Politischer Dialog von eurocom

Nussecken-Liebhaber und Schlagersänger Guildo Horn war der Star des politischen Empfangs von eurocom.
Gastgeberin Oda Hagemeier (eurocom) (Mitte) gut gelaunt
Jürgen Gold (eurocom) bei seiner Rede
Aufmerksames Publikum beim Vortrag von Michael Sommer (Allensbach-Institut)
Das Podium hatte sichtlich Spaß: Oda Hagemeier (eurocom), Gernot Kiefer (GKV-Spitzenverband), Staatssekretär Thomas Gebhart (BMG), Albrecht Kloepfer (Moderator), Guildo Horn, Wolf Petersen (Martin-Luther-Krankenhaus, Berlin) (v.l.nr.)
Tjarko Schröder (Hausärzteverband) mit Oda Hagemeier (eurocom)
Dirk Treiber, Stefan Geiselbrechtinger, Michael Leuthe (alle eurocom) sowie Bernd Faehrmann (AOK-Bundesverband) (v.l.n.r.)
Podium-Teilnehmer und Referenten: Guildo Horn, Oda Hagemeier (eurocom), Gernot Kiefer (GKV-Spitzenverband), Staatssekretär Thomas Gebhart (BMG), Michael Sommer (Allensbach-Institut), Albrecht Kloepfer (Moderator), Jürgen Gold (eurocom) (v.l.n.r.)
Berliner Klüngelrunde
Ein Schnappschuss für die Lieben: Schlagersänger Guildo Horn mit Martin Plass (DAK-Gesundheit)
Dicht umringt war Guildo Horn nach der Podiumsdiskussion.


Gesundheit ist eine sehr ernste Sache – Gesundheitspolitik erst recht. Was hat also Guildo Horn auf einer Veranstaltung von eurocom in der Berliner Kalkscheune zu suchen? Der Schlagerbarde und Nussecken-Liebhaber kennt sich ja aus mit „Orthopädischen Strümpfen“ und gab die Antwort gleich selbst: „Mir geht es um gesellschaftliche Teilhabe. Bei meinen Konzerten kann man alles hinter sich lassen, mal zwei Stunden den Kopf ausschalten.“ Deshalb fordere er auch „Horn-Konzerte auf Krankenschein“.

Überhaupt müssten die Menschen heute viel mit dem Kopf machen, wie der Schlagersänger weiter ausholte, manchmal auch mit dem Bauch. Und an den Moderator Albrecht Kloepfer gerichtet: „Sie machen wohl sehr viel mit dem Bauch.“ Der nahm es gewohnt gelassen und freute sich über die ausgelassene Heiterkeit des Publikums.

An diesem Abend ging es um Hilfsmittel, denn dafür steht eurocom, die europäische Herstellervereinigung für Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel. Massenproduktion kann jemand anders, sagte der Vorsitzende Jürgen Gold. Es geht vielmehr um Einzelanfertigungen für die Patienten: orthopädische Einlagen, Bandagen oder medizinische Kompressionsstrümpfe. Ziel ist es, die Lebensqualität zu erhöhen. Gold dankte seiner Geschäftsführerin Oda Hagemeier, die den eurocom-Umzug von Düren in Nordrhein-Westfalen nach Berlin Anfang des Jahres gemanagt hatte.

Thomas Gebhart, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, outete sich als Einlagenträger und sei damit sehr zufrieden. Er bezog sich damit auf eine Studie des Allensbach-Institutes, die kurz vorher vorgestellt wurde. Mehr als 90 Prozent der befragten rund 1.300 Patienten – Face to Face – sind mit ihren verordneten Hilfsmitteln voll des Lobes. Weniger Schmerzen sind die Folge und nicht so viele Medikamente notwendig. Es gebe einen engen Zusammenhang zwischen Einführung und Nutzwert. Hilfsmittel sind nach Aussage von Gebhart politisch ein großes Thema hinter der Digitalisierung – DER Bereich im Bundesgesundheitsministerium.

Mit dem TSVG habe es weitreichende Entscheidungen für die Hilfsmittel gegeben: unter anderem die Wegnahme der Ausschreibungsoptionen. „Dies wird erhebliche Wirkung entfalten“, sagte der Staatssekretär.

Gernot Kiefer, Vorstandsvize des GKV-Spitzenverbandes, zeigte sich nicht wirklich überrascht über die Ergebnisse der Studie. Auch die Krankenkassen würden diesen positiven Trend ihrer Versicherten erleben. „Nicht alle Bereiche im Gesundheitswesen haben diesen Zufriedenheitsgrad“, fügte Kiefer hinzu. Er verwies darauf, dass der Hilfsmittelbereich „unglaublich komplex, vielschichtig und kleinteilig“ sei. Mit dem überarbeiteten Hilfsmittelverzeichnis gebe es eine gute Steuerung. Für den GKV-Mann ist es jedoch wichtig, dass neue Hilfsmittel schneller gelistet werden. Entweder würden jedoch für eine Genehmigung wichtige Anträge nicht vorliegen oder Unterlagen fehlen, wie technische Beschreibungen. Sein Appell an die Hersteller: „Wirken Sie besser mit!“

Prof. Dr. Wolf Petersen, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Martin-Luther-Krankenhauses, Berlin, verwies darauf, dass die konservative Therapie an Bedeutung gewinne. In der Ausbildung von Ärzten gebe es jedoch noch Defizite.

Oda Hagemeier war von einem Ergebnis der Studie erstaunt, dass mehr als 76 Prozent der Befragten dank Hilfsmittel auf Medikamente verzichten könnten. Damit Hilfsmittel zügiger den GKV-Versicherten bereitgestellt werden könnten, schlug sie vor, im Vorfeld mit dem GKV-Spitzenverband zu reden. Das richtige und notwendige Hilfsmittel zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen, ist auch Ziel von Gernot Kiefer vom GKV-Spitzenverband: „Da über wir noch.“ Allerdings sollten sich Unternehmen davon verabschieden, dass „jede Umsatzerwartung von der Kasse auch bezahlt wird“. Die Kasse sei an die Rechtssprechung gebunden. Guildo Horn war denn auch klar: „Dann gibt es wohl keine Horn-Konzerte auf Krankenschein.“

Für Staatssekretär Gebhart ist zudem eine bessere Verknüpfung über die Sektorengrenzen erforderlich. „Darüber denken wir nach“, sagte Gebhart.

Weil eurocom auch EU-Bedeutung habe, wie Oda Hagemeier betonte, fehlte auch diese Sicht nicht. Der BMG-Vertreter verwies auf eine notwendige Übergangslösung für die EU-Verordnung über Medizinprodukte vor der Ratspräsidentschaft von Deutschland, die Mitte 2020 beginnt, wo eine „Weichenstellung“ im Bereich Digitalisierung angestrebt werde. Stichwort für Oda Hagemeier: „Ich höre immer nur digital, digital – es gibt auch noch etwas anderes.“

Für Guildo Horn war der Ausflug in die Gesundheitspolitik ein großer Spaß, so der Eindruck. „Ihr wart das beste Publikum, was ich bisher hatte“, sagte er und fügte hinzu: „Das meine ich ernst.“ Aber eigentlich sage er das nach jedem seiner Konzerte. Und gelernt habe er auch: „Bisher dachte ich, dass eurocom eine Spionagevereinigung ist.“

Danach wurden übrigens unzählige Smartphones gezückt und der Schlagersänger geradezu bestürmt: für ein Selfie – versteht sich.

 

Redaktion / Fina Geschonneck


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