„Wir müssen uns jeden Tag beweisen: Wie sind wir gut, was machen wir“

Interview mit Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg, Bundesvorsitzender MEDI GENO Deutschland und Aufsichtsratsvorsitzender der MEDIVERBUND AG

Mehr als 5.000 Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten sind bei MEDI Baden-Württemberg organisiert, im Bundesverband MEDI GENO Deutschland sind es über 15.000. Aus der von vier Ärzten ins Leben gerufenen Ärzteinitiative im Jahre 1992 ist mittlerweile ein mittelständisches Unternehmen mit diversen Managementgesellschaften geworden. Das Portfolio umfasst sowohl, Verträge auszuhandeln, einen eigenen Praxisbedarf bereitzustellen, als auch für den Aufbau und den Betrieb von MVZ da zu sein – das Rundum-sorglos-Paket für MEDI-Mitglieder und ihre Praxen. Initiator und gerade wiedergewählter MEDI-Chef auf Bundes- und Landesebene ist Dr. Werner Baumgärtner. Sein täglicher Antrieb ist, gute Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Existenz der MEDI-Praxen zu schaffen mit garantierter Transparenz. Dafür wird er auch unbequem – wie im jüngsten Fall, der Installierung von nicht sicheren TI-Konnektoren in Arztpraxen.

 

Was war damals Ihre persönliche Motivation zur Gründung von MEDI?

Mir hat es gereicht. In den 1990er Jahren hatten wir das Gefühl, dass die KVen zur Behörde mutierten. Das heißt, es wurden nur noch politische Vorgaben umgesetzt. Damals freiwillig: Die großen Spielräume wurden allerdings nicht im Sinne der Ärzte genutzt. Der wirtschaftliche Fokus fehlte und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen.

Eine Praxis ist keine soziale Einrichtung, das ist vielmehr ein kleines Unternehmen. Und die KV ist die Dachorganisation von vielen kleinen Unternehmen. Sie muss dafür sorgen, dass die Praxen wirtschaftlich gut vorankommen. Das fehlte. Mehrere Ärzte haben sich mit mir zusammengetan und 1992 die Ärzteinitiative „Therapiefreiheit“ gegründet. Ein Jahr später wurde daraus die „Vertragsärztliche Vereinigung“, als Beiboot der KV sozusagen. Da man als Verein nicht wirtschaftlich für die Praxen agieren kann, haben wir 1999 eine Managementgesellschaft ins Leben gerufen – die MEDI Verbund GmbH; als Dienstleister der Ärzte. Diese GmbH ist seit 2010 eine Aktiengesellschaft. Und aus der Vertragsärztlichen Vereinigung wurde der MEDI Verbund.

 

Welche Entwicklungsstufen mussten Sie mit Blick auf die Managementgesellschaft durchlaufen?

Am Anfang war MEDI eine standespolitische Organisation, ein politischer Kampfverband, so will ich es nennen. Das Wirtschaftliche spielte insoweit nur eine Rolle, dass man zusätzlich zu den Mitgliedsbeiträgen Einnahmen generieren konnte, um Mitarbeiter für die Verwaltung einzustellen. Wir waren also weit davon entfernt, Verträge abzuschließen oder gar Praxisbedarf für unsere Mitglieder zu liefern. Aber wir wollten mitmischen, uns in das wirtschaftliche Geschehen einbringen, gemeinsam gegenüber den Kassen unsere Interessen vertreten.

Wie wichtig der MEDI Verbund war, zeigte sich bei der Einführung der Selektivverträge im Jahr 2008. Da war bei uns die Frage: Sind wir dabei oder nicht? MEDI ist ein fachübergreifender Verband; mit rund 5.000 Mitgliedern in Baden-Württemberg der größte Verband für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten mit mehr als 2000 Hausärzten. Es gab unendliche Diskussionen bei uns, weil wir Gefahr liefen unsere Hausärzte an den Hausärzteverband zu verlieren. Unser Verhältnis zum Hausärzteverband war damals alles andere als gut, die KV feindlich gegenüber MEDI. Aber Machtkampf in dieser Situation? Das bringt nichts.

