Verabschiedung von Volker Hansen, Dieter F. Märtens und Peter Pick vom Medizinischen Dienst Bund

Gute Laune bei Stefan Gronemeyer, Sandra Goldschmidt, Detlef Stange (alle MD Bund), Monika Lelgemann (G-BA) und Ulrike Elsner (vdek) (v.l.n.r.)
Applaus für die Reden
Stefan Gronemeyer, Sandra Goldschmidt, Detlef Stange (alle MD Bund) mit Gernot Kiefer und Doris Pfeiffer (beide GKV-SV) (v.l.n.r.)
Patientenbeauftragter Stefan Schwartze (r.) mit Stefan Gronemeyer (MD Bund)
Staatssekretärin Sabine Dittmar (BMG)
Sandra Goldschmidt (MD Bund) begrüßt Karin Maag (G-BA) (v.l.n.r.).
Dieter F. Märtens (ehemals MDS)
Während der Festveranstaltung des MD Bund
Die Damen umringt von den Herren: Stefan Gronemeyer (MD Bund), Staatssekretärin Sabine Dittmar (BMG), Sandra Goldschmidt und Detlef Stange (beide MD Bund) (v.l.n.r.)
Volker Hansen (ehemals MDS) (r.) im Gespräch mit Sandra Goldschmidt (l.) und Detlef Stange (beide MD Bund)
Franziska Kuhlmann (Medicproof) mit Peter Pick (ehemals MDS)
Peter Pick (ehemals MDS)
Ein letztes Foto mit und Blumen für die Verabschiedeten: Sandra Goldschmidt (MB Bund), Peter Pick (ehemals MDS), Staatssekretärin Sabine Dittmar (BMG), Dieter F. Märtens (ehemals MDS), Doris Pfeiffer (GKV-SV), Volker Hansen (ehemals MDS), Detlef Stange, Stefan Gronemeyer (beide MD Bund) (v.l.n.r.)


Sie sind Persönlichkeiten des ehemaligen Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen. Nicht nur der Name hat sich seit Januar 2022 geändert in Medizinischer Dienst (MD) Bund. Auch die drei Herren Volker Hansen, Dieter F. Märtens und Peter Pick gehören ihm nun nicht mehr an. Für Verwaltungsrat und Geschäftsführung des MD Bund Grund genug, sie gebührend zu verabschieden – mit zahlreichen prominenten Gästen der Gesundheitsszene und vielen Reden.

Und die haben Einblick gegeben in eine Institution, die bewegte Zeiten hinter sich hat und jetzt auf zu neuen Ufern ist; im Interesse von Patienten und Versicherten. Natürlich werden dabei die Leistungen der drei Herren gewürdigt. Aber nicht nur das, es wird auch Nachhilfe gegeben, wie effektiv das Netzwerken sein kann.

 

Sabine Dittmar: Herauslösen des MD Bund aus GKV-Spitzenverband richtige Entscheidung

Die drei Herren hätten maßgeblich die Geschicke der Medizinischen Dienste über viele Jahre geprägt, betont Sabine Dittmar, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Hansen und Märtens als Verwaltungsratsvorsitzende des MDS und Pick als Geschäftsführer. Die Grüße von Lauterbach und seinen Dank übermittelt sie mit den Worten, dass der Antrittsbesuch zeitnah nachgeholt werden solle.

Und dann findet sie lobende Worte für die Institution. Der MD sei ein wichtiger Player im Gesundheitswesen. Als „ständiger Mahner, Qualitätsprüfer und Gutachter mit Blick auf Fehlerstatistiken qualifiziere sich der MD nicht direkt als eine der beliebtesten Institutionen“, meint Dittmar. Dennoch sei der MD unverzichtbar und eine tragende Säule für die gute und qualitativ hochwertige Versorgung im sozialen Sicherungssystem.

Die Arbeit der MD seien geprägt von einem Spannungsverhältnis. Als oftmals lästig und bürokratisch werde der MD von Bürgern und Leistungserbringern empfunden. Aber dafür wichtig: Fast 4,3 Millionen Beratungen und Begutachtungen habe der MD im Pandemiejahr 2020 vorgenommen. 2,8 Millionen in der sozialen Pflegeversicherung. Das sei enorm. Widersprüche im einstelligen Bereich – 7,21 im Jahr 2021 – würden für eine sachgerechte Leistung des MD sprechen, wie Dittmar sagt. Rund 800 Mitarbeiter der MD hätten die Gesundheitsämter während der Pandemie unterstützt oder seien in den Pflegeeinrichtungen tätig gewesen. Das sei keine Selbstverständlichkeit.

