Observer 4.0

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KOMMENTAR

Der Gesetzgeber steht vor der Wahl

Dr. Dominik von Stillfried

Thomas Czihal

Bundesgesundheitsministerin Warken hat am 14. April öffentlich angekündigt, drei Viertel der Vorschläge der FinanzKommission Gesundheit (FKG) umsetzen zu wollen. 20 Milliarden Euro sollen 2027 eingespart werden, um Lohnnebenkosten zu senken.

Die FKG konstatierte in ihrem ersten Bericht vom 30. März 2026, dass die erwartete Ausgabenentwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) durch die Einnahmen künftig nicht mehr gedeckt werden könne. Die GKV hat ein strukturelles Einnahmenproblem. Allerdings ist diese Erkenntnis nicht neu. Im Gegenteil, drei Gründe, die eine solche Konstellation erklären, sind seit ca. 40 Jahren gesundheitsökonomisches Basiswissen:

Demografische Entwicklung: Die Verlagerung der Babyboomer-Generation führt dazu, dass viele gutverdienende Beitragszahler aus dem Berufsleben ausscheiden und als Patienten mehr Leistungen in Anspruch nehmen.

Medizinischer Fortschritt: Dieser führt überwiegend dazu, dass neue Behandlungsmöglichkeiten geschaffen werden. Diese schaffen oftmals zusätzliche medizinische Versorgungsangebote für Patienten, die zuvor in diesem Umfang nicht möglich waren (mehr Menge insbesondere in der ambulanten Versorgung) und aufgrund ihrer technisch-medizintechnischen Kosten pro Leistung teurer sind (vgl. Lungenkrebsscreening mittels Niedrig-Dosis-CT).

Inhärente Kostensteigerungen von Dienstleistungen: Das Gesundheitswesen erfordert in einem hohen Maße arbeitszeitintensive Leistungen, die nur zu einem begrenzten Anteil durch günstigere Technik substituiert werden können. In dem Maße, wie Arbeitszeit in einer Volkswirtschaft durch den Fachkräftemangel teurer …

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IN EIGENER SACHE

Observer Gesundheit – 1.000 Beiträge: ohne Werbung, ohne Bezahlschranke, aber mit Expertise

Der Observer Gesundheit hat heute seinen 1.000. Beitrag veröffentlicht. Ein Meilenstein für uns, der nicht nur eine Zahl markiert, sondern das gewachsene Gewicht einer Plattform, die sich fest in der gesundheitspolitischen Landschaft etabliert hat.

Seit dem Start im Jahr 2018 ist viel passiert: Damals zählten wir knapp 12.500 Zugriffe pro Monat – heute sind es rund 70.000. Diese Entwicklung zeigt, dass fundierte, meinungsstarke Beiträge zur Gesundheitspolitik mehr denn je gefragt sind – auch und gerade auf einer Plattform, die bewusst mittlerweile kosten- und schon immer werbefrei ist.

Ein großer Dank gebührt unseren Autorinnen und Autoren. Sie kommen aus Wissenschaft, Politik, Verbänden, Kassen, Unternehmen, Versorgung und Praxis – und bringen ihre Sicht auf zentrale gesundheitspolitische Fragen ein. Ihre Texte …

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POLITISCHE ANALYSE

Darf es noch ein wenig mehr sein?

Dr. Christopher Hermann

Die FinanzKommission Gesundheit (FKG) hat kurz vor Ostern vorgabegemäß geliefert. Am 30. März wurden ihre „Empfehlungen zur Stabilisierung des Beitragssatzes zur Gesetzlichen Krankenversicherung ab 2027“ offiziell als „Erster Bericht der FinanzKommission Gesundheit“ der Öffentlichkeit präsentiert.

Sie offerieren ein breites Potpourri verschiedenster Sparvorstellungen, deren direkte und indirekte Auswirkungen auf Versicherte und die Akteursgruppen im System eine Reihe von Fragen aufwerfen. Trotz der euphorischen Aufnahme des Kommissionsberichts durch die Gesundheitspolitiker der Koalition bleibt abzuwarten, welche politischen Handlungskonsequenzen aus dem Kommissionsbericht tatsächlich erwachsen.

