Parlamentarischer Abend von Novartis zum gesellschaftlichen Wert von Innovationen

Karl Broich (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)
Gabriele Katzmarek MdB (SPD-Fraktion)
Maria Klein-Schmeink MdB (Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen)
Angela Elis (Moderatorin), Andrew Ullmann MdB (FDP-Fraktion)
Zukunftsforscher Andreas Klein (Universität Wien) während seines Vortrages
Andreas Klein (Universität Wien)
Thomas Reiß (Fraunhofer ISI)


Gesundheit und Natur sind ein wichtiger Wert der Deutschen – Ergebnis des Werte Index 2018, gefiltert aus rund fünf Millionen Postings der populärsten deutschen Websites, Communities, Blogs und Instagram. Wie wichtig sind dabei Innovationen in der Gesundheitsversorgung für den gesellschaftlichen Wert? Bekommt der Patient davon etwas mit, wie sind sie zu vermitteln? Und was können neue Technologien überhaupt bewegen?

Für das Pharmaunternehmen Novartis, ständig auf der Suche nach Neuem, Grund genug, ihren diesjährigen Parlamentarischen Abend am 22. März in Berlin unter dieses Thema zu stellen: „Der gesellschaftliche Wert von Innovationen in der Gesundheitsversorgung“. Für Vortrag und Podiumsdiskussion konnte Novartis kompetente Teilnehmer gewinnen. Dr. Andreas Klein, Ethiker und Theologe, Privatdozent an der Universität Wien und Experte für Gesundheitstrends, sprach über das Gemeinsame und Unterschiedliche zwischen Ethik und Gesundheitsbranche. Sein Ansinnen: Man müsse anfangen, auch die Biologie wie eine Software zu betrachten. Und auch die Menschheit bräuchte ein Software-Update. Das digitale Selbst sei bereits in Form von Smartphone im Einsatz und könne damit problemlos gesundheitskompatibel gestaltet werden. Assistenzroboter seien von hoher Relevanz. Nicht zu unterschätzen sei auch die Gamification – also die Übertragung von spieltypischen Elementen und Vorgängen in spielfremde Zusammenhänge mit dem Ziel der Verhaltensänderung und Motivationssteigerung bei den Anwendern.

Technologie könne im täglichen Patientenumgang vieles erleichtern. Als Beispiel nannte Klein die Telemedizin, die auf Dauer kostendämpfend wirke. Mit spezieller Technik könnten Behandlungsmethoden individuell festgelegt werden. Denke man nur an den Bio-3-Drucker, der Schädelknochen, Blutgefäße, sogar Teile des Ohres herstellen kann. Zellen der Betroffenen würden dabei mit künstlichen Indikatoren vermischt. Der Einsatz von Immunsuppressiva hätte sich damit erübrigt, so Klein. Doch was ist mit der Ethik? Der Anfang einer Auseinandersetzung.

In der anschließenden Diskussionsrunde ging es weg von der Zukunft, hin zur Realität. Für Maria Klein-Schmeink MdB, gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Bundestag, ist Maßstab der Innovationen der Nutzen für den Patienten und damit das Gemeinwohl. Die Stärke der GKV, so ihre Aussage, bestehe darin, dass sie offen für medizinische Weiterentwicklung sei. Die Zusammenarbeit verschiedenster Experten habe dabei für sie oberste Priorität, die die Technologie unterstützt und nicht von ihr bestimmt werde. Klein-Schmeink forderte, Kriterien bei Medizinprodukten – dazu gehören für sie auch Apps – festzulegen, um den Zulassungsstau zu beenden. Dies würde im E-Health-Gesetz leider fehlen, wie insgesamt eine Strategie.

Der gesellschaftliche Nutzen sei unterbewertet, sagte Gabriele Katzmarek MdB, Sprecherin für industrielle Gesundheitswirtschaft der SPD-Fraktion. So seien die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, auch für die Sozialversicherung, nicht ausreichend beleuchtet. Grundsätzlich müsse es sein, dass Kosten und Nutzen abgewogen werden müssten. Zu oft werde der Blick nur auf den individuellen Nutzen gerichtet. Auch im Pharmabereich müsse darüber mehr diskutiert werden – ein Thema für den Pharmadialog, so Katzmarek.

Zu viel Angst vor Innovationen beobachtete Prof. Dr. Andrew Ullman MdB von der FDP-Fraktion. Start Ups würden zu oft aufgeben müssen. Die Bürokratie sei nicht hinnehmbar. Er fand jedoch lobende Worte für die neue Abteilung für Digitalisierung im Bundesgesundheitsministerium, obwohl er für ein eigenes Digitalisierungsministerium plädierte.

Prof. Karl Broich, Präsident des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte, verwies auf den Widerspruch: Vorsicht vor Innovationen und gleichzeitig der Ruf nach schneller Einführung dieser. Er berichtete, dass sein Institut ein Innovationsbüro für den engen Kontakt mit Unternehmen eingerichtet hätte, auch G-BA und das Institut würden gut zusammenarbeiten.

Ein neues Innovationsverständnis sei endlich erforderlich, sagte Dr. Thomas Reiß, Leiter des Competence Center Neue Technologien am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung. Er verwies auf das breite Innovationsspektrum von Novartis, der Wissensaustausch sei hervorragend, die Innovationseffekte mit Forschungseinrichtungen beeindruckend. Deutschland habe aber noch sehr viel Potenzial auf diesem Gebiet. Gute Voraussetzungen für weitere Veranstaltungen dieser Art.

 


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