Gut ein Jahr haben wir mit dem Hausärzteverband eine gemeinsame Strategie zu den Selektivverträgen erarbeitet. Ziel war es, dass es in Baden-Württemberg nicht nur Hausarzt-, sondern auch Facharztverträge gibt. Unterstützung kam von Christopher Hermann, Chef der AOK Baden-Württemberg, der uns alle ermuntert hat, solche Verträge zu realisieren. Damals waren Selektivverträge eine Kann-Bestimmung, dann wurde sie verbindlich geregelt. Es hat funktioniert – ohne Machtkampf.

 

Das war der Einstieg in das Vertragsbusiness?

Richtig. Dieser Einstieg hat uns in ein anderes  Fahrwasser gebracht. Wir mussten eine IT aufbauen. Ein Servicecenter wurde gebraucht für Ärzte und Patienten. Abteilungen wurden aufgebaut für das Vertragswesen mit mindestens zwei Mitarbeitern.

 

Hatten Sie das Wissen dazu?

Im Vertragswesen kann mir niemand so schnell etwas vormachen, da habe ich sehr gute Erfahrungen. Zudem gelang es mir, einen Juristen von der KV für MEDI zu gewinnen, der mit mir bereits sehr erfolgreich zusammengearbeitet hatte. Von 1997 bis Januar 2005 war ich ja KV-Vorstandsvorsitzender in Nordwürttemberg. Und in dieser Zeit haben wir als KV erreicht, dass 50 Prozent der Leistungen ausbudgetiert waren.

Die Kassen haben also das Morbiditätsrisiko übernommen. Da gab es keine Honorarbudgets oder Fallzuwachsbegrenzungen. In den Selektivverträgen haben wir dieses Ziel gemeinsam mit den Kassen auch verhandelt. Bedingung war, dass die Verträge beiden Seiten nicht um die Ohren fliegen. Die Fallwerte mussten also realistisch sein, wenn die Kassen komplett bezahlen. Ich bin schon stolz, dass wir keine Versichertenobergrenzen, also Honorarbudgets, vereinbart haben. Übrigens bis heute: mit keiner Kasse.

Alle Verträge sind so aufgebaut, dass die Ärzte ohne Budgetgrenzen fair bezahlt werden und sicher kalkulieren können. Wenn Ärzte also beispielsweise die medizinische Betreuung im Pflegeheim übernehmen sollen, müssen die Kassen es auch bezahlen, das heißt alle erbrachten Leistungen – ohne Obergrenzen und Pauschalen.

 

MEDI Baden-Württemberg wurde demnach immer größer?

Wir haben uns zu einem mittelständischen Unternehmen entwickelt. Begonnen hat es mit einer Mitarbeiterin, die halbtags arbeitete. In der Ärzteinitiative „Therapiefreiheit“ hatten wir vier Mitarbeiter. Heute sind es mehr als 70 Mitarbeiter.

 

Wann wurde Ihnen klar, dass MEDI ernst genommen wird?

MEDI hat sich aus einer Wettbewerbssituation entwickelt. Mit dem Hausärzteverband arbeiten wir zwar eng zusammen, dennoch ist er auch ein Konkurrent. Die KVen, die Kooperation mit der KV Baden-Württemberg klappt gut, obwohl sie ebenso an einigen Stellen Wettbewerber sind.

Wir müssen uns jeden Tag beweisen: Wie sind wir gut, was machen wir. Unsere Philosophie müssen wir täglich leben und umsetzen. Die heißt: Es gibt einen politischen Verband, der für Freiberuflichkeit steht – mit den Ärztinnen und Ärzten im Mittelpunkt der Patientenversorgung. Dazu kommt ein Unternehmen, das als Managementgesellschaft für die Ärzte agiert.