1. Der Auftrag

Nach ihrem eigenen Bekunden legt die Kommission damit ein „tragfähiges Gesamtpaket vor, um die Finanzierungslücke der gesetzlichen Krankenversicherung kurzfristig zu schließen“. Die Vorschläge würden „der Politik einen breiten Handlungsspielraum für die weitere Ausgestaltung“ eröffnen (FKG-Vorsitzender Greiner, FKG 2026a), denn ein solches „durchgerechnetes Werk mit dieser Breite und diesem Volumen“ habe es „im deutschen Gesundheitswesen noch nie gegeben“. Die Kommission rechne „mit einem Shitstorm epischen Ausmaßes aus allen Teilen des Systems“ (stellv FKG-Vorsitzender Gerlach 2026).

Damit blieb die Kommission in der Tat im politisch durch das BMG im Frühherbst …

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MANAGEMENT/Wissenschaft

Fachfremde Belegung in Krankenhäusern

Die Krankenhausreform stellt das System im stationären Bereich grundlegend um: Die Zusammenlegung von Kapazitäten innerhalb von Leistungsgruppen soll Qualität sichern und gleichzeitig Ressourcen effizienter nutzen. Wenn Patientenzahlen in einer Leistungsgruppe zunehmen und die Auslastung entsprechend hoch ist, greift ein vertrautes Steuerungsinstrument: Patienten werden fachfremd auf anderen Stationen untergebracht.

In der internationalen Fachliteratur spricht man von Off-Service Placement (fachfremde Belegung). Gemeint sind Fälle, in denen z. B. internistische Patienten auf einer chirurgischen Station liegen, weil dort gerade ein Bett frei ist. Bisherige Studien zeigen: Für diese Off-Service-Patienten selbst bedeutet das häufig längere Aufenthalte und zum Teil schlechtere Outcomes.

Eine aktuelle Management-Science-Studie von Lim, Song und Yang [1] geht einen Schritt weiter und stellt eine bislang wenig beachtete Frage: Verlangsamt fachfremde Belegung nicht nur die Versorgung der „falsch“ liegenden Patienten, sondern auch die der regulär auf ihrer Fachstation untergebrachten …

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MANAGEMENT/Trends

Das FDZ-Gesundheit im Methodenmix der Versorgungsforschung

Dr. Katja Gehrke

Wer glaubt, mit dem Live-Gang des Forschungsdatenzentrums (FDZ) Gesundheit gibt es nunmehr für jeden einen einfachen und explorativ nutzbaren Zugang zu pseudonymisierten Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung, der irrt.

Richtig ist, es ist eine breite Datenbasis der GKV-Versicherten sowie ein standardisiertes Verfahren zur Beantragung der Daten und eine in Teilen bereits bekannte Infrastruktur für Forschung [1-6] geschaffen worden. Dennoch können nicht alle Forschungsfragen hierüber beantwortet werden und es gibt zweckgebundene Nutzungs- und Schutzvorgaben. Das FDZ-Gesundheit kann daher als wichtiger, aber nicht immer hinreichender Baustein eines multiperspektivischen Forschungsdesigns verstanden werden.

 

1. Hintergrund und Ziel des Beitrages

Mit dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz und der FDZ-Gesundheit-Verordnung wurde der Zugang zu Gesundheitsdaten für gemeinwohlorientierte Forschungszwecke neu geordnet [2, 3]. Das Bundesministerium für Gesundheit beschreibt das FDZ-Gesundheit als Teil einer dezentralen Gesundheitsdateninfrastruktur, in der Datenzugang, Koordination und sichere Verarbeitung stärker …

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autor_Daniel Freund MdEP
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autor_Cornelia Prüfer-Storcks
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autor_Kordula Schulz-Asche
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autor_Prof. Dr. Winfried Hardinghaus
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autor_Patrick Stockebrandt
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