BÄK und KBV wieder beim Neujahrsempfang im KaDeWe vereint

Zahlreiche Gäste beim Neujahrsempfang der deutschen Ärzteschaft im KaDeWe
KBV-Vorstandschef Andreas Gassen weist auf die Finanzierbarkeit des Sozialstaates bei seiner Rede hin.
Karin Maag (G-BA) (l.) mit Stefanie Stoff-Ahnis (GKV-SV)
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigt eine Novellierung der GOÄ in diesem Jahr beim Neujahrsempfang der Ärzteschaft an.
Andrea Rädlein (Physio-Deutschland), Manuela Pintarelli-Rauschenbach, Corina Glorius (beide SHV), Annika Sedat (KBV), Katharina Hoffmann (BMG) (v.l.n.r.)
Gastgeber Klaus Reinhardt, Präsident der BÄK, eröffnete in diesem Jahr das Buffet.
Henriette Neumeyer (DKG) (l.) mit BMG-Staatssekretärin Katja Kohfeld
Bernhard van Treeck (G-BA), Susanne Wagenmann (GKV-SV), BAS-Präsident Markus Algermissen (v.l.n.r.)
Führungskräfte-Frauenrunde: Nicola Buhlinger-Göpfarth (Hausärztinnen- und Hausärzteverband), Petra Reis-Berkowicz (KBV), Ministerin Nina Warken, Sibylle Steiner (KBV), Ina Lucas (ABDA) (v.l.n.r.)
Andrea Benecke (BPtK), Bernhard van Treeck (G-BA)
Karin Maag (G-BA) (l.) im intensiven Gespräch mit BMG-Staatssekretärin Katja Kohfeld
Felix Amrhein (Büro Stephan Pilsinger MdB, CSU), Stefanie Schuster (Astellas Pharma)
Timm Genett (PKV-Verband) mit Susanne Wagenmann (GKV-SV)
Armin Ehl (MB) und Ute Repschläger (IFK)
BMG-Staatssekretär Tino Sorge, Sandra Barnert (TK), Tjarko Schröder (Hausärztinnen- und Hausärzteverband) (v.l.n.r.)
Johanna Sell (BMG), Karl-Georg Pochhammer (KZBV)
Armin Grau MdB (Grüne) (l.), Michael Hallek (Uniklinik Köln, SVR Gesundheit und Pflege)
Sandra Schulz (BÄK) (l.), BMG-Staatssekretärin Katja Kohfeld
Gastgeber mit Ministerin: Klaus Reinhardt (BÄK), Sybille Steiner (KBV), Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, Stephan Hofmeister, Petra Reis-Berkowicz, Andreas Gassen (alle KBV) (v.l.n.r.)
Simone Borchardt MdB (CDU) (l.) und Romy Ermler (BZÄK)
BMG-Staatssekretär Georg Kippels, Ulrike Elsner (vdek), Dirk Heinrich (SpiFa) (v.l.n.r.)
Peter Bobbert (Ärztekammer Berlin), Susanne Johna (MB)
BERLINs FINEST sorgen für gute Stimmung.


Mit einem gemeinsamen Auftritt haben Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) 2026 wieder an ihre Tradition angeknüpft und das gesundheitspolitische Jahr eröffnet. Im Vorjahr hatte die BÄK den Jahresauftakt allein ausgerichtet. Dass ausgerechnet Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in ihrer ersten Rede dann auch noch die überfällige Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) für dieses Jahr ankündigte, verlieh dem Abend beinahe historischen Glanz. Mehr Rückenwind geht kaum.

„Die Notwendigkeit der GOÄ-Reform steht außer Frage, sie wird in diesem Jahr angegangen“, sagte Warken. Im BMG sei bereits ein „Arbeitsprozess mit der BÄK aufgesetzt“, man sei im Austausch. „Eine gute Nachricht“, wie sie meinte, und der anschließende Applaus gab ihr recht. Warken fand zu Beginn ihrer Rede lobende Worte für die Ärzte, die immer wieder Gewalt ausgesetzt seien. Deshalb freue sie sich, dass die Bundesregierung per Gesetz den Schutz der Ärzte und ihrer Mitarbeiter ausbauen wolle.