Die MEDIVERBUND AG ist mittlerweile größer als der Verein. Für uns sind Verein und Unternehmen jedoch eine Einheit. Die Ärzte und Psychotherapeuten geben vor, was das Unternehmen macht. Ein Beispiel: Mitarbeiter der AG kamen mit dem Vorschlag, für andere Institutionen abzurechnen, also nicht nur für die MEDI-Praxen. Dafür hätte die IT ausgelagert, vergrößert werden und am Markt für weitere „Abrechner“ zur Verfügung stehen müssen. Das wurde vom Vereinsvorstand abgelehnt.

 

Wo können Sie die Ärzte bzw. die Praxen bei wirtschaftlichen Fragen bzw. Problemen unterstützen?

Zum einen muss die Einnahmesituation der Praxen besser werden. Zum anderen nehmen wir Einfluss auf die Honorarpolitik der KV. Ich bin zum Beispiel ein Feind von Umverteilungen – im Gegensatz zu den KVen, wo das methodisch praktiziert wird. Wir wollen das nicht.

Umverteilung in einem budgetierten System kann nie gerecht sein und führt immer zu fehlender Kalkulationssicherheit der betroffenen Praxen. Unsere Praxen in Baden-Württemberg haben aufgrund der nicht vorhandenen Umverteilung mehr Planungssicherheit und können darauf vertrauen, dass nicht jedes Quartal der HVM geändert wird…

Das Thema Digitalisierung und Vernetzung ist ein weiterer Bereich, wo wir seit zirka fünf Jahren unsere Ärzte unterstützen. Begonnen haben wir mit einem Vernetzungsprojekt in Heilbronn. Dort erprobte MEDI mit der Audi BKK und AOK Baden-Württemberg sowie rund 100 Praxen von Haus- und Fachärzten digitale Alternativen zum bisherigen Fax-Standard. Die dafür eingesetzte Vernetzungssoftware ist von MicroNova entwickelt worden. Das Projekt, das von den Ärzten gut angenommen wurde, wurde Mitte 2018 von MicroNova leider gestoppt. Aus finanzieller Sicht war für den Hersteller der Gesundheitsmarkt nicht mehr attraktiv.

Am 1. Juli haben wir zusammen mit der AOK Baden-Württemberg und dem Hausärzteverband im Land ein eigenes Vernetzungsprojekt gestartet. Alle Praxen, die an den Selektivverträgen teilnehmen, sind einbezogen. Wir haben also unsere analoge Vernetzung gemeinsam mit unseren Partnern digital ausgebaut. Wir stehen dem Thema Digitalisierung sehr offen gegenüber und haben uns bereits zu einem Zeitpunkt darüber Gedanken gemacht, wo die Politik noch nicht einmal darüber nachgedacht hat.

 

Was beinhaltet die digitale Vernetzung?

Erst einmal den standardisierten Arztbrief – keine PDF-Datei, ein Medikamentenmodul und die elektronische AU.

 

Dieses System ist auch kompatibel?

Die Schnittstelle für die Vernetzung ist das hausärztliche und fachärztliche Prüfmodul, HPM oder FPM, das wir für die Abrechnung der Hausarzt- und Facharztverträge in Baden-Württemberg nutzen. Es ist in fast jedem Praxisinformationssystem in Deutschland vorhanden, muss allerdings vom jeweiligen AIS-Anbieter aktiviert und angeboten werden. Deshalb brauchen wir deren Unterstützung.

 

Wie weit ging bei Ihnen die Digitalisierung, wurden Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit einbezogen?

Der nächste geplante Schritt ist die Einbeziehung einiger Krankenhäuser, danach Pflegeeinrichtungen in die Vernetzung. Wir arbeiten bereits daran. Probleme sind immer die unterschiedlichen Schnittstellen und auch unterschiedliche Philosophien der Vernetzung. Bei uns gibt es eine Vernetzung der Versorgung (Praxen, Krankenhäuser etc.); die wird von den ärztlichen Managementgesellschaften organisiert und betreut (Gefit). Daneben gibt es eine zweite Ebene der Versicherten, die von den Kassen organisiert wird, z.B. das Befüllen der elektronischen Gesundheitsakte. Die Kommunikation zwischen den Praxen und weiteren Einrichtungen wird von ärztlichen Organisationen gehostet.

 

Wie muss eine optimale Betriebsstruktur für Praxen aussehen?

