Verabschiedung Dr. Volker Leienbach als Direktor des PKV-Verbandes

Standing Ovations für Dr. Volker Leienbach
Herbert Rebscher (Ex-DAK-Gesundheit) bei der Begrüßung von Volker Leienbach
Letzte Absprachen zwischen Volker Leienbach und PKV-Vorstandsvorsitzenden Uwe Laue (r.)
Florian Reuther, neuer PKV-Verbandsdirektor, bei seiner Ansprache
Frank Ulrich Montgomery (l.) gab schon mal den Hinweis an Volker Leienbach (m.): Was heute gesagt werde, sollte man nur zur Hälfte glauben. Gattin Sybille Leienbach nahm es lächelnd hin.
Herzliche Begrüßung: Volker Leienbach und Hermann-Otto Solms (FDP) (r.)
Blick ins Foyer Gürzenich Köln
Das Ehepaar Leienbach
Ein sichtlich erfreuter Volker Leienbach (3.v.l.) mit Reinhold Schulte (l.), Sybille Leienbach (2.v.l.) und Uwe Laue (4.v.l.)
Kabarettist Wolfgang Krebs als Edmund Stoiber
Dankesworte von Volker Leienbach
Interessiert und gerührt beim Geschenke auspacken: Volker Leienbach
Freund und Weggefährte Gregor Thüsing (l.) bei der Übergabe seines Geschenkes an Volker Leienbach: ein Kunstwerk namens "Phoenix"
Uwe Laue (PKV), Volker Leienbach, Reinhold Schulte (Ex-PKV), Florian Reuther (PKV) (v.l.n.r.)


Spätestens beim Flug Berlin-Köln am 28. März, um 15.30 Uhr, wusste die Gesundheitsszene, wie sehr Dr. Volker Leienbach geschätzt wird. Man hätte den Flieger auch in Gesundheitssystem-Flug umbenennen können. Sie saßen alle drin – Vorstände, Verbändechefs, Geschäftsführer, Abteilungs- und Referatsleiterleiter von GKV, Leistungserbringern, Bundesgesundheitsministerium und vom PKV-Verband – dem Berliner Büro natürlich, denn der Hauptsitz des Verbandes ist nach wie vor Köln, und die dort Arbeitenden hatten es an diesem Abend nicht weit. Denn das Urgestein der PKV, Volker Leienbach, wurde im Gürzenich Köln – der guten Stube der Stadt, wie es genannt wird – feierlich verabschiedet; nach 17 Jahren großem Einsatz für die PKV. Auch alle CEOs der privaten Krankenversicherungsunternehmen waren da. Rund 400 Besucher wurden auf diesem großen Event abseits der Hauptstadt gezählt.

Leienbach ist kein Polterer, sondern eher ein leiser, aber sehr bestimmter Geschäftsführer gewesen: im Einsatz für die PKV und ihre Versicherten. Und das zeichnete ihn aus. Seinem Nachfolger Dr. Florian Reuther, seit zehn Jahren im PKV-Verband, war sichtlich anzumerken, dass er ein schweres Erbe antritt. Er habe schon viel gelernt von seinem Vorgänger, sagte Reuther. Als sympathischste Fähigkeit nannte er die kurzen Reden von Leienbach. An diesem Abend wolle er sich daranhalten. Gelungen. Und eins betonte Reuther – im Namen der PKV-Vorstandsvorsitzenden, der Mitarbeiter, Kollegen und Weggefährten: „Wir sagen DANKE!“ Das Motto des Abends.

Uwe Laue, amtierender Vorstandsvorsitzender der PKV, lobte in seiner Rede die von Volker Leienbach realisierten Reformprojekte innerhalb des Systems der privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Und der eine oder andere im Saal erinnerte sich, was diese ausgelöst haben, wie die Gründung der privaten Pflegeberatung Compass. Leienbach weigerte sich, dass die PKV die Pflegestützpunkte – ins Pflege-Weiterentwicklungsgesetz 2008 festgeschrieben – mitfinanziert. Stattdessen habe er „das grandiose Erfolgsmodell“, die Pflegeberatung Compass mit ihrem Konzept einer aufsuchenden Beratung gegründet. Das zeige, so Laue, dass der Systemwettbewerb GKV/PKV positiv sei: „die PKV als Akteur der Gesundheitsversorgung“.

Ein Jahr später initiierte Leienbach das Zentrum für Qualität in der Pflege, eine Stiftung, die sich Wissensinstitut der Pflege nennt und auf die die GKV ein wenig neidisch ist. Einen langen Atem braucht man nach Aussage von Laue für die neue GOÄ – das Konzept sei nun so gut wie fertig. Ein Verdienst des ehemaligen Verbandsdirektors. Weitere Projekte, die Leienbach auf den Weg gebracht habe, seien die Leitlinien für den Tarifwechsel in die PKV und die Gründung einer Stiftung Gesundheitswissen – auf jeden Fall ein Leuchtturm für das Gesundheitswesen.