Richtig und wichtig sei die Etablierung des MD Bundes mit dem Herauslösen aus dem GKV-Spitzenverband zum Jahr 2022 – beschlossen im MDK-Reformgesetz im Jahre 2019. Ein hartes Stück Arbeit sei die Realisierung des Gesetzes gewesen, sagte Dittmar, damals gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Als Hausärztin mit eigener Landarztpraxis sei der MD ihr ständiger Begleiter gewesen. Sie habe damals nicht gedacht, dass sie an der Reform des MDK aktiv beteiligt sein würde und im Namen des Bundesgesundheitsministeriums für die Arbeit des MD als Staatssekretärin danken würde.

 

Sandra Goldschmidt: MD Bund transparenter und breiter aufgestellt

Sandra Goldschmidt, Verwaltungsratsvorsitzende des MD Bund, erzählt, dass mit der Errichtung des MD Bund Volker Hansen und Dieter F. Märtens als ehemalige Verwaltungsratsmitglieder des MDS an ihren eigenen Stühlen gesägt hatten. Denn mit dem MD Bund sei der alte Verwaltungsrat passé gewesen – „und zwar schlagartig“.

Detlef Stange, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender des MD Bund, und sie hätten bereits weit vor ihrer Wahl den MD Bund vorbereitet. Dies sei zwar aus dem Nähkästchen geplaudert, „aber schon verjährt“, wie Goldschmidt lachend sagte. Am 29. April 2021 habe sich der Verwaltungsrat MD Bund konstituiert. Seitdem habe man sich immer digital getroffen. Satzung, Wahlordnung etc. seien gut realisiert worden.

Sehr früh hätten Geschäftsführung und MDS-Verwaltungsrat die neuen Verwaltungsratsvorsitzenden in die Arbeit einbezogen. Eine Sechser-Runde habe digital getagt. Gesellschaftsbild mit Dame – so bezeichnet sie diese Zusammenkünftige. Offen, ehrlich und konstruktiv sei der Austausch gewesen. Anfang des Jahres sei der MDS in den MD Bund überführt. Diese Hybrid-Sitzung sei herausfordernd, erinnert sich Goldschmidt. Vor allem für MDS-Verwaltungsratsvorsitzenden Volker Hansen. Er habe „mit stoischer Ruhe“ die Auszählung der 1.380 Stimmzettel gemanagt und koordiniert, so dass die Konstituierung des Verwaltungsrates MD Bund glatt gelaufen sei, lobt Goldschmidt.

Und was ist nun neu? Der MD Bund sei transparenter und breiter aufgestellt. 23 Mitglieder, paritätisch besetzt Männer und Frauen. Drei Gruppen gebe es: die Krankenversicherung, die Patientenbetroffenenverbände sowie die Berufsvertretungen. Die drei Herren hätten an der Errichtungsphase einen großen Anteil. Klare Versicherten- und Patientenorientierung sei das Ziel gewesen. Projekte wie der IGeL-Monitor, Qualität in der Pflege oder Patientensicherheit seien dafür Beispiele.

Goldschmidt: „Es ist eine Freude, dass man eine gute Expertenorganisation im Gesundheitswesen weiterführen dürfe, die dazu auch noch sehr gut vernetzt sei.“ Mehr Dank geht wohl kaum. Und dann lädt sie Hansen, Märtens und Pick ein, auch künftig an den Verwaltungsratssitzungen teilzunehmen: über den Livestream, so ist es in der Satzung des MD Bund festgelegt.

 

Doris Pfeiffer: von Peter Pick das grundlegende Handwerk der Gesundheitspolitik gelernt

Die überraschendste und auch anschaulichste Rede mit Blick auf Netzwerken und Kontakte hält Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes. Volker Hansen kenne sie am längsten. Mitte der 1980er Jahre seien sie Kollegen gewesen und hätten an ihren Doktorarbeiten gebastelt an Uni Köln, so Pfeiffer. Hansen im siebenten Stock, sie im sechsten Stock. Man habe sich dann in den Folgejahren auf Veranstaltungen getroffen – Hansen als Vertreter des BDA, Pfeiffer als Vertreterin des AOK-Bundesverbandes, dann des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen (VdAK), wie er damals noch heißt.

Peter Pick wiederum habe es zu verantworten, dass Pfeiffer in die Gesundheitspolitik gekommen sei. Damals sei Pick beim AOK-Bundesverband gewesen als Leiter der verbandspolitischen Planung. Pfeiffer sei am Forschungsinstitut für Sozialpolitik an der Uni Köln gewesen. Der AOK-Bundesverband habe 1988 eine Referentin für Ordnungspolitik in der Abteilung von Pick gesucht. „Welch glückliche Fügung“, sagt sie heute. Pick habe sie eingestellt.