Eine Praxis braucht heute vernünftige Preise für ihre digitale Verwaltung (AIS), den Praxisbedarf, für ihre Versicherungen, wie Haftpflicht. Wir erleben aktuell einen Ärztemangel, aber auch einen Mangel der Medizinischen Fachangestellten. Der Einzelkämpfer oder die Einzelkämpferin, die zwischen 60 und 80 Stunden in der Woche arbeitet, stirbt aus.

Das MVZ als neue Versorgungseinrichtung setzt sich durch, weil viele Praxen nicht nachbesetzt werden, auch ein Thema bei uns. Praxen brauchen Unterstützung, wie Beratung bei der Abrechnung, juristische Hilfe, Steuerberatung, Verwaltung, Geschäftsführer für die eigene Organisation, Beratung bei der Digitalisierung. Alles, was eine Praxis braucht, müssen wir liefern.

 

Also das Rundum-sorglos-Paket?

Wenn Sie diesen Begriff wählen wollen, ja.

 

Gehört dazu auch, geeignete Ärzte zur Verfügung zu stellen?

Noch nicht, aber das Thema Personalpool ist auf unserer Agenda. Und unsere Arbeit macht sich bezahlt, wie wir in unseren Freiberufler-MVZ sehen. Dort beobachten wir zunehmend, dass sich jüngere Ärzte bewerben.

 

Stichwort MVZ: ein Augenmerk Ihrer Arbeit?

Ja. In Baden-Württemberg hat MEDI deshalb 39 regionale Praxisnetze als GbR organisiert. Unser Ziel ist, in jeder Region ein MVZ zu etablieren, sofern es dort gewünscht ist, wir machen niemandem Konkurrenz!

Gestartet sind wir dazu vor zwei Jahren mit unserem Projekt „Arztpraxis 2020“. Argument für diesen Weg war, dass wir Niedergelassene die Praxen behalten und nicht vielleicht an die regionalen Krankenhäuser verlieren wollen. Dafür haben wir Trägerorganisationen von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten gebildet, die für das jeweilige MVZ verantwortlich sind.

Die MEDIVERBUND AG hilft also bei der Gründung der Trägerorganisationen und kann auch Risiko übernehmen. Wir haben bei uns Ökonomen, aber auch junge Ärzte. Mit dem TSVG ist es jetzt endlich möglich, dass die angestellten Ärzte als Mitbesitzer in die Trägerorganisation des MVZ gehen und es später auch übernehmen können, wenn sie es wollen.

 

MEDI ist ein umfangreiches Konstrukt, könnten Sie das kurz erklären?

Am Beispiel Baden-Württemberg lässt sich MEDI gut erklären: Wir haben den Verein, MEDI Baden-Württemberg e.V., mit über 5.000 Fach- und Hausärzten sowie Psychotherapeuten. Dieser Verein hat eine MEDI Verbund GmbH gegründet, die später die MEDIVERBUND AG wurde. Diese AG hat beispielsweise eine Praxisbedarf GmbH zu 50 Prozent gemeinsam mit einem Vollversorger. Dann gibt es die „MEDI-Ärzte vor Ort GmbH“, die ausschließlich für die MVZ zuständig sind, die Mutter also. Außerdem haben wir 39 GbR, die für die MVZ in den Regionen das Sagen haben. Die Trägerorganisationen der MVZ sind ebenso GmbH, getragen von Ärzten.

In Baden-Württemberg haben wir derzeit acht MVZ, geplant sind 25. Wichtig ist, dass die MVZ nicht gegen den Willen der Ärzte, Kommunen bzw. Gemeinden entstehen.

Die Verträge mit den Krankenversicherungen schließen Verein und AG gemeinsam ab.

 

Was passiert mit den Gewinnen aus den MVZ?

Die gehen an die Trägerorganisationen, ein Teil für Verwaltung an die AG. Ein wichtiger Punkt ist die AG im Hintergrund, denn so sind wir am Markt mit anderen Kapitalgesellschaften auf Augenhöhe, können über die Preise mitbestimmen.

