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Unser Konzept

KOMMENTAR

PD Dr. Stefan Lange

„Große Daten, große Taten? Auf dem Weg zu datengestützten europäischen Gesundheitssystemen“, lautete jüngst der Titel einer Veranstaltung in Berlin. Referenten schwärmten dort von „virtuellen Räumen“ in Europa, aus denen jetzt ein gemeinsames Haus werden müsse – „damit die Daten fliegen können“. Für die Auswertung der großen Datenbestände in den einzelnen Gesundheitssystemen gäbe es bereits die technischen Möglichkeiten. Jetzt brauche es nur noch den nötigen Willen bzw. das „richtige Mindset“, um dies auch zu tun. Die vergangenen Pandemie-Monate hätten schließlich die Bedeutung großer Datenflüsse vor Augen geführt. Kurzum: Nun beginne die Ära von Big Data.

Ist es wirklich so einfach? Je größer die Datenmenge, je diffiziler die Auswertungsalgorithmen und je größer der Wille aller Beteiligten, desto größer auch die Taten? Und dann auch noch die COVID-19-Pandemie als Beispiel für die sinnhafte Verwendung großer Datenmengen? Ich sage zweimal: Nein.

 

Unerfüllte Versprechen

Das große Versprechen ist, dass Big Data bei der Gewinnung neuen medizinischen Wissens helfen kann. So sollen zum Beispiel die vielen tausend täglich in den Kliniken und Arztpraxen anfallenden Patientendaten (unter anderem die Routinedaten) dazu verwendet werden, Nutzenaussagen zu medizinischen Interventionen zu generieren. Dazu durchforsten aufwändige Programme in Hochleistungsrechnern riesige Datenmengen nach Assoziationsmustern und …

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POLITISCHE ANALYSE

Digitalisierung im europäischen Kontext

Sebastian Hofmann

Sebastian Hofmann

Manchmal beschleicht einen das mulmige Gefühl, etwas zu verpassen. Rollt das digitale Zeitalter noch auf uns zu oder schon über uns hinweg? Wissen wir genug, um die eigene Betroffenheit nach der Zeitenwende einschätzen zu können? Nehmen wir unsere Themen an, oder lassen wir uns vom allgemeinen Hype und technischem Kauderwelsch abschrecken? Und vor allem: Was betrifft mich in meiner beruflichen Verantwortung überhaupt? Diese persönlichen Fragen werden wir alle erst in ein paar Jahren im Rückblick beantworten können.

Der politische Rahmen der Digitalisierung ist dagegen hinreichend klar: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat es sich zum Ziel gesetzt, das Gesundheitswesen digital auf Vordermann bringen. Eine eigens dafür eingerichtete Hauptabteilung im Gesundheitsministerium muss Ergebnisse liefern. Meist handelt es sich um langfristige Weichenstellungen, weniger um Projekte zur schnellen Profilierung. Deutlich wird dies aktuell in den Eckpunkten für das dritte Digitalisierungsgesetz. Medientauglich sind gerade einmal zwei Legaldefinitionen für neue Leistungen (Digitaler Hausbesuch und Digitale Pflegeanwendungen); alles andere wirkt eher schwer verdaulich. Mit solchen Vorhaben gewinnt man als Minister keinen Blumentopf, oder um mit Spahns Worten zu sprechen: damit hat man mittelfristig eh die Torte …

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MANAGEMENT/Wissenschaft

Wann wirken finanzielle Anreize bei Ärzten?

Ärzte haben einen besonderen Stellenwert im Gesundheitssystem. Durch eine langjährige Ausbildung haben sie sich ein komplexes Spektrum an Wissen und Kompetenzen angeeignet, was ihnen ein hohes Maß an Selbständigkeit und Unabhängigkeit in der medizinischen Behandlung von Patienten gewährt. Der Arzt in seiner Rolle als Fachkraft stellt Arbeitgeber vor große Herausforderungen. Die ärztliche Leistungserbringung ist für den Unternehmenserhalt entscheidend. Gleichzeitig haben Arbeitgeber bzw. übergeordnete Institutionen nur eingeschränkt die Möglichkeit, einen Einfluss auf ärztliche Tätigkeiten zu nehmen. Finanzielle Anreize durch z.B. Sonderzahlungen sind ein altbewährtes Kontrollinstrument, um Handlungen von Personen bis zu einem gewissen Maß zu steuern. Eine kanadische Studie [1] untersucht erstmalig, inwieweit finanzielle Anreize eine Verhaltensänderung bei Fachärzten hervorrufen, indem auf die fachgebietsspezifischen und fachgebietsübergreifenden Charakteristika von ärztlichen Leistungsbereichen eingegangen wird.

In der gegenwärtigen Literatur werden zahlreiche Gründe angeführt, warum finanzielle Anreize bei Fachkräften, wie z.B. Ärzten, weniger …

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MANAGEMENT/Trends

Was dürfen DiGA kosten?

Pia Maier

Mit den Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) entsteht ein neuer Leistungsbereich im Gesundheitswesen. Hier kann sich Kreativität entfalten und Innovation entstehen – jedenfalls, wenn die Rahmenbedingungen, deren Details gerade noch verhandelt werden, das zulassen. Wird es sich lohnen, in diesen neuen Bereich Zeit und Geld zu investieren? Das wird zum Teil von den Rahmenbedingungen abhängen, zum Teil hängt die Antwort auf diese Frage aber auch vom Produkt ab, das eine DiGA werden möchte. Der Beitrag klärt zunächst, was DiGA sind, wie sie auf den Markt kommen, welche DiGA mit einer vernünftigen Erstattung rechnen dürfen und beschreibt am Ende den aktuellen Umsetzungsstand.

 

Was sind Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)?

DiGA sind digitale Medizinprodukte nach §33a SGB V, die vom BfArM nach § 139e SGB V für die Versorgung der gesetzlich Versicherten zugelassen werden. Diese Zulassung ist nur möglich, wenn …

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