträge zur Gesundheitspolitik mehr denn je gefragt sind – auch und gerade auf einer Plattform, die bewusst mittlerweile kosten- und schon immer werbefrei ist.
Ein großer Dank gebührt unseren Autorinnen und Autoren. Sie kommen aus Wissenschaft, Politik, Verbänden, Kassen, Unternehmen, Versorgung und Praxis – und bringen ihre Sicht auf zentrale gesundheitspolitische Fragen ein. Ihre Texte …
POLITISCHE ANALYSE
Notfallreform, die vierte!
Dr. Matthias Gruhl
Nach 2019, 2020 und 2024 wird jetzt im BMG ein weiterer Versuch gestartet, diese überfällige Reform auf den Weg zu bringen. Dabei war man 2024 schon so weit: Es lag ein Kabinettsbeschluss vor. Diese etwas stümperhafte Fassung wurde mit einem ergänzenden Änderungsantrag, der die schlimmsten Fehler ausbügelte und neue Ansätze einfügte, am 06.11.2024 im Bundestags-Gesundheitsausschuss angehört.
Leider setzte just an diesem Tag die Abenddämmerung der Ampelkoalition ein, so dass die Notfallform nicht mehr verabschiedet werden konnte. Auch der Versuch, sie interfraktionell im Interregnum über die Hürden zu heben, war nicht erfolgreich.
Also auf ein Neues mit dem Referentenentwurf des BMG vom 05.11.2025, zu dem am 14.11. das verbandliche Stellungnahmeverfahren eingeleitet wurde. Ob und in welcher Form der kurz vorher von den GRÜNEN eingebrachte eigene Gesetzentwurf diesen Prozess beschleunigte, bleib dahingestellt. Auffällig war jedoch, dass das BMG bemüht war und ist, dem grünen Gesetzentwurf möglichst wenig Publizität zu zubilligen, und eine schon beschlossene Anhörung im Gesundheitsausschuss sehr irritierend abgesagt wurde. Dabei sollte das BMG wissen, dass die Grünen die wesentlichen Ideengeber und Motor für den damaligen Gesetzentwurf nebst …
MANAGEMENT/Wissenschaft
Fachfremde Belegung in Krankenhäusern
Die Krankenhausreform stellt das System im stationären Bereich grundlegend um: Die Zusammenlegung von Kapazitäten innerhalb von Leistungsgruppen soll Qualität sichern und gleichzeitig Ressourcen effizienter nutzen. Wenn Patientenzahlen in einer Leistungsgruppe zunehmen und die Auslastung entsprechend hoch ist, greift ein vertrautes Steuerungsinstrument: Patienten werden fachfremd auf anderen Stationen untergebracht.
In der internationalen Fachliteratur spricht man von Off-Service Placement (fachfremde Belegung). Gemeint sind Fälle, in denen z. B. internistische Patienten auf einer chirurgischen Station liegen, weil dort gerade ein Bett frei ist. Bisherige Studien zeigen: Für diese Off-Service-Patienten selbst bedeutet das häufig längere Aufenthalte und zum Teil schlechtere Outcomes.
Eine aktuelle Management-Science-Studie von Lim, Song und Yang [1] geht einen Schritt weiter und stellt eine bislang wenig beachtete Frage: Verlangsamt fachfremde Belegung nicht nur die Versorgung der „falsch“ liegenden Patienten, sondern auch die der regulär auf ihrer Fachstation untergebrachten …
MANAGEMENT/Trends
Was können Registerdaten und anwendungsbegleitende Datenerhebungen leisten?
Nicole Stelzner
Dr. Thorsten Pisch
Seit der Einführung des AMNOG sind pharmazeutische Unternehmen in Deutschland verpflichtet, für neue Arzneimittel einen Zusatznutzen gegenüber bestehenden Therapien nachzuweisen. Das dahinterliegende Prinzip: Eine neue Behandlung darf teurer sein als der bisherige Therapiestandard – vorausgesetzt, sie verschafft den Patienten einen nachweislich höheren Nutzen.
In der Praxis stößt dieses Verfahren jedoch zunehmend an seine Grenzen. Neue, hochspezialisierte und personalisierte Therapien für kleine Patientenpopulationen passen oft nicht in die standardisierten Bewertungsmuster – was dazu führen kann, dass die Kosten von Forschung, Entwicklung und Produktion in den Erstattungspreisen nicht mehr richtig abgebildet werden. Die mögliche Folge: Innovative Therapien erreichen nicht rechtzeitig die Patienten, die sie dringend benötigen. In drei Teilen wird sich mit der Frage beschäftigt: Welche Neujustierung braucht die Mechanik des AMNOG, damit es mit dem medizinischen Fortschritt Schritt halten kann?
Der dritte und letzte Teil dieser …
Unser Konzept

KOMMENTAR
Nina Warken wartet auf ein Wunder
Dr. Robert Paquet
Bei der Blockade des Befugniserweiterungsgesetzes (BEEP) im Bundesrat ging es ausschließlich um das „kleine Sparpaket“ für die GKV. Und dabei wiederum allein um die Klinik-Finanzierung. Die Länder wollten einen weiteren Schritt zur Aufweichung der Krankenhausreform. Die SPD, die den ganzen Vorgang orchestriert hatte, wollte eine erneute Demütigung der Gesundheitsministerin. Nina Warken steht jetzt ziemlich allein vor gewaltigen Aufgaben.
Als die Krankenhausreform mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) ins Gesetzblatt kam, war schon zu sehen, dass der ursprüngliche Plan reichlich gerupft war. Außerdem war klar, dass von der neuen Regierung weitere Maßnahmen zur Konservierung der bestehenden „Krankenhauslandschaft“ ergriffen werden. Und so war es denn auch: Bei den Koalitionsverhandlungen saßen die Länder mit am Tisch und haben ihre „Weichmacher“ überwiegend durchgesetzt. Das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) setzt nun diesen Koalitionsvertrag um. Die euphemistische Formulierung ist, die Reform damit „praktikabel“ zu machen. Damit wird verdeckt, dass sie in Wahrheit weiter ausgehöhlt wird. Die Dynamik jedenfalls ist raus. Man steht jetzt weitgehend da, wo man auch mit der schlichten Übernahme des NRW-Modells gestanden hätte.[1] Ein paar Begriffe, wie z.B. „Leistungsgruppen“ oder „Fachkliniken“, werden zwar verallgemeinert. Was darunter zu verstehen ist, wird sich aber von Land zu Land unterscheiden. Eine bundeseinheitliche Qualitätsverbesserung findet nicht statt.
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