 

Und wie sieht es bundesweit aus?

Da agiert MEDI GENO Deutschland, ein Verein, mit rund 15.000 Ärzten und Psychotherapeuten in zwölf von 16 Bundesländern. Seine Aufgabe ist es, ausschließlich politisch zu agieren. Zu MEDI GENO gehören unter anderem MEDI Baden-Württemberg, MEDI Bayern, MEDI Brandenburg bzw. Berlin, hessenmed oder die Ärztegenossenschaft Nord. In jedem Bundesland ist die Struktur also anders.

 

Themenwechsel. Der Anschluss an die Telematikinfrastruktur in den Arztpraxen sorgt derzeit für heftige Kritik. Bis 1. Juli sollten alle Praxen am Netz sein, ansonsten gibt es einen Prozent Honorarabzug. Doch die TI-Konnektoren haben Sicherheitsmängel, sagen Sie. Warum?

Drei Themen werden derzeit diskutiert: Kostenerstattung, Sicherheit der Konnektoren sowie der TI-Anschluss und die damit verbundene Haftung, einschließlich Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung.

Ärzte sind auf uns zugekommen, weil die KV die Kosten für den TI-Anschluss nicht vollständig übernommen hat. Zudem kritisierten unsere Ärzte die nicht funktionierende Technik und damit verbundene Praxisausfälle. Wir haben daraufhin eine Umfrage bei unseren Mitgliedern in Baden-Württemberg gestartet. 2.000 Ärzte hatten bereits die neuen Konnektoren, mehr als 1.000 meldeten sich mit Problemen. Für uns war klar, dass das Konsequenzen haben musste und haben eine Klage gegen die KV Baden-Württemberg erwogen, damit die Ärzte ihr Geld für die Ausfallzeiten bekommen.

Dann kamen Mitarbeiter der gematik auf uns zu und machten uns auf die alten Konnektoren und Sicherheitsmängel aufmerksam. Wir wollten nicht tatenlos zusehen und haben uns externen Sachverstand wegen der Haftungsfragen geholt. Denn grundsätzlich haftet immer die Praxis, also keine KV oder KBV. Daraufhin wurden die Konnektoren geprüft.

 

Was wurde denn geprüft?

Da gibt es sogenannte Sicherheitsprofile, sozusagen eine Bauanweisung, was ein Konnektor alles berücksichtigen muss. Eine externe IT-Expertise stellte fest, dass der Konnektor in sich widersprüchlich ist. Die Sicherheitsprofile widersprechen sich teilweise. Das Fazit: Der Konnektor, der als Firewall agieren soll, schützt nicht gegen Angriffe aus der Telematikinfrastruktur in Richtung Praxen.

Mit diesem Riesenproblem suchten wir Rat bei der KBV, der gematik, beim Bundesamt für Sicherheit und Datenschutz. Bis heute haben wir nicht die Stelle in den Sicherheitsprofilen benannt bekommen, in denen steht, dass der Konnektor gegen Angriffe aus der TI heraus sicher ist. Das ist doch grotesk! Zudem gibt es keine Datenschutzfolgenabschätzung, die das DSGVO vorschreibt, der Bundesdatenschützer fordert dies seit mehr als einem Jahr von der gematik. Es gibt auch keine Überprüfung der TI, wie z.B. einen PEN Test: Dieser ist sogar für Praxen verboten, die einen Konnektor einmal prüfen lassen wollen.

Fakt ist, die Praxen werden in eine unsichere TI gezwungen, dürfen die Sicherheit nicht prüfen lassen und haften bei Angriffen. Die gematik hat sich ja vor einigen Tagen aus der Haftung gezogen und übernimmt diese auch nicht, wenn richtig in den Praxen installiert wurde.

Wir werden solange intervenieren, bis unsere Ärzte einen sicheren Schutz für ihr System bekommen oder aus der Haftung genommen werden. Gegen den einen Prozent Honorarabzug und die unzureichende Kostenerstattung für die Praxen werden wir Musterklagen führen.

 

 

Das Interview führten Fina Geschonneck und Andreas Lehr


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