Die anstehenden Reformen anzugehen, das würde in diesem Jahr für sie oberste Priorität haben. Das Leistungsversprechen des Solidarsystems müsse erneuert werden, die Weichen seien gestellt, erste Schritte getan. Ein finanzierbares Gesundheitssystem mit einem Gleichgewicht von Einnahmen und Ausgaben sei erforderlich. Zudem wolle die Koalition eine finanzierbare pflegerische Versorgung mit mehr Eigenverantwortung.

Die Gesundheitsversorgung müsse mit mehr Digitalisierung und Patientensteuerung geschehen. Warken: „Wir müssen jede Hand nutzen, die wir haben.“ Die Verfügbarkeit von Daten werde gebraucht. Ein schneller Zugang zu medizinischen Innovationen müsse mit Finanzierbarkeit und Versorgungssicherheit in Einklang sein. Auf Krisen müsste das Gesundheitssystem ebenso besser vorbereitet sein.

Vorschläge, um die Herausforderungen zu meistern, seien willkommen, aber bitte nicht mit althergebrachten Ideen – „das funktioniert nicht mehr“, betonte Warken. Sie sprach dann wiederholt über die anstehende Einführung des Primärversorgungssystem. Strukturreformen mit Einsparungen und mehr Eigenverantwortung schweben der Ministerin dafür vor. Warken wolle nicht, dass unterschiedliche Kompetenzen der Berufsqualifikation bis zur Unkenntlichkeit verwischen. Inhaltlich falsch sei, dass die Apotheker die Ärzte light seien – das spalte auch. Man müsse sehen, wie die Aufgaben in Teilbereichen auf mehreren Schultern verteilt würden. Warken: „Alle Berufsgruppen werden benötigt.“ Was sich Warken für dieses Jahr wünscht: einen offenen und respektvollen Dialog.

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, erinnerte bei seiner Begrüßung an die Finanzierbarkeit des Sozialstaates, die Zukunftsfähigkeit der Gesundheitsversorgung. All das stehe zur Disposition. Gebraucht würden nachhaltige Konzepte, Reformen und letztendlich Entscheidungen. Ein umfassendes Leistungssystem, nachhaltige sichere Versorgung und stabile GKV-Beiträge – das gehe nicht zusammen. Man müsse sich schon entscheiden. Stabile Beiträge würden eine Konsolidierung des Leistungsportfolios bedeuten.

Gespannt und freudig erregt sei die KBV auf die Einführung eines Primärversorgungssystems. Abgelehnt werde ein Primärarztversorgungssystem. Gebraucht würden Krankenhäuser, aber auch eine funktionierende Notfallversorgung. KBV und DKG hätten Vorschläge gemacht. Die würden vorliegen, man könne sofort loslegen. „Wir stehen bereit.“ Es stehe und falle jedoch mit den Steuerungsmechanismen. Kritisch äußerte sich Gassen auch über die Apothekenreform. Eine Vermischung von Kompetenzen und Zuständigkeiten zwischen Pharmazie und Medizin lehne er ab.

Stoff gab es also mehr als genug für einen langen, diskussionsreichen Abend: GOÄ-Reform, Primärversorgungssystem, Finanzierungsfragen, Kompetenzabgrenzungen und die dauerhafte Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Anspruch und Bezahlbarkeit. Begleitet wurde das Ganze von einem reichhaltigen Buffet und gut gefüllten Gläsern. Vor allem aber schwang ein Signal mit: Die großen gesundheitspolitischen Baustellen sind benannt, die Gesprächskanäle offen – und BÄK sowie KBV demonstrierten zumindest für diesen Abend Geschlossenheit.

Ein Lob gebührt dabei der BÄK: Die im Vorjahr erprobte Organisation wurde übernommen und weitergeführt. Ein früherer Beginn sowie ein reibungsloser Ablauf sorgten dafür, dass niemand mehr in der Kälte warten musste – eine durchweg gelungene Organisation.

 

Prof. Dr. Andreas Lehr


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