27.01.2026
Neujahrsempfang der BZÄK mit opulentem Bühnenbild im Tipi am Kanzleramt
In den vergangenen zwei Jahren hat die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) noch im Naturkundemuseum das neue Jahr eingeläutet. Nun wurde im Tipi am Kanzleramt gefeiert – mit neuer Frauenpower im BZÄK-Vorstand, einer launigen Rede der Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Bundestag und einem gestandenen KZBV-Vorstandsvorsitzenden.
SPD-Gesundheitspolitikerin Tanja Machalet nahm Bezug auf das opulente Bühnenbild vom aktuellen Programm „Frau Luna“, der Operette von Paul Lincke, das in kräftigem Rot gehalten war. „Politik ist ja auch ein wenig wie im Varieté“, sagte sie. Sie berichtete von ihrer Zahnärztin, die meinte, es gebe viel zu tun, wenn sie sich Bundespolitiker im Fernsehen anschaue.
In Vorbereitung ihrer Rede habe sie den Koalitionsvertrag nach dem Wort Zahn durchsucht. Elf Treffer habe sie gefunden. Da werde beispielsweise von der besseren Verzahnung von Studienabschlüssen mit den Strukturen der Länder geschrieben oder die bessere Verzahnung von Familie und Beruf verlangt. Einmal sei sogar davon die Rede, den Bundesländern zu ermöglichen, die Bedarfsplanung von Zahnärzten eigenständig vorzunehmen. Gelächter im Saal.
Machalet erinnerte an die immense Bedeutung der Prävention in der Zahnmedizin, an ihre erste Zahnpasta und die kleine Zahnbürste dazu. Wichtig sei dies gewesen. Lobend berichtete sie, dass die Zahnärzte die Prävention nicht nur fordern, sondern auch leben. Mundhygiene und Zahntechnik seien Paradebeispiele dafür, was durch Prävention erreicht werden könne. „Und ganz ehrlich, ich sehe das auch im eigenen Familienumfeld. Ich habe zum Beispiel meine Eltern nie ohne Gebiss, also quasi Prothesen, kennengelernt.“ Die Gesundheitspolitikerin verlangte eine Zuckersteuer oder eine Selbstverpflichtung der Industrie, weniger Zucker für ihre Softgetränke zu verwenden. In dieser Koalition sei es jedoch nicht leicht, diesen Vorschlag auch umzusetzen. Doch wenn es gelinge, „dann müssen wir natürlich auch dafür sorgen, dass das Geld aus der Steuer dann nicht irgendwo allgemein im Haushalt versickert“. Ziel sei es, die Mittel für Prävention einzusetzen.
Und auch für die Zahnärzte ist der Fokus klar, wie die neue BZÄK-Präsidentin Dr. Romy Ermler betonte: Prävention. Füllungen würden entfallen, Kronen, Implantate – was nicht nur der Krankenversicherung Geld spare, sondern auch bei den Patienten zu mehr Lebensqualität führe.
Ein wenig wollte Ermler denn auch „angeben“, wie sie selbst sagte, mit Zahlen aus der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie. Seit der Einführung der Gruppen- und Individualprophylaxe Ende der 1990er-Jahre habe sich die Karies bei Kindern um 90 Prozent verringert. Zahnverluste träten bis ins Erwachsenenalter praktisch nicht mehr auf. Heute seien nur noch fünf Prozent der 65- bis 74-Jährigen zahnlos. Ermler appellierte an die Politik, die Melde- und Dokumentationspflichten einzuschränken, die für Zahnärzte nervenaufreibend seien. Und natürlich durfte auch die Gebührenordnung der Zahnärzte (GOZ) nicht fehlen, die dringend reformiert werden müsse.
Die Präsidentin verwies auf den Neujahrsempfang der Ärzteschaft vor wenigen Wochen, wo Bundesgesundheitsministerin Warken eine Reform der Gebührenordnung angekündigt hatte. „Das freut uns für die Ärzteschaft. Jedoch darf die neue GOÄ keine Blaupause für die GOZ werden. Hier darf es sich das BMG nicht zu einfach machen“, betonte Ermler. Die GOÄ passe für die Zahnärzte gar nicht. Gebraucht werde mehr Handlungsspielraum. Ermler: „Daher steht die BZÄK bombenfest dazu: die GOÄ kann kein Vorbild für die GOZ sein.“
Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender der KZBV, stellte unmissverständlich fest: Die zahnärztliche Versorgung sei weder ein Kostentreiber, noch stünden die zur Verfügung gestellten Mittel in einem Missverhältnis zum Gesundheitsergebnis. „Ganz im Gegenteil: Wir zeigen mit unserer konsequenten Präventionsausrichtung auf, wie man Kosten stabilisieren und die Mundgesundheit in Deutschland stetig verbessern kann.“ Hendges nannte noch ein weiteres Problem, das die Zahnärzte mit Erfolg angehen: die Parodontitis. Diese Therapie als Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahme müsse gesetzlich verankert werden. „Wir sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung, wenn es um die Stabilisierung der GKV-Finanzen geht.“
An diesem Abend wurde bei gutem Essen und zahlreichen Getränken noch lange über Vorbeugung – wie Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sagt – und weitere Themen der Zahnärzteschaft gesprochen. Die Stimmung war sichtlich gut, dank der hervorragenden Atmosphäre im Tipi kein Wunder.
Fina Geschonneck
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