Klare Ansagen beim Gesellschaftsabend des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes

Hervorragende Kulisse für den Gesellschaftsabend: das Tipi am Kanzleramt
BMG-Staatssekretär Tino Sorge verspricht mehr Kommunikation.
Klaus Reinhardt (Bundesärztekammer), Matthias Schellenberg (apoBank) und Ulrich Weigeldt (Hausärztinnen- und Hausärzteverband) (v.l.n.r.)
Petra Reis-Berkowicz mit Christoph Weinrich (beide KBV)
Die gut gelaunten Bundesvorsitzenden Nicola Buhlinger-Göpfarth und Markus Beier bei der Eröffnung des Gesellschaftsabends des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes
Susanne Johna (Marburger Bund) mit Bernhard van Treeck (G-BA)
BMG-Staatssekretär Tino Sorge mit Markus Beier und Nicola Buhlinger-Göpfarth (v.l.n.r.)
Sabine Dittmar MdB (SPD) (l.) mit Anke Lesinski-Schiedat (Hartmannbund)
Carola Reimann (AOK-BV) (M.) im Gespräch mit Andrea Benecke (BPtK) (l.) und Michael Vogt (Hartmannbund)
Gute Bekannte aus alten gemeinsamen Zeiten: Christopher Hermann (l.) und Jürgen Graf (AOK Baden-Württemberg)
Erklärt Nicola Buhlinger-Göpfarth (Hausärztinnen- und Hausärzteverband) BMG-Staatssekretär Tino Sorge die Notwendigkeit der HzV?
Ausgelassen tanzen zur Musik der KKCB – King Kamehameha Club Band


Der Gesellschaftsabend des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes im Tipi am Kanzleramt begann mit Umwegen. Drei Tage vor dem Berlin-Marathon erschwerten zahlreiche Absperrungen den direkten Weg zum Zirkuszelt. Auch die Hausärzte sind solche Hindernisse gewohnt – und verfolgen wie Langstreckenläufer unbeirrt ihr Ziel: die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV).

Bundesvorsitzender Markus Beier erinnerte zu Beginn an eine kürzlich vom Verband in Auftrag gegebene Umfrage. 72 Prozent der Menschen gaben an, sie hätten große oder sehr große Sorgen um die künftige Versorgung. In Flächenländern wie Sachsen-Anhalt oder Brandenburg lag der Wert bei fast 80 Prozent. „Die Menschen haben wirklich große Ängste“, so Beier. Zwischen 60 und 70 Prozent der Befragten seien aber bereit, tiefgreifende Reformen mitzutragen – „mit uns gemeinsam durchzustehen“. Reformen müssten jetzt angegangen werden, Stillstand sei keine Option.

Nicola Buhlinger-Göpfarth, Co-Bundesvorsitzende des Verbandes, betonte ebenfalls, dass die hausärztliche Versorgung gestärkt werden müsse. Eine Versorgungspauschale bringe nicht den gewünschten Erfolg. „Wir haben jetzt ein Bürokratiemonster“, kritisierte sie. Stattdessen müsse man die Zügel selbst in die Hand nehmen und Versorgungsformen entwickeln, die tatsächlich Verbesserungen brächten. Mit der HzV gebe es ein wettbewerbliches System, das die Selbstverwaltung herausfordere und zeige, wie zukunftsfähige Versorgung aussehen könne. „Die Innovationskraft der HzV, das wissen Sie alle, ist enorm“, betonte sie, und der Beifall gab ihr recht.

„Wir sind der Stachel im Fleisch des dösenden Riesen Kollektivvertrag“, so Buhlinger-Göpfarth weiter. Mit HÄPPI – einem zukunftsorientierten, berufsübergreifenden Versorgungsangebot – habe man sich auf den Weg gemacht, die hausärztliche Versorgung zu revolutionieren. Während andere noch über mehr interprofessionelle Zusammenarbeit, Digitalisierung oder Patientenzentrierung sprächen, hätten die Hausärzte ihr Konzept bereits fertig. Am 1. Oktober starte in Baden-Württemberg die bundesweit erste Vergütung für HÄPPI. Pilotpraxen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg seien geplant, eine Ausweitung ausdrücklich von Buhlinger-Göpfarth, die auch den Landesverband in Baden-Württemberg führt, erwünscht.

Wenn also ein Primärarztsystem auf den Weg gebracht werde, seien die Hausärzte dabei, stellte die Bundesvorsitzende klar – „aber nur mit der hausarztzentrierten Versorgung“.

Die Bundesgesundheitsministerin ließ sich an diesem Abend nicht blicken. Während Vorgänger Karl Lauterbach schon Stammgast beim Gesellschaftsabend war, vertrat Staatssekretär Tino Sorge Nina Warken. Sorge sprach von mehr Patientensteuerung und einem „Anreizsystem“. Zwingen wolle er jedoch niemanden, einen bestimmten Hausarzt aufzusuchen. Vielmehr sehe er die Hausärzte als Lotsen für die Patienten. Über das geplante Primärarztsystem müsse man sprechen – auch über einschneidende Reformen, wenn diese von der Bevölkerung akzeptiert würden und zu besseren Ergebnissen führten. Konkreter wurde er nicht.

Wie so oft sprach er vom Bürokratieabbau und einer Misstrauenskultur, die nicht nur in der Gesundheitspolitik herrsche. Mit der Gesprächskultur zu den Hausärzten sei er jedoch zufrieden. „Bleiben Sie uns gewogen, wir tun unser Bestes“, versprach er zum Schluss.

Nach Gesprächen und gutem Essen verwandelte sich das Tipi in einen Tanzsaal. Und wer wollte, konnte darin gleich ein kleines Aufwärmprogramm sehen – schließlich stand drei Tage später der Marathon an, bei dem vielleicht auch der eine oder andere Hausarzt teilnehmen sollte.

 

Fina Geschonneck 


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