Verleihung des Diotima-Ehrenpreises der deutschen Psychotherapeutenschaft

Nach ihr wurde der Preis benannt: Diotima
Dietrich Munz (BPtK) bei seiner Laudatio
Blick ins Publikum
Präsident und Preisträger: Dietrich Munz, Ellen Bruckmayer und Hans-Jochen Weidhaas (v.l.nr.)
Duo Burkert & Reich bei ihrer Darbietung
Ehrengast Ursula Lehr
Moderatorin Christina Tophoven (BPtK)
Rainer Hess (ehemals KBV-Hauptgeschäftsführer) sichtlich amüsiert
Die Diskussionsrunde
Thomas Ballast (ehemals VdAK, jetzt TK) in guter Laune
Erika Behnsen (ehemals BMG) hatte Spaß
Horst Schmidbauer (SPD)


Sie inspirierte Sokrates, als ersten Philosophen die Seele des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen – Diotima, die mystische Priesterin der Antike. Und nicht nur das: Diotima erklärte Sokrates auch das Wesen der Liebe. Für die Bundespsychotherapeutenkammer Grund genug, einen Diotima-Ehrenpreis vor neun Jahren ins Leben zu rufen. Festlich ging es auch in diesem Jahr zu – vor allem und wieder wegen der Preisträger.

Ellen Bruckmayer, studierte Soziologin und Psychologin, mit Praxis im bayrischen Feldafing, engagiert sich seit Jahrzehnten in der Psychotherapeutenkammer – auf Landesebene in Bayern, aber auch auf Bundesebene. Sie war im Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, dem, sagen wir es so, Vorläufer des Gemeinsamen Bundesausschusses, brachte sich in der KV Bayerns und der KBV ein, trug mit dazu bei, die Bayrische Psychotherapeutenkammer erfolgreich auf den Weg zu bringen und mischte als Delegierte des Deutschen Psychotherapeutentages mit. Ihr größter Erfolg war, so Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, in seiner Laudatio, dass das Bundespsychotherapeutengesetz am 16. Juli 1998 im Bundestag verabschiedet wurde. „Es war ein großer Erfolg, für den Du Dich mehr als zehn lange und intensive Jahre eingesetzt hattest. Es waren zehn Jahre intensiver fachlicher Arbeit, aber auch zehn Jahre mit immensen Spannungen, die es auszuhalten galt“, sagte Munz mit Hochachtung vor dem Einsatz von Ellen Bruckmayer und verwies auf ihren Kampf und damit verbundenen Nachtschichten, die nicht mit der Gesetzgebung endeten. Der Präsident berichtete würdevoll, dass Ellen Bruckmayer es war, die sein berufspolitisches Engagement geweckt und gefördert hatte.

Bei Hans-Jochen Weidhaas, der als psychologischer Psychotherapeut in Bad Dürkheim praktiziert, liegt ebenso ein wechselvoller berufspolitischer Werdegang hinter sich. „Dass Psychotherapeuten heute Angehörige eines freien Heilberufes mit beruflicher Selbstverwaltung sind, das verdanken wir auch Deinem Engagement“, betonte Dietrich Munz in seiner Rede. Der Geehrte war unter anderem im Bundesvorstand der PsychotherapeutenVereinigung, brachte sich als Gründungsmitglied der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz ein, engagierte sich in der KBV erst als stellvertretender Vorsitzender der Vertreterversammlung, bis März 2017 als deren Vorsitzender und erhob auch seine Stimme im G-BA, als stellvertretender Vorsitzender des Unterausschusses Psychotherapie. Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer lobte denn auch: „Du hast uns vorgelebt, dass Integration gelingen kann. Dass bei gegenseitigem Respekt und einer ausreichenden Portion von Realismus Ärzte und Psychotherapeuten gemeinsam ihre Zukunft gestalten können.“

Doch nicht nur diese Persönlichkeiten wurden während der Festveranstaltung geehrt. Der Rahmen war trefflich gewählt, um mit damaligen Mitstreitern zu diskutieren. Besonders gefreut haben sich Publikum und Teilnehmer über die Anwesenheit von Prof. Dr. Ursula Lehr, Gesundheitsministerin von 1988 bis 1991, die maßgeblich das Psychotherapeutengesetz mit auf den Weg gebracht hat.

Vom Feinsten war die Podiumsdiskussion, die alte Geschichten ans Tageslicht brachte. Moderatorin Dr. Christina Tophoven, damalige Leiterin des KBV-Referates „Neue Versorgungsformen“, heute Geschäftsführerin der BPtK , wusste genau, was sie fragen musste. Da war nachweislich auch eine Psychotherapeuten-„Veteranin“ am Werk. Ein Hochgenuss.

Bei Ellen Bruckmayer rief die Diskussion angesichts der aktuellen gesundheitspolitischen Auseinandersetzungen „ein Déjà-vu“ hervor. Damals – vor dem Psychotherapeutengesetz – habe es Spannungen zwischen Ärzten und Psychotherapeuten gegeben. Der Vertragsarzt habe auch psychische Erkrankungen behandelt, Psychotherapeuten seien „Hilfspersonen der Ärzte“ gewesen, wie sich Erika Behnsen, ehemalige Leiterin des Vertragsarztrechts im Bundesgesundheitsministerium, erinnerte. Heute agiert sie unter anderem noch bei der KV Berlin als Vorsitzende des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen. Ärzte und Krankenkassen hätten „Angst“ vor einem Gesetz gehabt. Thomas Ballast, damaliger Leiter des Referates „Ärzte“ beim VdAK, jetzt Vorstandsvize bei der TK, konterte, dass die Kassen die Integration über die KV-Vergütung präferiert haben.

Nach Aussage von Dr. Rainer Hess, damaliger KBV-Hauptgeschäftsführer, der immer noch als Gutachter und Experte in der Gesundheitspolitik gefragt ist, war das größte Problem das Budget, nicht die Integration. Das Ansehen der psychologischen Psychotherapeuten sei nicht sehr hoch gewesen, da hätte Integration geholfen. Dennoch stand dies nicht im Vordergrund, sondern die Verteilung des Budgets – ein Lächeln auf dem einen oder anderen Gesicht. Darum geht es derzeit wohl auch, wieder und immer noch. Und jetzt haben die Psychotherapeuten gar einen eigenständigen Versorgungsauftrag, wie Hess süffisant anmerkte.
Guter Rat ist gefordert. Rainer Hess begrüßte, dass mit der neuen Gesetzgebung die Psychotherapeuten sich weiter „in Richtung Arztberuf“ bewegen. Das sei eine konsequente Eigenständigkeit und fördere die Verzahnung der beiden Berufe.

Horst Schmidbauer, MdB der SPD-Fraktion von 1990 bis 2005, forderte mehr Energie und „größten Einsatz“ von den Psychotherapeuten. Jetzt komme die „Feinjustierung“. Die gestellten Weichen müssten klarer definiert werden – ein breites Bündnis der Psychotherapeuten sei notwendig. Schmidbauer schlug eine Kampagne vor. Für Ballast war es wichtig darzustellen, dass „Psychotherapie schwere Arbeit an der seelischen Gesundheit“ sei. Hans-Jochen Weidhaas gehe es vor allem darum, „einen Gleichklang von KBV und Psychotherapeutenkammer“ zu organisieren.

Diotima dürfte sich am Ende der Veranstaltung gefreut haben. Denn die Seele des Menschen wird mehr denn je wahrgenommen – und sie hat viele Kämpfer, dass sie bei den Menschen auch gesund wird und bleibt.

 

Redaktion / Andreas Lehr


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