Neujahrsempfang des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes mit Fokus Primärarztsystem

Erwartet eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen Akteuren zu den Vorhaben des BMG: Staatssekretär Tino Sorge.
Hervorragende Unterhaltung beim Neujahrsempfang des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes
Gut gelaunte Gastgeber beim Neujahrsempfang des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes: die Bundesvorsitzenden Nicola Buhlinger-Göpfarth und Markus Beier
Klaus Reinhardt (BÄK) (r.) und der Bundesdrogenbeauftragten Hendrik Streeck sowie Ellen Lundershausen (BÄK)
Andrea Benecke (BPtK) und Gebhard Hentschel (DPtV)
Nadja Jesswein (Hausärztinnen- und Hausärzteverband) (l.) mit Susanne Johna (Marburger Bund)
Petra Reis-Berkowicz im Gespräch mit Stephan Hofmeister (beide KBV)
Florian Reuther (PKV-Verband) (l.) und Michael Müller (ALM)
Haben viel Spaß bei ihrem Gespräch: Timo Schumacher (l.) und Mathias Burmeister (beide Hausärztinnen- und Hausärzteverband Niedersachsen)
Staatssekretärin Sonja Optendrenk (Gesundheitsministerium Hessen) und Christoph Weinrich (KBV)
Ellen Lundershausen (BÄK), Dirk Heinrich (SpiFa), Norbert Smetak (Medi) (v.l.n.r.)
Nicola Buhlinger-Göpfarth (Hausärztinnen- und Hausärzteverband) mit BMG-Staatssekretär Georg Kippels
Dominik von Stillfried (Zi), Markus Beier, Nicola Buhlinger-Göpfarth (beide Hausärztinnen- und Hausärzteverband) (v.l.n.r.)
Bereit für den Neujahrsempfang des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes im Capital Club sind die Bundesvorsitzenden Nicola Buhlinger-Göpfarth und Markus Beier.


Start frei für die Berliner Neujahrsempfänge 2026 – wie immer mit dem Hausärztinnen- und Hausärzteverband. Heiterkeit und Geselligkeit, miteinander zu sprechen, nicht übereinander – das sollte im Mittelpunkt stehen, wie Bundesvorsitzender Markus Beier bei seiner Begrüßung betonte. Doch der Verband hat auch ein klares Reformziel: die Einführung eines Primärarztsystems mit Ausrichtung an der HzV. 

Vieles, was bisher selbstverständlich gewesen sei, gerate ins Wanken, so Beier mit Blick auf die sozialpolitische Grundordnung. Das Solidarsystem sei dazu gemacht, in schwierigen Momenten Rettung zu bieten, wenn das Leben aus der Bahn gerät. „Jetzt ist es fast ein wenig umgekehrt“, sagte Beier. Stattdessen benötigten inzwischen Kranken- und Rentenversicherung selbst Rettung. Die Gesundheitspolitik sei seit der Pandemie wieder ein tägliches Gesprächsthema.

Bisher sei sie das tapfer ignorierte Stiefkind der Innenpolitik gewesen – lange übersehen, stets mitgeschleppt. Beier erinnerte an frühere Kabinettsbildungen: Der Posten des Gesundheitsministers sei wie Fußball auf dem Bolzplatz gewesen – das letzte Amt, das vergeben werde. Heute sei das anders. Innenpolitik sei ohne Gesundheitspolitik nicht mehr zu denken. Es wäre fatal, wenn das System gegen die Wand fahre.

Reformen müssten daher angestoßen werden. Begrüßenswert seien die Worte der Bundesgesundheitsministerin, die wenige Stunden vor dem Neujahrsempfang angekündigt hat, der Referentenentwurf zum Primärarztversorgungssystem soll im Sommer vorgelegt werden.

Verbände, Selbstverwaltung und Wissenschaft seien nun gefragt, so konstruktiv wie möglich aufzutreten, aber auch kritisch mitzuwirken. Die Finanzierbarkeit sei die zentrale Säule. Ebenso entscheidend seien Erreichbarkeit, Verlässlichkeit und Qualität – darauf basiere das Vertrauen der Patientinnen und Patienten. Ineffizienz dürfe es nicht länger geben. Gleichzeitig dürften jene Strukturen, die das System trügen, nicht mit dem „Holzhammer des Sparens“ beschädigt werden.

Nicole Buhlinger-Göpfarth, Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, forderte folgerichtig eine konsequente Stärkung der Haus- und Kinderärzte für eine gesteuerte Primärversorgung. Ein verbindliches System sei notwendig – und zwar jetzt, so schnell wie möglich. Ihre Mahnung an die Politik: „Machen Sie nicht den Fehler, aus der Notwendigkeit heraus nur die Beitragssätze kurzfristig zu stabilisieren und eine langfristig notwendige Reform auf die lange Bank zu schieben.“ Es komme nun auf echte Reformen an. Die Patienten würden es in den Sprechzimmern spüren. Die Menschen wüssten längst: „Es muss sich etwas ändern im Gesundheitswesen, und sie erwarten das von der Politik.“ Die Hausärzteschaft stehe bereit, diese Reformen voll zu unterstützen. Ein verbindliches Primärarztsystem nach dem HÄPPI-Konzept müsse umgesetzt werden.

Für den parlamentarischen Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Tino Sorge, bedeutet ein Primärarztsystem eine bessere und zielgenauere Patientensteuerung – eine Möglichkeit, die Ressource Arzt effektiver einzusetzen. Entscheidend sei die konkrete Ausgestaltung. Ein Großteil der Versicherten werde das neue System sicherlich nutzen. Zugleich müsse man klären, was mit jenen Patienten geschehe, die es umgingen. Chroniker müssten ausgenommen werden, so Sorge. Es sei absurd, dass diese Patienten weiterhin den Hausarzt aufsuchen müssten, obwohl sie beim Facharzt besser aufgehoben seien. Bei Reformen müsse zudem über die Finanzstabilität der GKV gesprochen werden. Dafür brauche es in der „Gesundheitsfamilie“ einen Konsens, „dass wir uns alle bewegen müssen“. Deshalb müsse ohne Denkverbote gearbeitet werden – ohne rote Linien oder den berühmten Satz: „Das geht gar nicht“. Auch in der sozialen Pflegeversicherung müssten Leistungen zielgerichteter eingesetzt werden. Hausärzte seien zudem beim Thema Prävention besonders gefordert.

Was möglich ist und was nicht, wurde an diesem Abend lange und intensiv diskutiert. Wen wird es in diesem Jahr beim Sparen treffen? Derzeit wird im Dunkeln getappt, mehr vermutet als mit Fakten untermauert. Immer wieder fiel an diesem Abend das Wort Finanzkommission. Erste Gespräche mit Akteuren hätten stattgefunden, kleinteilig werde nachgefragt, die genannten Summen seien überschaubar. Dieses Stochern im Nebel belastet. Ende März sollen die Vorschläge für kurzfristige Sparmaßnahmen präsentiert werden.

Ein idealer Ort für persönliche Gespräche: der Capital Club, mit lebendiger Atmosphäre, Blick auf den wiederhergestellten Gendarmenmarkt sowie erstklassigem Essen und Getränken. Es menschelte sehr an diesem Abend in diesen unsicheren Zeiten.

 

Prof. Dr. Andreas Lehr


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