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Unser Konzept

KOMMENTAR

Dr. Kai Joachimsen

Die Evidenzgenerierung bei Arzneimitteln für Seltene Leiden (Orphan Drugs) ist naturgemäß herausfordernd. Kleine Patientenpopulationen machen die valide Datenerhebung in einem überschaubaren Zeitraum zu einer komplexen Aufgabe. Mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) wurde für den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Möglichkeit geschaffen, für bestimmte Arzneimittel eine „anwendungsbegleitende Datenerhebung“ (awD) zu fordern. Dies gilt für Orphan Drugs, Arzneimittel mit bedingten Zulassungen und mit Zulassungen unter besonderen Umständen. Der G-BA kann vorsehen, dass sich ein pharmazeutischer Unternehmer an einer awD beteiligen muss. Ergänzend kann der G-BA vorsehen, dass nur solche Leistungserbringer derartige Arzneimittel verordnen dürfen, die sich an der awD beteiligen. Die Beauflagung geschieht mit Blick auf die frühe Nutzenbewertung bzw. die Erstattungsbetragsverhandlungen.

Wenngleich eine awD in bestimmten Fällen zur Generierung zusätzlicher Daten beitragen und so zur Quantifizierung des Zusatznutzens führen kann, ist hierbei zwingend auf die Besonderheiten der betroffenen Arzneimittel zu achten. Klar ist: Dafür bedarf es eines klar strukturierten Prozesses.

 

G-BA: Verfahrensordnung sinnvoll anpassen

Zunächst: Die Beauflagung einer awD ist eine optionale Vorschrift. Um das hervorzuheben, muss der G-BA diesen Punkt in seine Verfahrensordnung aufnehmen.

Eine awD sollte nur stattfinden, wenn sie erforderlich, geeignet und angemessen ist. Das ist …

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POLITISCHE ANALYSE

Pflegefinanzierung: Vom Charme des „Sockel-Spitze-Tauschs“

Dr. Robert Paquet

Dr. Robert Paquet

Pflegekräfte sind knapp. Das verdeutlicht die Corona-Krise noch einmal drastisch. Das Personalproblem beherrscht die Krankenhäuser und die Pflegeheime. Daher sind Organisation und Finanzierung der Pflege Themen, die neben und in Folge von Corona aktuell bleiben. [1]

So werden derzeit aus guten Gründen Verbesserungen bei der Zahl und den Einkommen der Pflegekräfte angestrebt. Das wird voraussichtlich die Kosten, insbesondere in der stationären Pflege nach oben treiben. Bei gleichbleibenden Leistungssätzen der Pflegeversicherung wird das zu einem Anstieg der „Eigenanteile“ führen, die die Pflegebedürftigen für ihre Versorgung zahlen müssen. Befürchtet wird, dass dadurch auch die Hilfe zur Pflege (Sozialhilfe) wieder häufiger in Anspruch genommen werden muss. Vor diesem Hintergrund ist der Charakter der Pflegeversicherung als Teilleistungssystem in die Kritik geraten. Als Lösung des Problems wird der sog. „Sockel-Spitze-Tausch“ vorgeschlagen, bei dem der Eigenanteil auf fixe Beträge begrenzt wird und die Pflegeversicherung das gesamte darüberhinausgehende Kostenrisiko tragen soll. SPD und LINKE gehen noch weiter und fordern eine Pflege-Vollversicherung. Dabei findet die Absicht, den Betroffenen zu helfen, große Sympathie. Es wird jedoch wenig über die Konsequenzen eines solchen Systemwechsels und mögliche …

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MANAGEMENT/Wissenschaft

Expertenfeedback verbessert Therapieentscheidungen bei jungen Kinderärzten

Mehr Leistung und weniger Zeit – mit der leistungsorientierten Vergütung im Gesundheitswesen zählt jede Minute. Das gilt auch für den Kontakt zwischen Arzt und Patient. Ärzte müssen immer häufiger in kürzester Zeit adäquate Behandlungsentscheidungen treffen, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Um die Therapieentscheidungen von Ärzten zu unterstützen, werden zunehmend Entscheidungshilfen wie Therapieleitlinien oder expertenbasiertes Feedback eingeführt. Es stellt sich nun die Frage, in welchem Ausmaß solche Entscheidungshilfen zu einer Optimierung von ärztlichen Therapieentscheidungen beitragen. Eine deutsche Studie untersucht erstmalig, inwieweit die Entscheidungen zur Antibiotikagabe von Kinderärzten durch Feedback von Experten verbessert werden kann [1].

Der übermäßige Gebrauch von Antibiotika kann Resistenzen hervorrufen und damit die Wirksamkeit von Antibiotika stark beeinträchtigen. Die gesundheitlichen Auswirkungen und Nebenwirkungen von Antibiotikaverordnungen sind in medizinischen Fachkreisen bekannt. Dennoch werden Patienten in der Praxis oft unnötig Antibiotika mit teilweise langen Therapiedauern verschrieben. Die …

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MANAGEMENT/Trends

Patientensicherheit – wie agieren deutsche Kliniken?

Prof. Dr. Roman Mennicken

Unerwünschte Ereignisse verhindern oder zumindest minimieren, Sicherheitsverhalten fördern und Risiken beherrschen. All das verbirgt sich hinter dem Begriff Patientensicherheit. Eine große Aufgabe, der sich die Krankenhäuser in Deutschland verschrieben haben. Aus gutem Grund: Es geht um das Wohl der Patienten und um die Reduzierung von Kosten. 90 bis 95 Prozent aller stationären Behandlungen verlaufen ohne Zwischenfälle, so der vdek. Dennoch kann die Zahl deutlich verringert werden. Gesetzliche Regelungen, wie im Patientenrechtegesetz oder Infektionsschutzgesetz verankert, schaffen die Grundlage. Gefragt sind aber auch zusätzliche Initiativen der Kliniken bzw. ihrer Träger, wie die des Landschaftsverbandes Rheinland. Für die USA wurde in einer Studie gezeigt, dass sich mehr Patientensicherheit für Krankenhäuser auch finanziell lohnen kann (Beauvais et al. 2019). Der folgende Beitrag legt den Schluss nahe, dass dieses Forschungsergebnis auch auf deutsche Verhältnisse übertragbar ist.

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) ist Träger …

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