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Für Reformen der Krankenhäuser ist ein fairer Dialog notwendig

43. Deutscher Krankenhaustag mit klaren Botschaften

PD Dr. Michael A. Weber, Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte (VLK)

Seit Februar 2020 geben die Mitarbeiter der Krankenhäuser ihr Bestes, um die Patienten auch in Zeiten von Corona optimal zu versorgen. Die derzeitige Situation im ärztlichen Bereich sowie Pflege war ein wichtiges Thema des diesjährigen 43. Deutschen Krankenhaustages Mitte November gewesen. Es ging auch um die Zukunft. Der generelle Trend zur Skandalisierung kleinerer und mittlerer Krankenhäuser – völlig unabhängig von der tatsächlich erbrachten Qualität der Leistung – muss ein Ende haben. Wir brauchen Reformen und dafür einen fairen notwendigen Dialog.

Erstmals fand der diesjährige Krankenhaustag Corona bedingt virtuell als Livestream statt. Mehr als 3.500 Teilnehmer haben die Auftaktveranstaltung mitverfolgt.

Pandemie-Regelungen für Krankenhäuser zu kompliziert

Viele Klinikmanager und Beschäftigte sehen mit großer Sorge, wie sich die Betten täglich mehr füllen mit Covid-Patienten: 3.500 Intensivbetten sind zum Zeitpunkt des Krankenhaustages belegt gewesen. 15.000 Covid-Patienten sind auf den Allgemeinstationen behandelt worden. Der zweite Rettungsschirm für die Krankenhäuser mit seinem schwierigen Zustandekommen hat denn auch bei der Rede von Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), im Fokus gestanden. Zielgenauer würden die Mittel jetzt eingesetzt. Die Regelungen sind aber auch aus Sicht des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK) zu kompliziert und nicht umfassend genug eingesetzt.

Um die umfassende Behandlung der Patienten sicherzustellen, war und ist eine komplette Neuorganisation der Kliniken in der Pandemie erforderlich. Der VLK unterstützt die Forderung, dass das Regelsystem zurückgefahren werden muss. Wir brauchen aber auch planungssichere Regelungen für das Jahr 2021. Hier sind wir an der Seite der DKG.

Doch der Blick auf die Zukunft darf nicht vergessen werden. Zu vermuten ist bereits seit Wochen und Monaten eine bewusste Stimmungsmache, um einer radikalen Strukturbereinigung den politischen Weg zu ebnen. Immer wieder erneuern DKG und VLK ihr Angebot an alle Akteure, in einen fairen Dialog für Reformen einzutreten. Die Versorgungssituation ist unterschiedlich, nicht nur in Ballungsräumen und ländlichen Regionen, sondern auch zwischen den Bundesländern. Hier geht es um die Aufrechterhaltung einer flächendeckenden Versorgung, dort um eine mangelnde Abstimmung des Leistungsgeschehens und Überkapazitäten. Wir brauchen deshalb eine individuelle Planung, je nach betroffener Region und Standort und auch sozioökonomischem Versorgungsbedarf.

Verhinderung eines Kahlschlages

Aber Vorsicht: Der Weg über zu stringente Strukturvorgaben darf zu keinem Kahlschlag führen, in dem den Krankenhäusern der Marktzugang verweigert wird, was sonst rechtlich nicht möglich wäre. Die Alternative darf nicht mit oder ohne Krankenhaus heißen, man muss auch neue Versorgungskonzepte entwickeln. Krankenhausplanung ist Daseinsvorsorge, dazu benötigen wir auch eine Reform der Finanzierung, so mein Appell an die Politik.

Der Verband der Krankenhausdirektoren (VKD) mit seinem Präsidenten Dr. Josef Düllings hat diesem Weg auf dem Krankenhaustag Nachdruck verliehen. Bei den Perspektiven der Krankenhäuser plädierte er für den Fortbestand unseres gestuften Systems, in dem sich Maximalversorger auf z.B. schwerstkranke COVID-19 Patienten konzentrieren und Häuser der Grund- und Regelversorgung durch Übernahme der leichteren Fälle für Entlastung sorgen. Er warb außerdem für die Einrichtung von Polikliniken an den Krankenhäusern, die schon jetzt den Großteil der ambulanten Notfallversorgung sicherstellen. Hier geht der VLK mit, kann sich aber auch gut eine Ausweitung der jetzt schon häufig gelebten Kooperation mit Niedergelassenen vorstellen – Stichwort sektorenübergreifende Versorgung.

Verbesserungen noch nicht bei den Pflegenden angekommen

Dr. Sabine Berninger, als Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen in Deutschland (ADS) und des Deutschen Berufsbundes für Pflegeberufe (DBfK) , kritisierte, dass trotz der „Konzertierten Aktion Pflege“ noch nicht so viele Verbesserungen bei den Pflegenden angekommen seien wie erwartet und notwendig. „Wir müssen unser Pflegefachpersonal derzeit lageabhängig flexibel einsetzen. Lassen Sie uns den Weg frei machen für ein wissenschaftlich fundiertes Pflegepersonal-Bemessungsinstrument durch die Selbstverwaltung und dessen gesetzliche Verankerung. Als kurzfristige Zwischenlösung steht die PPR2.0 in den Startlöchern“, so Dr. Berninger.

Eine große Freude für mich war die virtuelle Verleihung des VLK Zukunftspreises an Prof. Uwe Janssens von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und sein spannender Vortrag zur  intensivmedizinischen Behandlung von COVID-19 Patienten.

Der Krankenhaustag konnte nicht vielfältiger und unterschiedlicher sein, nach Covid-19 und Debatten über eine Strukturreform folgten Ausführungen zur Neuordnung der DRG nach Ausgrenzung des Pflegebudgets sowie Erklärungen seitens des BMG zu Belegung und Rettungsschirm.

Die Krankenhäuser stellen sich den Herausforderungen, und sie wissen, dass sie ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Fels in der Brandung sind beim Kampf gegen die Corona-Pandemie. Wissen ist notwendig, um sich den Herausforderungen zu stellen. Der Krankenhaustag bot dafür eine ideale Grundlage.

 

Auf www.deutscher-krankenhaustag.de können alle Vorträge abgerufen werden.

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