Forschung für Gesundheit – Perspektiven aus Sicht der Bundesregierung

Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung

Die Gesundheit der Menschen in Deutschland zu erhalten und zu stärken gehört zu den wichtigsten Zielen der Bundesregierung. Wir nehmen die damit verbundene Verantwortung sehr ernst: Zum einen, indem wir unser sehr gutes Gesundheitssystem zukunftsfähig weiterentwickeln. Und zum anderen, indem wir eine hervorragende Gesundheitsforschung vorantreiben und deren Erfolge schnell in die Versorgung bringen. Denn Gesundheitsforschung ist und bleibt die entscheidende Grundlage für den medizinischen Fortschritt.

 

Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung

Mit dem im November 2018 verabschiedeten Rahmenprogramm stärkt die Bundesregierung die Gesundheitsforschung in Deutschland. Das Programm stellt den Menschen konsequent in den Mittelpunkt der Forschung. Das bedeutet auch, dass nicht mehr nur über Patientinnen und Patienten geforscht werden darf, sondern dass mit ihnen auf Augenhöhe geforscht werden muss.

Gerade bei der patientenorientierten Forschung setzen wir uns dafür ein, dass Forschende mit Vertretern der Gesellschaft von der Forschungsfrage bis zur Verwertung der Ergebnisse zusammenarbeiten. Denn nur so kann die Forschung die unterschiedlichen Lebensumstände der Menschen von vornherein mitbedenken und neue Behandlungen an ihren Bedürfnissen ausrichten. Ich bin davon überzeugt, dass dies die grundlegende Voraussetzung dafür ist, dass der medizinische Fortschritt auch wirklich in der alltäglichen Praxis ankommt.

 

Umfängliche Informationen für Bürgerinnen und Bürger

Die heutige Gesundheitsforschung ist geprägt von einem enormen Wissenszuwachs, einer kontinuierlichen Entwicklung neuer Technologien und immer kürzeren Innovationszyklen. Ich halte es daher für unumgänglich, dass Wissenschaft intensiver kommuniziert wird. Denn eine offene und informierte Auseinandersetzung trägt dazu bei, das Vertrauen der Menschen in die Wissenschaft zu stärken.

Gesundheitsforschung ist kein Spielball von Einzelinteressen. Biomedizinische Forschung, Medizintechnik und Gesundheitsversorgung gehören zusammen. Wir wollen zeigen, dass wir echte Verbesserungen für Patientinnen und Patienten vor allem dann erzielen, wenn die Akteure der Gesundheitspolitik, der Forschung, der Gesundheitsversorgung, der Wirtschaft und der Bürgergesellschaft vertrauensvoll zusammenarbeiten und sich austauschen. Die Bundesregierung bietet allen Beteiligten einen Raum für diesen Dialog.

 

Nationale Dekade gegen Krebs

Ein gutes Beispiel für die engagierte Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure ist die Nationale Dekade gegen Krebs. Mit ihr bauen wir das Miteinander von Patientinnen und Patienten, Wissenschaft, Unternehmen und Versorgungspraxis weiter aus. Zehn Jahre lang mobilisieren wir alle Kräfte, um Krebs besser zu verstehen, ihn zu verhindern und heilen zu können. Alle Partner, die sich der Dekade bisher angeschlossen haben, haben sich in einer gemeinsamen Erklärung zu diesen Zielen bekannt und verpflichten sich, den Weg dorthin gemeinsam zu gehen.

 

Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung

Die häufigsten Todesfälle verursachen in Deutschland immer noch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem leiden Millionen Menschen an Stoffwechsel-, Lungen- oder Infektionskrankheiten. Und gleichzeitig breiten sich Antibiotikaresistenzen aus. Um diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen, haben wir hoch innovative Strukturen in der deutschen Forschungslandschaft aufgebaut: Die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung bündeln und stärken exzellente Forschung zu den unterschiedlichen Volkskrankheiten. In dieser Legislaturperiode kommen zwei weitere Schwerpunkte hinzu: Wir werden ein Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit und eines für Psychische Gesundheit gründen.

 

Digitalisierung als Schlüsseltechnologie

Ohne die Digitalisierung und die Personalisierung ist medizinischen Fortschritt heute nicht mehr möglich. Wir nutzen innovative Technologien, neue molekularbiologische Methoden und die Künstliche Intelligenz, um immer tiefere Einblicke in die komplexe Entstehung von Krankheiten zu erhalten. So können wir passgenaue Lösungen für eine auf den Einzelnen abgestimmte, also eine „personalisierte“ Prävention und Behandlung entwickeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert vielfältige Maßnahmen auf dem Weg zu einer personalisierten Medizin, etwa in den Bereichen Stammzellforschung, Pharmakologie oder auch in der Zell- und Immuntherapie.

 

Medizininformatik-Initiative

Besonders stark, da sind sich Experten einig, werden digitale Daten die Medizin der Zukunft verändern. In der Hightech-Strategie 2025 hat die Bundesregierung die digitale Vernetzung von Forschung und Versorgung als Mission verankert. Mit ihr wollen wir neue Behandlungsansätze auffinden und weltweit neue Absatzmärkte erschließen.

Damit aus Gesundheitsdaten medizinischer Fortschritt werden kann, braucht es qualitativ hochwertige und strukturierte Daten. Wichtige Grundlagen für einen sicheren und interoperablen Datenaustausch zwischen Forschung und Versorgung schafft die Medizininformatik-Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Es freut mich sehr, dass sich derzeit fast alle deutschen Universitätskliniken, sowie viele universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Partner aus der Industrie an der Medizininformatik-Initiative beteiligen.

 

Chancen nutzen und Herausforderungen begegnen

Durch Globalisierung, Digitalisierung und die demografische Entwicklung befinden wir uns inmitten eines tief greifenden gesellschaftlichen Wandels. Ich bin davon überzeugt, dass die Gesundheitsforschung mit allen ihren Partnern auf dem richtigen Weg ist, um den damit verbundenen gesellschaftlichen, medizinischen und technologischen Herausforderungen der kommenden Jahre zu begegnen. Wir werden die Chancen nutzen, die uns die neuen Technologien bieten, um die Diagnostik, Therapie und Prävention von Krankheiten zu verbessern – und damit Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen zu stärken.


© Observer Gesundheit


Alle Kommentare ansehen