Auftaktveranstaltung der Initiative „Spitzenfrauen Gesundheit“

Die Initiatoren: Kirsten Kappert-Gonther MdB (Bündnis 90/Die Grünen), Christina Tophoven (Bundespsychotherapeutenkammer), Christiane Groß (Deutscher Ärztinnenbund), Antje Kapinsky (Techniker Krankenkasse), Cornelia Wanke (Wankeconsulting) (v.l.nr.)
Freundlicher Empfang für Minister Spahn: Cornelia Wanke (Wankeconsulting), Christiane Groß (Deutscher Ärztinnenbund), Antje Kapinsky (Techniker Krankenkasse) (v.l.n.r.)
Bundesminister Jens Spahn
Zum Schluss gab es für den Minister noch ein T-Shirt von Cornelia Wanke (Wankeconsulting)
Kirsten Kappert-Gonther MdB (Bündnis 90/Die Grünen)
Mit-Initiatorin Christina Tophoven (Bundespsychotherapeutenkammer)
Karin Maag MdB (CDU/CSU), Daniela Teichert (AOK Nordost), Sevilay Huesman-Koecke (PwC-Frauennetzwerk) (v.l.n.r.)
Nicole Westig MdB (FDP)
Ulrike Hauffe (BARMER) wollte mehr wissen (Mitte)
Gesine Agena MdB (Bündnis 90/Die Grünen)
Bekennt sich zur Quote: Cornelia Prüfer-Storcks (Hamburger Gesundheitssenatorin)
Kirsten Kappert-Gonther MdB (Bündnis 90/Die Grünen), Nicole Westig MdB (FDP), Antje Kapinsky (Techniker Krankenkasse) (v.l.nr.)
Aufmerksame Zuhörer
Christiane Groß (Deutscher Ärztinnenbund), Cornelia Wanke (Wankeconuslting), Margret Stennes (KV Berlin) (v.l.nr.)
Spitzenfrauen in der Diskussion
Karin Maag MdB (CDU/CSU) im Gespräch mit Antje Kapinsky (Techniker Krankenkasse) (r.)


Das Gesundheitswesen in Deutschland ist weiblich. 83 Prozent der Beschäftigten sind Frauen, so eine aktuelle Statistik von Oktober 2018. Doch bei Chefärzten, Geschäftsführern, Vorständen oder Selbstverwaltern sieht es schon anders aus. Die Spitze von Unternehmen und Verbänden ist fest in Männerhand. Das soll sich jetzt ändern, und wenn es nach dem Willen von fünf Frauen geht: Es wird sich ändern mit der Gründung ihrer Initiative „Spitzenfrauen Gesundheit“.

Die Namen dieser Frauen sollte Mann sich merken: Dr. Christiane Groß, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, Antje Kapinsky, Fachleitung Gesundheitspolitik der Techniker Krankenkasse, Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB, Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Christina Tophoven, Geschäftsführerin der Bundespsychotherapeutenkammer, und Cornelia Wanke, Inhaberin von Wankeconsulting. Vor gut einem Jahr beschlossen sie, den männlichen Führungskräften den Kampf anzusagen. Und die Auftaktveranstaltung am 20. Februar war nicht nur in fester Frauenhand, sondern der sichere Beginn des weiblichen Feldzuges Richtung Führungsetagen.

Der Zeitpunkt der Veränderungen könnte nicht besser gewählt sein, wie Antje Kapinsky sagte. Hundert Jahre Frauenwahlrecht sind doch Anlass genug. „Wenn wir selbst die Türen nicht aufstoßen, dann macht es keiner“, brachte es Cornelia Wanke auf den Punkt. Christiane Groß hat bei ihrem Kampf vor allem die Ärztinnen im Blick. Christina Tophoven will, dass auch im Vorstand der Bundespsychotherapeutenkammer Frauen und Männer gleichermaßen vertreten sind; wie in allen anderen Gremien dieser Kammer. Und auch für Politikerin Kirsten Kappert-Gonther sind Änderungen dringend notwendig. In ihrer Partei sind die schon Realität.

Prominent besetzt war die Veranstaltung in der Landesvertretung Bremen. Der Bundesgesundheitsminister machte den Frauen seine Aufwartung und sparte nicht mit Lob für das weibliche Geschlecht. Er spüre, dass es guttue, mit Frauen zu arbeiten. Es gebe deshalb einen dringenden Handlungsbedarf, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Nach seiner Einschätzung sei es aber kein Automatismus, dass Frauen Karriere machen könnten. Die Rahmenbedingungen müssten verändert werden. Mobiles Arbeiten sei Spahn sehr wichtig; auch in seinem Ministerium. Er verstehe die Logik nicht, dass Arbeitgeber auf Präsenz bestehen. Dies sei eine Frage des Vertrauens, Arbeitgeber müssten das endlich begreifen. Dabei habe er nicht nur die Frauen im Blick, es gehe um faire Arbeitsteilung. Spahn habe in seiner Verantwortung auf eine „richtige Durchmischung“ geachtet – darunter beim Sachverständigenrat oder bei der Honorarkommission. Frauen und Alter – auf diese Priorität setze er.

