Neujahrsempfang Deutscher Hausärzteverband am 17. Januar, Berlin

v. l.: Lisa Leikeim, Jana Aulenkamp (beide bvmd), Ulrich Weigeldt (Deutscher Hausärzteverband), Peter Jan Chabiera, Isabel Molwitz (beide bvmd)
v. l.: Lutz Stroppe (BMG), Isabel Molwitz, Jana Aulenkamp, Lisa Leikeim, Peter Jan Chabiera (alle bvmd)
v. l.: Hans-Friedrich Spies (BDI), Ulrich Weigeldt (Deutscher Hausärzteverband)
v. l.: Ulrich Weigeldt (Deutscher Hausärzteverband), Lutz Stroppe (BMG)
v. l.: Ulrich Weigeldt (Deutscher Hausärzteverband), Lutz Stroppe (BMG), Karl Lauterbach (MdB SPD)


Beim Neujahrsempfang der Hausärzte geht es traditionell herzlich, laut und eng zu. Hier kann man sich nicht ausweichen. Das führt regelmäßig zu interessanten Gesprächen, oft auch in ganz anderen personellen Kombinationen als andernorts. Und immer wieder zu launigen verbalen Knuffereien. Prof. Karl Lauterbach, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, dankte dem Hausärzteverband dafür, mit dem strittigen Thema Bürgerversicherung in den letzten Wochen „sehr fair und verantwortungsbewusst“ umgegangen zu sein. Leider könne er den Dank nicht auf die Bundesärztekammer ausweiten, schob er hinterher – in Richtung von Prof. Frank Ulrich Montgomery, dem Präsidenten der Bundesärztekammer. „Dafür sind wir Dir dankbar“, konterte „Monty“ in Richtung Lauterbach.

Auch BMG-Staatssekretär Lutz Stroppe entschied sich fürs Frotzeln. Gleich bei seiner Ankunft sei er gefragt worden, ob er den Unterschied zwischen Hausärzten und der Bundesregierung kenne. Seine Antwort: Nein. Die Antwort des Fragenden: Bei Hausärzten würde man es merken, wenn es sie nicht mehr gäbe. Stroppe nahm es heiter. An der Wichtigkeit der Hausärzte ließ der Staatssekretär keine Zweifel aufkommen. Aber so ganz ohne Bundesregierung gehe es wohl auch nicht, merkte er an: Er sei gerade schon von Kassenvertretern gefragt worden, wie es denn mit dem Morbi-RSA weitergehe, und auch von anderer Seite seien Fragen gekommen. Es gebe also doch den Wunsch, „dass es bald wieder eine voll handlungsfähige Bundesregierung gibt“.

Aufgreifen werde man aus der letzten Legislaturperiode die Ziele für einen guten hausärztlichen Versorgungsbereich. 2017 sei der Masterplan Medizinstudium verabschiedet worden; hier sei man dabei, diesen auf den Weg zu bringen. Es müsse an allen Fakultäten eigene Lehrstühle für die Allgemeinmedizin geben und in allen Ländern eine Landarztquote. Hausärzte seien der Anker für die medizinische Versorgung. Er halte sich optimistisch schon einmal den Oktobertermin frei, ergänzte Stroppe. Lauterbach stehe neben ihm, man sei auf dem Weg, hatte er in Bezug auf die Regierungsbildung noch erwähnt. Der Angesprochene griff das auf: Wenn man zu all den Punkten, die Stroppe aufgeführt habe, Ergebnisse wolle, hätte man es der SPD in den Sondierungsgesprächen nicht so schwermachen müssen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende wirkte angesichts der Eindrücke, die er am Tag zuvor bei einer SPD-Veranstaltung in Düsseldorf gemeinsam mit Martin Schulz und Andrea Nahles gesammelt hatte, fast bedrückt. Auch bedauerte er öffentlich, dass es in Sachen Bürgerversicherung nicht zu einem besseren Sondierungsergebnis gekommen sei.

Dann widmete er sich dem Gastgeber. Hausärzte übernähmen keine Lotsenfunktion, wie es öfters abwertend heiße, sondern seien der zentrale Bestandteil der Versorgung, erste Anlaufstelle für Patienten und oft für lange Strecken in deren Leben der wichtigste, manchmal einzige Arzt. Er wolle sich weiter einsetzen für Maßnahmen, die den Hausarztberuf attraktiver machten, das verspreche er.

Ulrich Weigeldt, der Hausherr, griff nach Begrüßung der wichtigsten Personen Lauterbachs Dank auf. Bei der Bürgerversicherung kommt es nach Meinung des HÄV-Bundesvorsitzenden auf die Details der Umsetzung an: „Deshalb kann man sich noch nicht endgültig festlegen. Sie könnte gut oder schlecht werden.“

Weigeldt sprach weitere Themen an: Er sehe das Problem eines weiterhin sehr großen Bedarfs an Hausärzten, auch wenn man hier eine leichte Trendwende wahrnehme. Man müsse den Beruf noch attraktiver machen. Mit dem Masterplan habe man noch Probleme, weil hier die Endstrecken noch fehlten. An Universitäten und in den Ländern griffen die Maßnahmen einfach nicht. Ziel müsse es aber sein, genug Hausärzte zu haben und auch solche mit hoher Qualifikation, „denn die Anforderungen an uns wachsen“. Souverän nahm er den allmählich gestiegenen Geräuschpegel zum Anlass, seine Replik zu beenden: „Es besteht offensichtlich enormer Kommunikationsbedarf.“

 


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