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KOMMENTAR

Finanzkommission setzt wichtige Signale für evidenzbasierte Medizin

Prof. Dr. med. Jürgen Windeler

Nun hat die FinanzKommission Gesundheit also ihren sehnlichst erwarteten ersten Bericht vorgelegt. Sie schlägt darin ein Bündel von insgesamt 66 Maßnahmen vor, um die GKV-Finanzen im Jahr 2027 zu stabilisieren. Welche Richtung wird damit vorgegeben?

Die wichtigste Botschaft ist zweifellos, die Ausgaben an die nicht unbeschränkt wachsenden Einnahmen anzupassen und nicht umgekehrt, wie in den letzten Jahrzehnten praktiziert. Bemerkenswert und bezeichnend, dass es einer solchen Empfehlung überhaupt bedarf. Als wie ungewohnt sie empfunden wird, kann an den zahlreichen Stellungnahmen abgelesen werden. Sieht man von den Positionierungen der Kassen ab, so findet sich fast durchgehend bis zu Patientenvertretern die Klage, dass nicht, wie empfohlen, weniger, sondern (noch viel) mehr Geld ins System fließen möge. Und wenn überhaupt „gespart“ werden müsse – bitte bei allen anderen! „Empörung“ und Drohungen von allen Seiten – hier werden also erwartungsgemäß noch interessante Diskussionen folgen.

 

Empfehlungen für evidenzbasierte Medizin

Eine Reihe (im Gesamtpaket eher wenige) Empfehlungen betreffen unmittelbar oder mittelbar Leistungen oder Strukturen, die im Bereich evidenzbasierte Medizin angesiedelt werden können. Einige Einschätzungen dazu:

Empfehlung 7 (6.3.6). Die Aussetzung des Hautkrebs-Screenings ist eine längst überfällige Maßnahme. Es mag die Bänkevertreter im G-BA hoffentlich peinlich berühren, dass sie nicht …

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IN EIGENER SACHE

Observer Gesundheit – 1.000 Beiträge: ohne Werbung, ohne Bezahlschranke, aber mit Expertise

Der Observer Gesundheit hat heute seinen 1.000. Beitrag veröffentlicht. Ein Meilenstein für uns, der nicht nur eine Zahl markiert, sondern das gewachsene Gewicht einer Plattform, die sich fest in der gesundheitspolitischen Landschaft etabliert hat.

Seit dem Start im Jahr 2018 ist viel passiert: Damals zählten wir knapp 12.500 Zugriffe pro Monat – heute sind es rund 70.000. Diese Entwicklung zeigt, dass fundierte, meinungsstarke Beiträge zur Gesundheitspolitik mehr denn je gefragt sind – auch und gerade auf einer Plattform, die bewusst mittlerweile kosten- und schon immer werbefrei ist.

Ein großer Dank gebührt unseren Autorinnen und Autoren. Sie kommen aus Wissenschaft, Politik, Verbänden, Kassen, Unternehmen, Versorgung und Praxis – und bringen ihre Sicht auf zentrale gesundheitspolitische Fragen ein. Ihre Texte …

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POLITISCHE ANALYSE

Narrative in der Gesundheitspolitik

Dr. Andreas Meusch

„Kostenexplosion“, „Pflegenotstand“, „Systemversagen“ – gesundheitspolitische Reformen beginnen nicht mit Gesetzentwürfen, sondern mit Problemdefinitionen. Diese sind jedoch nicht neutral, sondern Ergebnis politischer Auseinandersetzungen, bei denen Narrative eine zentrale Rolle spielen.

Narrative bündeln Interessen, ordnen Verantwortung zu und begrenzen den Raum des politisch Möglichen. Gesundheitspolitik ist daher nicht nur ein Feld institutioneller Entscheidungen, sondern ein Kampf um Deutungshoheit – und damit um die Reformagenda selbst. Das zeigt sich in Krisenzeiten wie der jetzigen besonders.

