04.02.2026
DGIV will bei der Prävention Taten sehen / Neujahrsempfang im Capital Club
Nicht schon wieder Prävention. Das Ziel ist doch klar: eine gesunde Lebensweise von Kindheit an, dadurch weniger Krankheitskosten, Entlastung des Systems. Steht alles irgendwo, tausendmal gesagt und geschrieben. Für die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung (DGIV) ist das alles nicht genug – Taten müssen folgen. Die Akteure aus Ärzteschaft, Wissenschaft, Kassen und weiteren Bereichen trommeln vehement dafür, wie beim Neujahrsempfang im Berliner Capital Club.
Michael Meyer, Generalsekretär der DGIV, meinte bei der Begrüßung: Glatte Straßen in Berlin und Prävention – „das passt ganz gut“. Fürwahr: Der Verein will Denkimpulse in die Öffentlichkeit bringen, damit sich etwas bewegt. Das krankheitsorientierte System müsse zu einem gesunden Gesundheitssystem werden.
„Besser machen“ heißt denn auch der Vorsatz von Prof. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der DGIV. Er erinnerte an einen Spruch von Sebastian Kneipp: „Wer nicht jeden Tag etwas für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern.“ Die Verantwortung sieht er unter anderem bei Gesundheitseinrichtungen, die zuständig sein müssten, wenn es um die Vermeidung von Krankheiten beziehungsweise deren Früherkennung gehe. Doch diese würden oftmals erst aktiv, wenn Krankheiten bereits sichtbar seien. Ziel sei es, Prävention dort einzubeziehen, wo über Krankenversorgung noch nicht nachgedacht werde – in der Ausbildung. Nagel verwies auf Risikofaktoren, durch die vulnerable Gruppen abgehängt würden, weil ihnen grundlegende Voraussetzungen für ein gesundheitsgerechtes Verhalten fehlten. Sein Auftrag sei klar: agieren von der Vorbeugung bis zur Wahrnehmung von Risikofaktoren, die zur Gesundheitsgefährdung führen.
Auch Ute Teichert, die bis vor wenigen Wochen u.a. für den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) im BMG zuständig war, sprach genau darüber. Der ÖGD sei mitverantwortlich dafür, ob Prävention auf dem Papier stehe oder in die Tat umgesetzt werde. Prävention sei bisher gut für Sonntagsreden – das müsse der Vergangenheit angehören. Gebraucht werde ein präventionsorientiertes Gesundheitssystem mit einem gut funktionierenden ÖGD. Dafür müsse mehr Geld für Prävention bereitgestellt und bestehende Strukturen wie die „Frühen Hilfen“ genutzt werden. Teicherts Vorschlag: der Aufbau einer Präventionsstiftung unter Bündelung von Kommunen und Bund. Außerdem sollten Toolboxen installiert werden.
Journalist und DGIV-Vorstandsmitglied Albrecht Kloepfer konnte seinen Unmut über die Untätigkeit der Politik nicht mehr zurückhalten: „Ich kann das Gelaber nicht mehr ertragen.“ Die Prävention benötige ein Gefäß für Geld, für die Förderung von Projekten wie beispielsweise Schulgesundheitslotsen. Den Vorschlag einer Stiftung finde er gut. Das Bundeskanzleramt sei gefordert, müsse „endlich aufwachen“ und die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Kloepfer erinnerte daran, dass die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt 2005 versucht habe, eine solche Präventionsstiftung zu etablieren, die dann jedoch „abgeschossen“ worden sei.
Sandra Zimmermann von WifOR Institute kritisierte, dass Prävention bislang nur als Kostenfaktor gesehen werde. „Prävention muss gelebt werden, adressatenorientiert – wir müssen ins Tun kommen.“ Peter Silberhorn, Geschäftsführer der Sana Klinik München und zuvor bei Sana Gesundheit tätig, sagte, sein Unternehmen verstehe sich als integrierter Gesundheitsdienstleister. Zur Rolle der Krankenhäuser räumte er jedoch ein: Man verdiene nur Geld mit Masse, mit „schneiden und stechen“, aber nicht mit Vorsorge. Seine Forderung: „Nicht nur reden, machen.“
Medizinrechtler Thomas Schlegel fragte: „Wenn Prävention nicht Daseinsvorsorge ist, was ist es dann?“ Gesundheit müsse gelebt werden. Die Präventionsangebote müssten endlich sinnvoll strukturiert werden. Man dürfe nicht in der „Gesundheitsbabbel“ des SGB V versinken. Kloepfer stellte klar: Den Krankenkassen, die sich bereits in der Prävention engagieren, wolle man kein Geld wegnehmen. „Kein Interesse an Kassengeld“, wie Kloepfer sagte. Krankheit könne man sich nicht mehr länger leisten – an die Ressource Gesundheit müsse herangegangen werden. Deutliche Worte an diesem Abend und eine gute Grundlage für vertiefende Diskussionen.
Fina Geschonneck
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