Sehr persönliche und trotzdem launig vorgetragene Worte sprach Prof. Dr. Gregor Thüsing, Direktor des Institutes für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit der Universität Bonn. Er ist Berater, Freund der Familie und hat auch die Schlachten für die PKV vor dem Bundesverfassungsgericht mit ausgetragen. Zur Erinnerung: Karlsruhe hatte im Juni 2009 Verfassungsbeschwerden von fünf privaten Krankenversicherungsunternehmen und drei privat Versicherten gegen Teile der Gesundheitsreform im GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz zurückgewiesen. Doch gleichzeitig sprachen sich die Bundesrichter für den Erhalt des dualen Krankenversicherungssystems aus – für Ulla Schmidt damals eine empfindliche Niederlage, woran sich die Prozessbeteiligten der PKV ganz offensichtlich noch heute gerne erinnern. Sie habe am Abend des Prozesstages erst einmal die Kommunikation mit ihnen eingestellt.

Thüsing übergab sein Geschenk, ein Werk des rheinischen Künstlers Ewald Mataré von 1954 (Leienbachs Geburtsjahr) namens „Phoenix“, an Volker Leienbach und führte die Laudatio mit den Worten ein: „Ein gutes Geschenk sagt viel über den Beschenkten aus.“ Das Motiv – ein Phoenix – stehe für Erneuerung, einem frischen und unabhängigen Geist, so wie Leienbach agiert habe. Das Material der Skulptur, Eisenguss, zeige Bodenständigkeit. „Sehr fein“ werde das Wesentliche herausgearbeitet. Thüsing vergleicht dies mit der „feinen Bescheidenheit“ von Leienbach, das Eigentliche herauszufiltern, auf Unnötiges zu verzichten.

Für Aufbruch, nicht nur Abwehr stehe die staatlich geförderte private Pflegeversicherung, so Uwe Laues Vorgänger Reinhold Schulte. Der Fokus seines Statements richtete sich aber auf die Bürgerversicherung, die große Abwehrschlacht des Verbandes. Heute seien drei von sechs Fraktionen im Bundestag für die Bürgerversicherung, früher seien es sogar drei von vier gewesen. Die Auseinandersetzung mit Ulla Schmidt um den Erhalt der PKV resp. gegen die Bürgerversicherung sei die große Feuertaufe Volker Leienbachs gewesen – er sei als „großer Diplomat“ daraus herausgegangen. In der Folge sei „das ideologische Hirngespinst“  zurückgedrängt worden. Bei den Video-Grußbotschaften war Ulla Schmidt allerdings wieder dabei, wie auch Karl Lauterbach.

Der Druck von außen habe auch dazu geführt, so Schulte, dass die angeschlossenen Unternehmen zusammenhielten, auch bei internen Ausreißern – er nannte das Papier „Agenda 2020“ mit dem vermeintlichen Ende der PKV-Vollversicherung.

Bevor der Jubilar das Wort ergriff, brachte Kabarettist Wolfgang Krebs als Horst Seehofer und Edmund Stoiber Stimmung in den Saal. Die PKV funktioniere, und deshalb sei er an ihrer Seite, sagte Krebs alias Seehofer. Er, Seehofer, habe einmal die schönste Nacht seines Lebens mit Ulla Schmidt verbracht. Er wisse nicht, ob Volker Leienbach ein gleiches Erlebnis gehabt habe; er sei ja ein rheinisches Schlitzohr und Untergrundkämpfer. Zu großer Erheiterung trug auch der Stoiber-Part bei.

Volker Leienbach erhielt anschließend nicht nur eine Skulptur als Geschenk. Ein Focus-Heft, in dem er als einer der einflussreichsten Lobbyisten dargestellt wurde, war ein Präsent. Und zudem ein liebevoll zusammengestelltes Kochbuch – mit Rezepten von den Mitarbeitern. Da war der Beschenkte doch überrascht: Das mit dem Kochen sei vielleicht ein wenig überhöht dargestellt, sagte Leienbach. Er habe doch „nur einmal“ gesagt, dass er sich vorstellen könnte, zu kochen. Vielleicht hat er jetzt ein neues Hobby entdeckt, aber berechtigte Zweifel daran sind angebracht.

Leienbach habe im Verband und mit den Mitgliedsunternehmen den offenen und angstfreien Umgang miteinander geschätzt. Er sei stolz, dass der Verband mit ihm an der Spitze auch gegen den Druck von außen zusammenstand. Ein Dank an die Weggefährten durfte natürlich nicht fehlen, wie auch ein kurze Bilanz: „Es ist nicht alles gelungen, aber ich bin zufrieden“, so Leienbach, der sich über die Besetzung seines Nachfolgers augenscheinlich sehr freute.

„Alles Gute. Auf Wiedersehen: Das Buffet ist eröffnet“, hieß es dann von Volker Leienbach, und bei dem einen oder anderen wurden die Augen feucht. Der Beifall wollte kein Ende nehmen – Standing Ovations – für einen großen Kämpfer und Gestalter.

Aber eins ist gewiss: Volker Leienbach wird wieder auftauchen. Spätestens sicherlich beim nächsten PKV-Empfang im Hamburger Bahnhof.

 

Redaktion / Andreas Lehr


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