DMP Adipositas darf nur der Anfang sein

Dietrich Monstadt MdB, Berichterstatter u.a. für Diabetes und Adipositas der CDU/CSU-Fraktion

Am 26. September 2021 wird ein neuer Bundestag gewählt. Anlass für den Observer Gesundheit, bei den Gesundheitspolitikern nachzufragen, was für sie im Mittelpunkt in der kommenden Legislaturperiode stehen sollte. Heute: der CDU-Politiker Dietrich Monstadt MdB, Berichterstatter u.a. für Diabetes und Adipositas der CDU/CSU-Fraktion.

Wir stehen kurz vor dem Abschluss einer ereignisreichen Legislaturperiode. Seit nun einen Jahr wird unser politisches Handeln von Corona bestimmt. Diese Pandemie fordert uns alle und zerrt inzwischen sehr am eigenen Nervenkostüm. Wir brauchen leider noch nach wie vor Geduld, sehr viel Geduld. Gesundheitspolitisch gab es seit 2017 aber vieles, was wir erreichen konnten. Ich bin sehr froh, dass wir mit Jens Spahn einen so aktiven Gesundheitsminister haben. Er hat vieles neu angefasst und reformiert und somit dem Bereich Gesundheit auch in der breiten Öffentlichkeit ein Gesicht gegeben.

 

Großer Erfolg mit Verabschiedung der Nationalen Diabetesstrategie

Für meinen ganz persönlichen Bereich sehe ich die Verabschiedung der Nationalen Diabetesstrategie als großen Erfolg. Als betroffener Diabetiker und Berichterstatter für Diabetes und Adipositas der CDU/CSU Fraktion im Deutschen Bundestag habe ich sechs Jahre an ihrer Umsetzung mitgearbeitet und mich dafür eingesetzt, dass sie im Koalitionsvertrag, den ich mitverhandelt habe, eingeflossen ist. Kurz vor der letzten Sommerpause war es dann endlich soweit und wir konnten die Nationale Diabetesstrategie im Plenum verabschieden. Wenn man so lange an einem Projekt arbeitet, das dann doch – oft an Kleinigkeiten – scheitert, ist die Freude darüber, dass es am Ende doch geklappt hat, sehr groß. Um nochmals zu verdeutlichen, wie wichtig dieser Schritt war, kann ich nur immer wieder auf die erschreckenden Zahlen hinweisen:  Mit derzeit rund zwölf Millionen Betroffenen, inklusive einer Dunkelziffer von 10-20 %, und bei einer relativen Zunahme der Typ-2-Diabetesfälle um 54-77 % (+3,8 Mio. +5,4 Mio. Fälle) bis 2040, können wir von ca. 16 Millionen Diabetikern innerhalb der nächsten 20 Jahre ausgehen.

Mir hat die Verabschiedung der Nationalen Diabetes Strategie in meiner Arbeit noch mehr Antrieb verliehen. Diese Strategie kann aber nur ein Anfang sein. Nun muss auch umgesetzt werden! Eine erste Forderung – das DMP Adipositas – befindet sich mit dem Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) mittlerweile im parlamentarischen Verfahren.

 

Dicke Kinder sind kranke Erwachsene von morgen

Warum brauchen wir ein DMP Adipositas? 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig. Sechs Prozent gelten als adipös. Dicke Kinder von heute sind die kranken Erwachsenen von morgen – die Erwachsenen, die einen Diabetes entwickeln oder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Das kann uns nicht egal sein.

Nun haben wir mit dem DMP Adipositas die Chance, Adipositas als Krankheit zu qualifizieren. Der Versicherte hat Anspruch auf mehr. Die Krankenkassen können Versicherte nun nicht länger nur mit gut gemeinten Tipps vertrösten. Wir wissen, dass es in der Versorgung adipöser Menschen Unterversorgung gibt – trotz steigender Inzidenz in allen Kohorten. Strukturierte Behandlungsprogramme helfen, Unterversorgung zu beseitigen. Haus- und Fachärzte haben ein größeres Augenmerk auf die Betroffen. Auch Kassen sind stärker motiviert, etwas zu tun, um später weniger Behandlungskosten für Folgeerkrankungen wie Diabetes zu haben. Wir sprechen schon lange über ein DMP Adipositas. Ich bin seit 2009 Mitglied des Bundestags, seither wird das diskutiert. Die Selbstverwaltung hatte in dieser langen Zeit die Möglichkeit ein DMP zu initiieren. Da das nicht geschehen ist, wurde es nun durch die Politik auf den Weg gebracht.

 

Ziel: nationale Adipositas-Strategie

Auch wenn das DMP ein guter Anfang ist, möchte ich mich damit aber noch nicht zufriedengeben. Daher ist es mein Ziel in der kommenden Legislaturperiode, eine Nationale Adipositas-Strategie auf den Weg zu bringen. Es ist wichtig, dass Prävention, Versorgung und Forschung der Adipositas zielgerichtet weiterentwickelt werden.

Ein weiteres Ziel ist für mich, die Rahmenbedingungen in der Medizinproduktebranche zu verbessern. Die Branche ist ein wichtiger Wirtschafts- und Arbeitsmarktfaktor und beschäftigt in Deutschland insgesamt über 215.000 Menschen. Diese Arbeitsplätze gilt es zu schützen und wirtschaftlich zu stärken. Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass es noch immer zu wenige Benannte Stellen gibt. Das erschwert die Bewertung neuer Medizinprodukte und deren Einführung in den Markt und somit die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Hier müssen neue Möglichkeiten geschaffen werden.

Nun bin ich aber nicht nur Berichterstatter für Diabetes, Adipositas und Medizinprodukte, sondern auch für Zahnärztinnen und Zahnärzte. Ein großes Problem, welches leider mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) noch nicht bereinigt wurde, sind die Investoren gesteuerten MVZs. Für Patientinnen und Patienten ist die Sicherstellung einer flächendeckenden und wohnortnahen Versorgung wichtig. Die gute Versorgung in Deutschland wird seit Jahrzehnten durch freiberuflich tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte sichergestellt. Doch die Erfüllung des Sicherstellungsauftrages und freie Zahnarztwahl sind bedroht, durch den ungehinderten Zustrom versorgungsfremder Investoren. Hier steht leider nicht die Versorgung, sondern der Profit im Vordergrund. Investoren betriebene MVZ finden sich vor allem in Großstädten, Ballungsräumen und einkommensstarken Regionen. Der ländliche Raum bleibt komplett außen vor. Wenn wir hier nicht bald zu neuen Regularien kommen, ist nach meiner Einschätzung die Versorgung – gerade im ländlichen Raum – stark gefährdet.

Daher möchte ich mich in der nächsten Wahlperiode u.a. dafür einsetzen, dass hier neue, verschärfte Regelungen gefunden werden.


© Observer Gesundheit


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