Narrative sind in unserer komplexen Gesellschaft ein unverzichtbarer Teil erfolgreicher Politikgestaltung, „sie bündeln komplexe Inhalte in verständliche Erzählmuster, die durch ihre Wiederholung und Anwendung stabilisiert werden“ und stabilisierend für das Politikkonzept wirken, das sie beschreiben sollen (Obermann, S. 175f). Sie sind wie Marken, reduzieren Komplexität und schaffen in der Informationsüberflutung Orientierung. Sie tragen dazu bei, dass Individuen und Gruppen (z.B. Parteien) unter den Rahmenbedingungen der Aufmerksamkeitsökonomie bei begrenzten kognitiven Ressourcen kommunikations- und handlungsfähig bleiben. Je direkter die Betroffenheit der einzelnen Menschen von politischen Maßnahmen wie ‚Gesetzgebung sind, umso wichtiger sind Narrative. Sie spielen deshalb bei der Formulierung und Legitimation sozialpolitischer Maßnahmen eine zentrale Rolle.

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MANAGEMENT/Wissenschaft

Fachfremde Belegung in Krankenhäusern

Die Krankenhausreform stellt das System im stationären Bereich grundlegend um: Die Zusammenlegung von Kapazitäten innerhalb von Leistungsgruppen soll Qualität sichern und gleichzeitig Ressourcen effizienter nutzen. Wenn Patientenzahlen in einer Leistungsgruppe zunehmen und die Auslastung entsprechend hoch ist, greift ein vertrautes Steuerungsinstrument: Patienten werden fachfremd auf anderen Stationen untergebracht.

In der internationalen Fachliteratur spricht man von Off-Service Placement (fachfremde Belegung). Gemeint sind Fälle, in denen z. B. internistische Patienten auf einer chirurgischen Station liegen, weil dort gerade ein Bett frei ist. Bisherige Studien zeigen: Für diese Off-Service-Patienten selbst bedeutet das häufig längere Aufenthalte und zum Teil schlechtere Outcomes.

Eine aktuelle Management-Science-Studie von Lim, Song und Yang [1] geht einen Schritt weiter und stellt eine bislang wenig beachtete Frage: Verlangsamt fachfremde Belegung nicht nur die Versorgung der „falsch“ liegenden Patienten, sondern auch die der regulär auf ihrer Fachstation untergebrachten …

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MANAGEMENT/Trends

Das FDZ-Gesundheit im Methodenmix der Versorgungsforschung

Dr. Katja Gehrke

Wer glaubt, mit dem Live-Gang des Forschungsdatenzentrums (FDZ) Gesundheit gibt es nunmehr für jeden einen einfachen und explorativ nutzbaren Zugang zu pseudonymisierten Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung, der irrt.

Richtig ist, es ist eine breite Datenbasis der GKV-Versicherten sowie ein standardisiertes Verfahren zur Beantragung der Daten und eine in Teilen bereits bekannte Infrastruktur für Forschung [1-6] geschaffen worden. Dennoch können nicht alle Forschungsfragen hierüber beantwortet werden und es gibt zweckgebundene Nutzungs- und Schutzvorgaben. Das FDZ-Gesundheit kann daher als wichtiger, aber nicht immer hinreichender Baustein eines multiperspektivischen Forschungsdesigns verstanden werden.

 

1. Hintergrund und Ziel des Beitrages

Mit dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz und der FDZ-Gesundheit-Verordnung wurde der Zugang zu Gesundheitsdaten für gemeinwohlorientierte Forschungszwecke neu geordnet [2, 3]. Das Bundesministerium für Gesundheit beschreibt das FDZ-Gesundheit als Teil einer dezentralen Gesundheitsdateninfrastruktur, in der Datenzugang, Koordination und sichere Verarbeitung stärker …

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autor_Hilde Mattheis
Hilde Mattheis
autor_Univ.-Prof. Dr. Jürgen Wasem
Univ.-Prof. Dr. Jürgen Wasem
autor_Karin Maag
Karin Maag
autor_PD Dr. rer. medic. Ursula Hahn
PD Dr. rer. medic. Ursula Hahn
autor_Daniela Teichert
Daniela Teichert
autor_Benjamin Plocher
Benjamin Plocher
autor_Birgit Fischer
Birgit Fischer
autor_Dr. Andreas W. Schneider
Dr. Andreas W. Schneider
autor_Dr. Emanuel Wiggerich
Dr. Emanuel Wiggerich
autor_Wencke Rüsenberg
Wencke Rüsenberg
autor_Jürgen Hohnl
Jürgen Hohnl
autor_Jens Naumann
Jens Naumann
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