Sie habe von Pick das grundlegende Handwerk der Gesundheitspolitik gelernt. 1992 habe Pick beim MDS angefangen; begleitet mit die Einführung der Pflegeversicherung 1995 und gestaltet die Qualitätsverträge. 1997 übernimmt er die Geschäftsführung des damaligen MDS. Pfeiffer sei zwischenzeitlich Abteilungsleiterin des VdAK geworden. Dort habe sie nur am Rande mit Pick zu tun. 2003 sei sie dann Vorstandsvorsitzende geworden, Nachfolgerin von Herbert Rebscher, der wiederum zur damaligen DAK wechselte. Er mischt also offenbar auch mit.

Und hier sei der Kontakt mit Dietrich F. Märtens entstanden, der damals stellvertretender Verbandsvorsitzender im Organisations- und Personalausschuss des VdAK gewesen sei. Die Zusammenarbeit – sie sei eng. 2008 wird dann der GKV-Spitzenverband gegründet. Märtens und Hansen werden Vorsitzende des Verwaltungsrates des neuen MDS. Und jetzt wird es spannend. Bei einer Veranstaltung des MDS in Potsdam hätten Pfeiffer, Märtens und Hansen sowie Willi Budde – lange Jahre im BKK Bundesverband und MDS tätig sowie dann im neuen GKV-Spitzenverband Verwaltungsratsvorsitzender – über die künftige Position von Pfeiffer beim GKV-Spitzenverband gesprochen hätten. Sehr genau könne sie sich erinnern an die neugierigen Blicke der anderen Teilnehmer. „Ein gefundenes Fressen für die Gerüchteküche“, wie sich Pfeiffer erinnert.

Hansen und Pick seien nun im Ruhestand, nur Märtens sei weiter im Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes. Pfeiffer geht davon aus, dass dies so bleibe. Vermutlich sei Märtens das einzige Verwaltungsratsmitglied, dass Pfeiffer zur Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbandes gewählt habe und auch in mehr als drei Jahren verabschieden werde, das wiederum sorgt für große Erheiterung. Tonnen von Glück wünsche sie den drei Herren und Gesundheit.

 

Stefan Gronemeyer: vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsführung

Stefan Gronemeyer, Vorstandsvorsitzender des MD Bund, punktet in seiner Rede mit Zahlen. Seit 2010 in der Geschäftsführung habe er gut 40 Verwaltungsratssitzungen, mehr als 50 Vorsitzenden-Gespräche und Veranstaltungen erleben können. Vertrauensvoll sei die Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsführung gewesen.

Und auch Gronemeyer kennt Peter Pick schon sehr, sehr lange. Seit Ende der 1970er Jahre über die Schülerszene in Düsseldorf. 2005 habe man sich wiedergetroffen, erinnern konnten sich beide nur dunkel an die vergangene Zeit. Pick habe ihn eingestellt. Gronemeyer berichtet von dem guten Gespür für neue Themen seines Vorgängers Pick – immer im Interesse der Versicherten. Qualität in der Pflege, Menschen mit Demenz, IGeL oder auch Palliativversorgung. Motiviert und begeistert habe er die Mitarbeiter.

 

Peter Pick: fast 38 Jahre im Haifischbecken Gesundheitswesen

Und Peter Pick findet treffliche Worte: „Wir drei können uns wirklich geduscht fühlen“ aufgrund der vielen anerkennenden Worte. Fast 38 Jahre im Haifischbecken Gesundheitswesen sei eine lange Zeit, aber insgesamt mit einer positiven Bilanz. Als er zum MDS gekommen sei, seien die Medizinischen Dienste die ungeliebten Kinder der Krankenversicherungen gewesen. Fachlich sei man mittlerweile anerkannt. Glücksfälle sei die Einführung der Pflegeversicherung gewesen und das Bestreben der GKV, medizinisch sprachfähig zu sein.

Die Politik habe den MDK gefordert und gefördert. Er betont, dass der MDK immer fachlich unabhängig agiert habe und nicht „die Kolonne der Krankenkassen gewesen ist, die Aufträge und Weisungen erhalten hat.“ Das MDK-Reformgesetz bringe eine Stärkung der Medizinischen Dienste. Die sehr weite Abtrennung von der GKV und dem GKV-SV sei jedoch eine falsche politische Entscheidung. Es hätte eine andere Lösung gegeben als das Zählen von Verwaltungsratssitzen. Ganz aufhören will und kann Pick allerdings nicht. Seit November ist er Vorsitzender des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW; ehrenamtlich.

Die Blumen zum Schluss für die drei Herren dürfen nicht fehlen; Umarmungen, lobende Worte, auch eine Träne bei dem einen oder anderen folgen. Volker Hansen, Dieter F. Märtens und auch Peter Pick werden von sich hören lassen – ob nun im Hintergrund oder öffentlich: aber und sicherlich auf jeden Fall.

 

Fina Geschonneck


© Observer Gesundheit


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