IN EIGENER SACHE
Observer Gesundheit – 1.000 Beiträge: ohne Werbung, ohne Bezahlschranke, aber mit Expertise
Der Observer Gesundheit hat heute seinen 1.000. Beitrag veröffentlicht. Ein Meilenstein für uns, der nicht nur eine Zahl markiert, sondern das gewachsene Gewicht einer Plattform, die sich fest in der gesundheitspolitischen Landschaft etabliert hat.
Seit dem Start im Jahr 2018 ist viel passiert: Damals zählten wir knapp 12.500 Zugriffe pro Monat – heute sind es rund 70.000. Diese Entwicklung zeigt, dass fundierte, meinungsstarke Beiträge zur Gesundheitspolitik mehr denn je gefragt sind – auch und gerade auf einer Plattform, die bewusst mittlerweile kosten- und schon immer werbefrei ist.
Ein großer Dank gebührt unseren Autorinnen und Autoren. Sie kommen aus Wissenschaft, Politik, Verbänden, Kassen, Unternehmen, Versorgung und Praxis – und bringen ihre Sicht auf zentrale gesundheitspolitische Fragen ein. Ihre Texte …
POLITISCHE ANALYSE
Ohne Kurswechsel keine Beitragssatzstabilität
Dr. Jürgen Malzahn
Johannes Wolff
Nach langem Ringen zwischen Bund und Ländern ist das Krankenhausreformanpassungsgesetz unter Dach und Fach, aber das Problem der mangelhaften Investitionskostenfinanzierung für die Kliniken bleibt nach wie vor ungelöst. Die Ausgaben im Krankenhausbereich laufen aus dem Ruder – und ihre Begrenzung ist ein wesentlicher Faktor für die Stabilisierung der GKV-Finanzen.
Die am 12. September 2025 eingesetzte „FinanzKommission Gesundheit“ (FKG) zielt angesichts massiver struktureller Defizite in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf eine evidenzbasierte Neuausrichtung der Finanzarchitektur und einer Effizienzsteigerung der Versorgungsstrukturen ab. Hierzu soll das aus zehn Expertinnen und Experten aus den Bereichen Ökonomie, Medizin, Sozialrecht, Ethik und Prävention zusammengesetzte Expertengremium Maßnahmen vorlegen, mit denen der Beitragssatz in der GKV bereits ab 2027 stabilisiert werden kann. Einen ersten Bericht mit kurzfristig wirksamen Maßnahmen soll die Kommission Ende März 2026 vorlegen. Darin sollen unter anderem maßgebliche Kostentreiber sowie Ineffizienzen auf der Ausgabenseite und Probleme auf der Einnahmenseite identifiziert werden. Ein zweiter Bericht soll bis Dezember 2026 erstellt werden und mögliche Strukturreformen für die GKV aufzeigen, mit denen das Ausgabenwachstum mittel- bis langfristig reduziert und den Herausforderungen auf der Einnahmenseite begegnet werden kann. …
MANAGEMENT/Wissenschaft
Fachfremde Belegung in Krankenhäusern
Die Krankenhausreform stellt das System im stationären Bereich grundlegend um: Die Zusammenlegung von Kapazitäten innerhalb von Leistungsgruppen soll Qualität sichern und gleichzeitig Ressourcen effizienter nutzen. Wenn Patientenzahlen in einer Leistungsgruppe zunehmen und die Auslastung entsprechend hoch ist, greift ein vertrautes Steuerungsinstrument: Patienten werden fachfremd auf anderen Stationen untergebracht.
In der internationalen Fachliteratur spricht man von Off-Service Placement (fachfremde Belegung). Gemeint sind Fälle, in denen z. B. internistische Patienten auf einer chirurgischen Station liegen, weil dort gerade ein Bett frei ist. Bisherige Studien zeigen: Für diese Off-Service-Patienten selbst bedeutet das häufig längere Aufenthalte und zum Teil schlechtere Outcomes.
Eine aktuelle Management-Science-Studie von Lim, Song und Yang [1] geht einen Schritt weiter und stellt eine bislang wenig beachtete Frage: Verlangsamt fachfremde Belegung nicht nur die Versorgung der „falsch“ liegenden Patienten, sondern auch die der regulär auf ihrer Fachstation untergebrachten …
MANAGEMENT/Trends
Kommunale Gesundheitsgenossenschaften
Prof. Dr. Stefan Scholtes
Die hausärztliche Versorgung in ländlichen Regionen Deutschlands steht vor einer akuten Krise. Laut eines kürzlich veröffentlichten Berichts der Bertelsmann Stiftung planen etwa 20 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte, ihre Tätigkeit innerhalb der nächsten fünf Jahre aufzugeben. Gleichzeitig verändert sich das Berufsbild junger Ärztinnen und Ärzte erheblich.
Die selbstständige Einzelpraxis verliert zunehmend an Attraktivität, während die Anstellung in einem Team mit planbaren Arbeitszeiten immer häufiger bevorzugt wird. Ausschlaggebend für diesen Wandel ist die zunehmende Zurückhaltung gegenüber dem unternehmerischen Risiko und der damit verbundenen Verantwortung, die viele Nachwuchsärztinnen und -ärzte abschreckt.
Die Herausforderung der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum
Die Not ist dabei besonders groß auf dem Land: Für zahlreiche Gemeinden besteht die sehr reale Gefahr, ihre lokalen Praxen zu verlieren und in eine hausärztliche Unterversorgung zu rutschen, weil sich keine geeigneten Nachfolger finden. Verstärkt wird diese …
Unser Konzept

KOMMENTAR
Da fehlt noch was im Notfallreformgesetz
Dr. Matthias Gruhl
Am 25. März soll das Kabinett den Regierungsentwurf für die geplante Notfallreform beschließen. Der Referentenentwurf geht in die richtige Richtung – bleibt unter anderem aber an einer entscheidenden Stelle unvollständig. Darauf weist ein aktuelles Positionspapier der Bertelsmann Stiftung[1] hin. Für in der Versorgung weniger dringlicher Notfälle existieren heute zwei parallel arbeitende aufsuchende Dienste – der kassenärztliche Notdienst und der Rettungsdienst. Beide behandeln häufig dasselbe Krankheitsspektrum, stimmen sich jedoch kaum ab.
In der bisherigen Formulierung des Gesetzentwurfs zur Notfallreform wird eine kostenträchtige und personalintensive Doppelvorhaltung nur unzureichend adressiert: die Schnittstelle zwischen dem aufsuchenden Fahrdienst im Rahmen der kassenärztlichen Notdienste und einem Teil der Einsätze des Rettungsdienstes. Beide Institutionen befassen sich unabgestimmt und jeweils in eigener Zuständigkeit mit dem gleichen Krankheitsspektrum – nämlich niedrigprioritäre Notfälle, also akuten Beschwerden ohne unmittelbare Lebensgefahr, die meist dem hausärztlichen oder geriatrischen Versorgungsbereich zuzuordnen sind.
Welcher der beiden Dienste die Patienten aufsucht, ist nicht eine Frage der Abstimmung oder fachlichen Notwendigkeit, sondern hängt einzig allein davon ab, welche Telefonnummer der Hilfesuchende wählt. Bei ähnlicher Fallschwere und Dringlichkeit werden dadurch unterschiedliche Prozessketten ausgelöst. Beide Dienste stimmen sich zu selten ab.
Ressourcenverschwendung auf beiden Seiten
Dabei können sich die …