Neujahrsempfang Deutscher Hausärzteverband

Heimelige Atmosphäre beim Neujahrsempfang des Deutschen Hausärzteverbandes im Capital Club
Ulrich Weigeldt (Deutscher Hausärzteverband) bei seiner Begrüßungsrede
Petra Reis-Berkowicz (KBV), Dominique Jaeger (M&P), Nicola Buhlinger-Göpfardt (Hausärzteverband Baden-Württemberg) (v.l.n.r.)
Staatssekretär Thomas Gebhart (BMG)
Michael Hennrich MdB, Karin Maag MdB (beide CDU), Anke Richter-Scheer, Ulrich Weigeldt (beide Deutscher Hausärzteverband) (v.l.n.r)
Psychotherapeutinnen vereint: Barbara Lubisch (DPtV) (l.) mit Christina Tophoven (BPtK)
Ulrich Weigeldt (Deutscher Hausärzteverband) (l.) und Roy Kühne MdB (CDU)
Wie herzlich: Ulrich Weigeldt (Deutscher Hausärzteverband) (l.), Stephan Hofmeister (KBV)
Martina Stamm-Fibich MdB (SPD) mit Markus Beier (Bayerischer Hausärzteverband)
Sabine Dittmar MdB (SPD) mit Stefan Pilsinger MdB (CSU)
Wird hier die App 116117 erklärt? Stephan Hofmeister und Petra Reis-Berkowicz (beide KBV)
Heidrun Gitter (Bundesärztekammer), Susanne Johna (Marburger Bund), Frank Ulrich Montgomery (Weltärztebund), Monika Buchalik (Hausärzteverband Hessen) (v.l.n.r.)


Kein Drängeln, nicht mehr Politiker zum Anfassen – der Hausärzteverband hat in diesem Jahr für seinen Neujahrsempfang in Berlin am 15. Januar den noblen Capital Club in Berlin-Mitte gewählt. Die Bleibtreustraße in Charlottenburg ist damit für Neujahrsempfänge der Hausärzte Geschichte. Ein Thema des Abends, wie auch die sehenswerten Modefotos von CDU-Gesundheitspolitikerin Karin Maag im aktuellen FAZ-Magazin.

Noch bevor die Reden losgingen, waren nicht wenige voll des Lobes über den Einsatz von Maag bei der Fotosession unter dem Titel „Macht mal anders – Politikerinnen aus dem Bundestag probieren Entwürfe deutscher Designer. Das passt!“ In goldfarbener Hose und hinreißender Bluse präsentierte die CDU-Abgeordnete Mode aus Deutschland. „Ich wurde gefragt, da habe ich halt ja gesagt“, erzählte sie auf dem Neujahrsempfang. Seit der Veröffentlichung im FAZ-Magazin wissen wir jetzt über die CDU-Politikerin: „Mode unterstützt mein positives Auftreten. Deshalb sind gutes Design und gute Designer so wichtig für mich.“

Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt musste sich bei seiner Rede erst einmal erklären. Ein neuer Ort, das Jahr zu begrüßen, sei notwendig gewesen – ein Umzug des Deutschen Hausärzteverbandes von der zweiten in die vierte Etage in der Bleibtreustraße. Der Fahrstuhl würde „vielleicht nicht alle Gäste schaffen“, die Treppe müsste genommen werden. Beschwerlich wäre das. Und auch der Platz sei zu gering. „Wir wollten die Gäste nicht auf dem Treppenhaus oder im Flur stehen lassen“, meinte Weigeldt launig und erntete viele Lacher.

Weigeldt widmete sich dann der Gesundheitspolitik. Er habe sich gewundert, dass das Unwort des Jahres nicht „Manipulationsresistenz“ heißt. Damit würden die Hausärzte immer wieder konfrontiert. Er gab den Rat, dass man sich doch an die Krankenhäuser halten sollte: „Wir machen es so wie bei den DRG. Da ist alles sauber, weil dort die Kodierungsassistenten arbeiten.“ Davon gebe es mittlerweile sicherlich mehr als Pflegefachkräfte und Ärzte.