Er könne sich auch gut eine Frauenquote in den Krankenkassen, der KBV oder den KVen vorstellen. Der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes sollte „insgesamt etwas abwechslungsreicher und konkret“ sein und „nicht ideologisch aufgebläht“. Spahn verwies in diesem Zusammenhang auf die Sozialwahlen und das vom BMAS vorgelegte 10-Punkte-Programm zur Reform des Sozialwahlrechts. Der Bundesgesundheitsminister würde „so gern“ die Sozialwahlreform angehen, wenn das BMAS mitmache: „Ich bin dabei.“ Das überwiegend weibliche Publikum reagierte erfreut.

Doch Ehrenamt heißt auch, sich Zeit zu nehmen und dies auch zu wollen, sagte die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Die Frage müsse sich Frau stellen, ob es sich auch lohne. Lange Sitzungen würden abschrecken: „Das ist eine Menge verschwendete Lebenszeit.“ Gebraucht würde ein Kulturwandel. Sie sei „verhalten optimistisch“, ob das gelingt. Prüfer-Storcks bezeichnete sich selbst als Quotenfrau – von Olaf Scholz, damaliger Erster Bürgermeister von Hamburg, in die Position der Gesundheitssenatorin geholt. Es sei für sie bitter, dass nicht mehr Frauen in Führungspositionen sitzen würden. Sie befürworte deshalb die Parität.

Kirsten Kappert-Gonther betonte, dass „die gläserne Decke im Gesundheitswesen genauso betondick sei wie bei den DAX-Unternehmen“, die durchbrochen werden müsse. Die Grünen-Politikerin berichtete, dass Frauen auch bei medizinischen Tests ins Hintertreffen geraten würde. Frauen seien von fehlerhaften Medizinprodukten, wie auch bei Arzneimitteln besonders betroffen. Grund: Getestet würde vor allem an Männern.

Und immer wieder ging es um die Quote. Mit freiwilligen Regelungen werde nichts erreicht, betonte die frauenpolitische Sprecherin von Bündnis 90 / Die Grünen, Gesine Agena MdB. Und Festlegungen für Frauen spielen in der Partei eine große Rolle. Bei den Wahllisten gebe es eine Mindestquotierung. Alle Gremien würden paritätisch besetzt. Es gibt ein Bundesfrauenreferat und ein Frauenstatut. Quotenfrauen gab es an diesem Nachmittag reichlich: Karen Walkenhorst, Vorstandsmitglied der Techniker Krankenkasse, ist eine, genauso wie Daniela Teichert, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und künftige Vorstandsvorsitzende. Dr. Heidrun Gitter, Präsidentin der Bremer Ärztekammer, hatte einen Förderer – den ehemaligen Bundesärztekammerpräsidenten Karsten Vilmar. Gitter sagte, dass auch mal die Ellenbogen ausgefahren müssten, um sich durchzusetzen: „Anders verstehen das die Männer nicht.“ Eine Quote wünscht sich FDP-Frau Nicole Westig MdB. Doch die schlage gegen die Liberale Seele. Also agiert Westig allein auf weiter Front, aber beharrlich. Sie sei froh über die interfraktionelle Frauengruppe im Bundestag, denn nur gemeinsam könne man stark sein.

Karin Maag MdB (CDU/CSU) berichtete, wie anstrengend ihre Arbeit als Politikerin und dabei Frau sei. Jeden Tag müsse sie ihre Position vertreten. Das koste Kraft. Schwächen, gar Tränen gelten nicht. Dann hätte sie versagt.

An diesem Abend zeigten viele Frauen, wie sie ihre Frau stehen. Und bei alledem wurde klar: Sie sind immer ein wenig engagierter, aufmerksamer und dabei freundlicher bei der Sache als die Männer. Aufgeben gilt für keine von ihnen, austauschen aber auf jeden Fall. Die Forderungen der Initiative sind in einer Resolution verankert: Die wichtigste dabei sind wohl verbindliche Regelungen für die paritätische Besetzung von Führungspositionen im Gesundheitswesen – vorgenommen von Bund und Ländern. „Es wird Zeit, dass die Kompetenzen und Erfahrungen von Frauen stärker in die Entscheidungen im Gesundheitswesen einfließen und die Vorteile von gemischten Führungsteams genutzt werden“, heißt es in der Resolution.

Jetzt geht es an Netzwerken, wie Mit-Initiatorin Cornelia Wanke sagte. Weitere Veranstaltungen sollen folgen, Treffen organisiert. Und sich Gehör verschafft für mehr Frauen in Spitzenpositionen im Gesundheitswesen.

 

Redaktion / Fina Geschonneck

 

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