Mit Blick auf die hausarztzentrierte Versorgung hoffe er auf eine „vernünftige Lösung“ und eine Weiterführung. Weigeldt bezog sich auf das FKG. Nach dem Entwurf sollen alle Vertragsbestimmungen, nach denen Diagnosen als Voraussetzung für Vergütungen vorgesehen sind, unzulässig sein. Davon betroffen wären unter anderem Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung. Gegenwärtig hätten sich 5,4 Millionen Versicherte dafür entschieden – „freiwillig, ohne Verpflichtung“. Und es würden dank Mundpropaganda immer mehr. Weigeldt stellte die Frage: „Geht es um Versorgung oder Geldverteilung?“ Man sollte „die richtige Reihenfolge“ beachten, mahnte er.

Beim Thema Digitalisierung – „das könnte man auch als Unwort des Jahres benennen“ – forderte der Bundesvorsitzende, Strukturdefizite „vernünftig“ zu bereinigen.

Weigeldt kritisierte zudem das „Bürokratieentlastungsgesetz“, in dem festlegt wurde, dass die AU-Bescheinigung elektronisch ausgefüllt würde. „Aber wir müssen sie auch noch ausdrucken. Die Bürokratie wird mehr.“ Er verglich das Gesetz mit dem Mercedes der 1960er Jahre. Diese Autos wären zwar mit Servolenkung ausgestattet gewesen, hätten dazu aber ein „sehr großes“ Lenkrad, falls die Servolenkung mal ausfalle. „Sehr froh“ sei er, dass mit der neuen Approbationsordnung die Allgemeinmedizin ein Prüfungsfach werden soll, die „wichtigste Form der primären Versorgung der Versicherten“. Er hoffe auf Zustimmung seitens der Universitäten.

Thomas Gebhart, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, formulierte in seiner Ansprache vier Wünsche. „Hin und wieder“ sollte man bei Debatten den Blick eines Ruderers einnehmen, „was schon an Wegstrecke zurückgelegt wurde“. Deutschland habe ein gutes Gesundheitssystem, das „mit strittigen Diskussionen“ weiter vorangebracht wurde. Als Beispiel nannte Gebhart die Regelungen im TSVG zu Vergütungsfragen. Explizit verwies er auf den Strukturfonds zur hausärztlichen Versorgung, der von der KV Schleswig-Holstein ins Leben gerufen wurde.

Der zweite Wunsch sei der nach einer „offenen und ehrlichen Debatte“, wo man sich „in den anderen hineinversetzen“ und sich „aufeinander zubewegen“ solle. In diesem Zusammenhang verwies Gebhart auf den „wenigen Nachwuchs“ bei den Ärzten. Nur noch 11.000 Studienplätze gebe es in der Humanmedizin, die Zahl müsse erhöht werden.

Gebhart wünsche sich auch mehr Respekt und Wertschätzung. Ärzte sollen besser geschützt werden, die Politik werde dafür rechtliche Maßnahmen ergreifen mit härteren Strafen.

Den letzten Wunsch leitete Gebhart mit einem afrikanischen Sprichwort ein: „Worte sind schön, aber Hühner legen Eier.“ Eine ernsthafte Debatte sei wichtig, aber am Ende müsse eine Entscheidung stehen. Das BMG wolle „Antworten geben“. Dafür sei Tempo gemacht worden, „weil wir Probleme lösen wollen.“ Notfallversorgung, FKG, Thema Digitalisierung mit DVG II – es wird laut Gebhart „ein gutes Jahr“.

Gastgeber Weigeldt kommentierte die Rede: „Wenn man rudert, würden wir gern das Steuer übernehmen.“

Ein anregender Abend mit grandiosem Blick auf den Gendarmenmarkt. Und einer guten Wahl des neuen Ortes mit angenehmer, fast schon heimeliger Atmosphäre.

 

Redaktion / Fina Geschonneck 


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